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Rottweil Glück hatte, wer das richtige Los zog

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Lothar Hils hat am kommenden Montag seinen letzten Arbeitstag. Foto: Stapel Foto: Schwarzwälder Bote

Was mit einer Urlaubsvertretung für einen Kollegen im Juli 1971 begann, wurde zur Leidenschaft und Berufung auf Lebenszeit. Der 81-jährige Lothar Hils ist Rottweils Marktmeister und geht nach 48 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand.

Rottweil. Um fünf Uhr morgens steht er "auf der Gass": Stände einteilen, schauen, dass der Aufbau am frühen Morgen nicht zu laut vonstatten geht, rund 50 Standbetreiber abkassieren, darauf achten, dass der Platz wieder sauber verlassen wird und natürlich muss die Organisation reibungslos ablaufen. Dafür ist der Mann, ausgestattet mit Tasche, Geldbeutel und Quittungsblock in der Hand, zuständig: Lothar Hils. Und das seit 48 Jahren.

"Verschiedenste Kulturen und Nationalitäten sind vertreten und es gibt keine Probleme."

"Angefangen hat alles mit einem Gespräch am Stammtisch", sagt Hils. "Ich habe mich nach einer neuen Stelle umgehört." Die eigentliche Haupttätigkeit des gebürtigen Rottweilers war in einer Zimmerei eines Betriebshofs. "38 Jahre habe ich dort in der Werkstatt gearbeitet und nebenher auf dem Markt", äußert Hils, der heute in Böhringen wohnt. Josef Leins vom Amt für öffentliche Ordnung war Marktmeister und bekam mit, dass Hils einen Job sucht. Schließlich holte er ihn ins Boot. Gemeinsam haben die langjährigen Freunde drei Jahre gemeinsam auf dem Wochen- und Jahrmarkt gearbeitet. Als Leins 1974 in Rente ging, wurde Hils Rottweils neuer Marktmeister und es sollte Berufung auf Lebenszeit werden. Insgesamt sei er seit 56 Jahren für die Stadt Rottweil tätig.

Seine Nebentätigkeit auf dem Wochenmarkt übte Hils jeden Samstag und Mittwoch von sieben bis 13 Uhr in den Jahren 1974 bis 2000 aus. "Die Zahl der Standbetreiber hat sich bis heute aber halbiert, angefangen habe ich mit rund 120 Ständen – gegen Ende waren es etwa 60", sagt Hils. "Als ich noch vielen Leuten für Stände auf dem Markt absagen musste, weil ich zu wenig Platz hatte, war mein Höhepunkt, dass ich die Standbetreiber Lose ziehen ließ. Nur mit Glück entschied sich, wer in die Fußgängerzone oder in eine Seitenstraße kam." Sein damaliger guter Freund Tassilo Hummel half ihm beim "Eintreiben" der Standgebühren. "Er schrieb die Quittung und ich kassierte das Geld", sagt der 81-jährige.

Den Wochenmarkt gab Hils im Jahr 2000 auf, dem Krämermarkt ist er aber bis heute treu geblieben. "Vieles ist heute anders", meint Hils. Aber eine Veränderung mag er besonders auf dem Markt: "Verschiedenste Kulturen und Nationalitäten sind vertreten und es gibt keine Probleme." Oft seien Vorurteile gegen Ausländer groß, meint Hils. "Ich habe viele Jahre auf dem Buckel, aber es hat eigentlich immer alles geklappt."­

Woran der Böhringer sich aber gerne erinnert ist einer seiner Lieblingsmärkte: der Schweinemarkt, der immer Samstagmorgens auf dem Kriegsdamm stattfand. Punkt acht ging’s los: rund 200 Tiere standen hier zum Verkauf. Aber erst wurde gepfiffen wie auf dem Fußballfeld: "Der Pfiff war das ›Ok‹ des Veterinärs Doktor Buri, dass alle Schweine untersucht worden und gesund sind", erzählt Hils. "Das Honorar haben wir dann gerne mal nach der Arbeit für Bier und Vesper ausgegeben." Aber auch hier machte sich der Lauf der Zeit bemerkbar: Laut Hils gab es zu seinen Anfangszeiten 1971 noch etwa 200 Tiere zu kaufen, kurz bevor der Schweinemarkt 1983 aufgelöst wurde, seien es nur noch um die 40 gewesen. "Der Schweinemarkt war in 30 Minuten über den Tisch gegangen, dass beste war, neben dem Verhandeln, Bekannte und Kollegen zu treffen – es war eine Tradition, sein Schwein in Rottweil zu kaufen", sagt der Böhringer. "1971 gab es nur noch Schweine zu kaufen, zuvor gab es auch Rinder und Pferde."

Am Montag, 25. November, wird Lothar Hils das letzte Mal auf dem Rottweiler Krämermarkt aktiv zu sehen sein. Seine Nachfolgerin wird Jasmin Angst. ­Die beiden werden sich das Amt am Montag teilen. "Das ist der Lauf der Dinge", sagt Hils. "Ich habe mehr als genug schöne Erinnerungen, von denen ich erzählen kann." Der Ehemann, Vater von zwei Kindern und Großvater von zwei Enkeln freut sich auf seine wohlverdiente Rente.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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