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Rottweil Geldabheben: 23-Jähriger landet auf Anklagebank

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Wie Geld abheben bei der Bank auf die Anklagebank führen kann, erlebt ein 23-Jähriger. (Symbolbild) Foto: © Romoloa Tavani – stock.adobe.com

Rottweil -  Wie ein alltäglicher Vorgang auf die Anklagebank führen kann, erlebt ein 23-Jähriger. Da jedoch die Zweifel im Verlauf der Verhandlung vor dem Amtsgericht wachsen, kommt es zu einem Freispruch.

Die Anklage

Die Anklage lautet auf Computerbetrug. Gemeint ist das Geldabheben an einem Bankautomaten in der Innenstadt von Rottweil mit einer Kreditkarte (nebst der dazugehörigen Geheimzahl); jene gehört jedoch nicht dem jungen Mann, sondern einem 64-Jährigen aus Potsdam, die ihm wahrscheinlich am Vorabend in der Hauptstadt von Brandenburg abhanden gekommen ist.

Der Angeklagte

Der Angeklagte hob am Dienstag nach Ostermontag 2019, am 23. April, in einem Geldinstitut in der Hochbrücktorstraße laut Kontoauszug seiner Bank um 17.49 Uhr 50 Euro ab. Laut Zeitangabe der Videoaufzeichnung ist er jedoch um 17.54 Uhr lichtbildtechnisch festgehalten. Zu dieser Zeit seien 500 Euro von besagter Kreditkarte abgebucht worden. Die Informationen, die sich in den Akten sammelten und während der Zeugenbefragung ausgesprochen werden, führen schließlich nicht zu einer Verurteilung.

Der junge Mann

Er habe mit diesem Betrug nichts zu tun. Er sei während der Osterfeiertage nicht in Potsdam gewesen, er habe in seiner Wohnung für seinen Staplerschein gelernt. Dafür habe er außerdem Passbilder benötigt und deshalb kurz vor dem Fototermin Geld abgehoben. 50 Euro. Von seinem Konto. Als die Polizei in seine Firma gekommen sei und ihn mit dem Vorwurf konfrontiert habe, sei er erschrocken gewesen.

Die Polizistin

Eine 28-jährige Polizistin, die sich immer wieder polizeiintern veröffentlichte Fotos anschaut, hat den 23-Jährigen im Juli in einem Discounter erkannt und mit Blick auf seinen Arbeitgeber, anhand seines T-Shirts, auf der Homepage namentlich zugeordnet.

Der Kommissar

Total perplex habe sich der Angeklagte gezeigt, als er von ihm mit der Tat konfrontiert worden sei, so die Aussage des 59-jährigen Ermittlers. Der junge Mann habe bei den Untersuchungen von Wohnung und Auto kooperiert.

Eine Frage

Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft, ob denn bei dem Geldinstitut alle Chronometer die gleiche Uhrzeit anzeigen, habe die Polizei von der Bank ein Nein als Antwort erhalten. Es sei eine zeitliche Differenz möglich. Näheres konnte jedoch bei den Ermittlungen im November nicht mehr in Erfahrung gebracht werden. Ob die Zeitangabe auf dem Video mit jener des Geldterminals übereinstimme, wisse er nicht. Den Behörden und der Verteidigung liegen lediglich Bilder mit "17.54 Uhr" vor. 17.54 Uhr sei die Botschaft aus Potsdam gewesen, und danach hätten sich die Ermittlungen in Rottweil konzentriert. Dass Geldabheben an sich hat etwa 25 Sekunden gedauert, wie im Gerichtssaal beim Betrachten der Bilder festgestellt wird.

"Sherlock Holmes"

Als die Polizei weitere Aufzeichnungen jenseits der 17.54 Uhr aufspüren wollte, habe es von dem Geldinstitut geheißen, die Aufzeichnungsfrist sei abgelaufen. Konkret: Die Bank habe nichts mehr gespeichert.

Der Geschädigte

Der 64-Jährige weiß, dass er am Ostermontag in Potsdam mit dem Auto des Sohns seiner Partnerin tanken gewesen sei und mit der Kreditkarte gezahlt habe. Ihm sei jedoch nichts Besonderes beim Bezahlen (mit Karte und Geheimzahl) aufgefallen. Den Angeklagten habe er noch nie gesehen. Als er am anderen Tag die Kreditkarte vermisst habe, habe er sie sperren lassen. Da habe es aber geheißen, vor zehn Minuten seien in Rottweil 500 Euro abgehoben worden.

Die PIN

Die Geheimzahl habe niemand gewusst, berichtet der Potsdamer. Und er habe sie auch nirgends notiert, weil sie der Geburtstag seiner Mutter sei. Nur er benutze diese Karte. Nein, Kontakte nach Rottweil habe er nicht. Da die Vernehmung bei der Polizei am 9. Juli stattgefunden hat, also etwa ein Jahr zurückliegt, werden vor dem Amtsgericht aus diesen Aufzeichnungen manche Aussagen konkretisiert.

Besagter 23. April

Am frühen Morgen dieses Dienstags sei das aufgetankte Auto nach Bremen gefahren, der "Stiefsohn" des 64-Jährigen arbeite dort. Und der Geschädigte habe in aller Frühe seine langjährige Lebensgefährtin zum Flieger gefahren. Sie wohne in der Schweiz, bei Luzern. Und, nein, auch sie kenne die PIN nicht. Von Luzern nach Rottweil seien es etwa 200 Kilometer, erfährt der Verteidiger außerdem auf Nachfrage.

Der Chef

Er ist der vierte Zeuge. Und er charakterisiert den Angeklagten, seinen Mitarbeiter, als zuverlässig, im Team anerkannt. Er habe sich bisher nichts zu schulden kommen lassen. Staatsanwaltschaft: Sie "neigt dazu, Freispruch zu beantragen". Es seien zwei Abbuchungen getätigt worden. Um 17.49 Uhr. Und um 17.54 Uhr. Einen Beweis, dass der Angeklagte noch einmal in das Bankgebäude gegangen sei, um die 500 Euro abzuheben, gebe es nicht. Auch sei unklar, wie er an die PIN gekommen sei.

Der Verteidiger

Schließt sich seiner Vorrednerin prinzipiell an. Er stellt noch fest, dass die Ermittlungsarbeit "sehr ungünstig" gelaufen sei. Der Rest sind Vermutungen, wer denn nun an Kreditkarte und PIN gekommen ist und warum nicht mehr als 500 Euro abgehoben worden sind.

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