Oberbürgermeister Ralf Broß (links) überreichte Jennifer-Catrin Rietschler, Leiterin der JVA Rottweil, im Beisein des Landesjustizministers Rainer Stickelberger (rechts) zur Amtseinführung ein Buch über die Rottweiler Fasnacht. Foto: Klossek Foto: Schwarzwälder-Bote

Feierstunde: Jennifer-Catrin Rietschler als Leiterin der JVA-Rottweil ins Amt eingeführt

Gestern gratulierten Politiker und Repräsentanten des Justizwesen der neuen JVA-Leiterin. Manche Bemerkung erinnerte dabei an Monopoly. Denn wie auch bei dem bekannten Gesellschaftsspiel kamen die Redner nicht so leicht am Gefängnis vorbei.

Von Nadine Klossek

Kreis Rottweil. "Die Justizvollzugsanstalt Rottweil befindet sich bei Ihnen in besten Händen." Mit diesen Worten bekundete der Landesjustizminister Rainer Stickelberger sein Vertrauen in die neue Leiterin der JVA Rottweil, Jennifer-Catrin Rietschler, bei der gestrigen Amtseinführung im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Rottweil. Der Minister lobte die gebürtige Ulmerin für ihre "beeindruckende örtliche Flexibilität" und hob ihre vielen beruflichen Stationen hervor. "Eine wahrhaftige Reise durch unser Bundesland hat Frau Rietschler zurückgelegt", erklärte Stickelberger. Nach den Stationen Schwäbisch-Hall, Stuttgart, Ravensburg und Ulm hat Rietschler im Juni dieses Jahres die Stelle als Leiterin der JVA Rottweil angetreten.

"Dabei ist sie noch keine 40 Jahre alt, oder?", flüstert eine Dame mit einem Anflug von Ehrfurcht ihrem Bekannten zu, während die Vita der neuen Leiterin vorgetragen wird. Nein, das ist sie tatsächlich nicht. 37 Jahre jung ist die neue Leiterin, was ihren Lebenslauf noch eindrucksvoller erscheinen lässt.

Bei den Reden stand aber nicht nur Rietschler im Vordergrund. l Stickelberger als auch Oberbürgermeister Broß nutzten die Gunst der Stunde, um erneut für das neue Gefängnis in Rottweil zu werben.

Der Landesjustizminister sprach vom Besuch der JVA in Berlin, auch dazu, wie das Naherholungsgebiet berücksichtigt werden soll und was für ein Meilenstein der Bürgerentscheid für ihn darstellt. "Dieser Weg wird aber kein leichter sein", schloss er. Broß betonte erneut, wie sehr die Rottweiler hinter der Entscheidung stünden und dass er sich darauf freue, das "Vorzeigeprojekt" zu starten. Wirklich neue Erkenntnisse zum neuen Gefängnis gab es bei beiden Rednern aber nicht. Broß begrüßte Rietschler schließlich herzlich in der ältesten Stadt Baden-Württembergs.

Vereinbarkeit von Familie und Karriere im Justizwesen nicht einfach

Nach den Vertretern von Stadt und Land kam Matthias Weckerle, Leiter der JVA Rottenburg, zu Wort. Er erzählte vom freundschaftlichen Verhältnis zwischen den Vollzugsanstalten und wie sehr er sich freue, dass Rietschler nun Teil ihres Teams sei. Im gleichen Atemzug dankte er auch Amtsvorgänger Matthias Nagel für seine geleistete Arbeit. Auch Weckerle nutzte die Feierstunde, um über andere Dinge zu sprechen. Vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Karriere sei noch immer ein nicht zu unterschätzendes Problem im Justizwesen.

Als letzte Rednerin war die Hauptperson des Tages an der Reihe. "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren" und "jeder dem seine Freiheit entzogen ist, muss menschlich und mit Achtung vor der dem Menschen innewohnenden Würde behandelt werden" zitierte sie zu Anfang die Inschrift der Justizanstalt Leoben in Österreich. "Nach diesem Leitsatz möchte ich die JVA Rottweil führen", erklärte Rietschler.

Das Besondere in Rottweil verglichen mit den anderen Strafanstalten in denen sie bereits gearbeitete hatte, sei die Struktur der Einrichtung. "Die Aufteilung mit einer Hauptanstalt und drei Außenstellen in Oberndorf, Hechingen und Villingen-Schwenningen stellt momentan eine ganz besondere Herausforderung dar", meinte die 37-Jährige. Zuletzt dankte sie ihrem Mann und ihrer Familie für die "selbstlose Unterstützung". Rietschler scheint also auch Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen.