An der Dreher'schen Mühle soll die Durchgängigkeit des Neckars hergestellt werden. Foto: Nädele

An Dreher'scher Mühle soll Durchgängigkeit des Neckars hergestellt werden - für 900.000 Euro. Mit Kommentar

Rottweil - Schon im August wird es losgehen, mit Arbeiten an einem Mosaikstein aus dem Rottweiler Landesgartenschau-Konzept: an der Dreher’schen Mühle. Die Stadt lässt dort die Durchgängigkeit des Neckars herstellen -­ für 900.000 Euro.

Es ist eine der Sowieso-Maßnahmen. Eine, die die Stadt schon seit einiger Zeit vor sich herschiebt. Nun hat der Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschuss (UBV) des Gemeinderats im nicht öffentlichen Teil seiner Sitzung am Mittwochabend der Firma Nacken in Steißlingen den Auftrag für den Wasserbau und Stahlbetonarbeiten erteilt. 731.000 Euro hat die Gesellschaft dafür kalkuliert. Damit liegen die Kosten deutlich über den Erwartungen der Verwaltung, sodass am Mittwochabend neben der Vergabe gleich noch die Bewilligung von 120.000 Euro an überplanmäßigen Mitteln fällig wurde, wie Oberbürgermeister Ralf Broß und Bürgermeister Christian Ruf berichten.

Zusammen mit den Nebenkosten kommt dieser erste Schritt nun auf 900.000 Euro. Etwa die Hälfte davon, so die Erwartungen in Rottweil, könnten über Zuschüsse abgedeckt sein.

Durch den Rückbau wird im Mühlkanal der Wasserstand sinken, macht Ruf deutlich, dass in der Folge weitere Schritte notwendig werden. So soll dann das sanierungsbedürftige Mühlrad – im Gegensatz zur Mühle ist es Eigentum der Stadt – instandgesetzt werden. Das dürfte sich im Haushaltsplan für 2019 widerfinden. Zuschüsse werden auch dafür erwartet, jedoch "nicht mehr in dieser Größenordnung", wie Ruf meint.

Ein Steg schließt die Lücke im Tal

Dass dort im Neckartal in Zukunft ein Steg eine Lücke im Netz mitunter vergessener Wege schließen soll, wie es das Bewerbungskonzept vorsieht, folgt dann in den kommenden Jahren bis zur Landesgartenschau 2028.

Apropos: Erste Gespräche mit der Landesgesellschaft BWgrün hat es bereits gegeben, berichtet OB Broß. Nach der Sommerpause gehe es dann weiter in die Tiefe. Den Erfahrungsaustausch mit Ausrichterstädten lässt sich Rottweil nicht entgehen. Zudem wird in den nächsten Wochen der Zeitplan für die Jahre bis 2028 aufgestellt, eine Projektgruppe wird die Arbeit aufnehmen und auch mit der Gründung der Landesgartenschau-GmbH will Broß nicht lange zuwarten.

Es wird deutlich: "Der Rückenwind soll mitgenommen werden", Broß will die Begeisterung der Bürger für das Projekt nicht abreißen lassen. Diese positive Stimmung ist für die Stadt unbezahlbar. Zu beziffern hingegen ist, was dies kostet und bereits gekostet hat. Ohne konkrete Ideen, wie die Bewerbung aussehen und befeuert werden könnte, waren im Haushalt für das laufende Jahr 50 000 Euro eingestellt. Nun ist klar: Das entspricht etwa den Kosten, die alleine durch den Besuch der Bewertungskommission aufgelaufen sind. Nochmals 105.000 Euro hat der UBV am Mittwoch als überplanmäßige Ausgaben bewilligt.

200.000 Euro allein in diesem Jahr

Einstimmig, wie Ruf und Broß berichten, und im Bewusstsein, dass es sich gelohnt habe. Damit abgedeckt sind knapp 20.000 Euro für die verschiedenen Aktionen von Gießkannen über Punkte-Wand bis etwa zum Sonnenblumenfeld. Fast 15 000 Euro stecken für die Bürgerbeteiligung in der Gesamtsumme von 155.000 Euro. Rund 10.000 Euro sind darin auch enthalten für die Arbeit des Büros Senner in diesem Jahr. Der Großteil der Kosten – für die konzeptionelle Arbeit – sei indes bereits in 2017 abgerechnet worden.

Bis zum Jahresende wird die Stadt für das Projekt RW 2028 insgesamt 200.000 Euro investiert haben, denn die Ausschussmitglieder haben für die nächsten Schritte nochmals 45.000 Euro bewilligt. Dafür soll wegen des enormen Interesses nicht nur eine zweite Auflage der Bewerbungsbroschüre gedruckt werden, sondern es ist auch eine Informationsfahrt des Gemeinderats zur aktuellen Landesgartenschau in Lahr geplant, die Kampagne "Wir haben gepunktet" wird fortgesetzt und die RW 2028-Inhalte werden weiter entwickelt.

Und dann steht schließlich auch die europaweite Ausschreibung des Gestaltungswettbewerbs an, wie das Landesgartenschaugelände bespielt werden wird. Bis daraus Ergebnisse für die weitere Planung vorliegen, ist schnell mal ein Jahr vorbei. Eine Idee dafür, mit einem Garten der Region, hält Broß aufrecht. Am Montag bei der Sprengelversammlung der Oberbürgermeister in Donaueschingen hat Broß nicht nur Gratulationen seiner Kollegen entgegengenommen, sondern aus Richtung Schramberg und Tuttlingen auch positive Signale, was die Beteiligung der beiden Mitbewerber betrifft.

Kommentar: Ärmel hoch

Von Patrick Nädele

Na, wie wären die Reaktionen auf die Ausgaben der Stadt für die Landesgartenschau-Bewerbung wohl ausgefallen, wenn es in die Hose gegangen wäre? 155.000 Euro in den Sand gesetzt? Statt »Höher. Grüner. Weiter.« wäre »Hätte. Könnte. Müsste.« angesagt gewesen. Das Geschrei wäre bis nach Schramberg und nach Tuttlingen zu hören. Nun ist es für Rottweil aber gutgegangen. Der Fleiß hat sich gelohnt, und die Investitionen machen sich bezahlt. Und hier in Rottweil sind jetzt die entsprechenden Schreie aus den Nachbar-Städten zu vernehmen. Allerdings ist ein intransparenter Wettbewerb wie dieser um die Grünprojekte völlig ungeeignet für Schuldzuweisungen. Ist man vom eigenen Bewerbungskonzept überzeugt, ist die Frage nach dem Warum von Zuschlag oder Absage sowieso sinnlos. Jetzt muss es heißen: Ärmel hoch und anpacken – hier wie dort.

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