Ralf Roming hat mit seiner Familie aus dem Hofgut Neckarburg ein beliebtes Ausflugsziel gemacht. Foto: Otto

Das Hofgut Neckarburg liegt in unmittelbarer Nähe zum JVA-Standort Esch. Beliebtes Ausflugsziel.

Rottweil - Ohne Zweifel, es ist Idylle pur auf dem Hofgut Neckarburg: Pferde grasen auf der Weide, ein Brunnen plätschert, in der Mitte des gekiesten Hofs steht ein prächtiger Kastanienbaum. Die Biertische drumherum werden sich an diesem Nachmittag wieder mit Ausflüglern und Radfahrern füllen. Und wieder wird es ein brennendes Gesprächsthema geben: Hier, in unmittelbarer Nähe, soll ein neues Großgefängnis entstehen? Für Ralf Roming und seine Familie, die sich im Naherholungsgebiet Esch mit dem Hofgut eine Existenz aufgebaut haben, ist das unvorstellbar.

 

Ob es dazu kommt, wird sich am 20. September zeigen, wenn die Rottweiler zum Bürgerentscheid aufgerufen sind. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt Ralf Roming, der dem Termin mit gemischten Gefühlen entgegensieht. Für ihn gibt es ein entscheidendes Problem: "Eigentlich stimmen die Falschen ab", bedauert er. Denn logischerweise interessiere es einen Rottweiler, der in der Altstadt oder in Göllsdorf wohnt, nicht allzu sehr, ob im entfernten Esch eine JVA steht. "Es ist Gemarkung Rottweil, aber betroffen sind vor allem die Menschen aus Dietingen und Villingendorf."

Und betroffen ist eben er. "Was passiert mit unserer Existenz?". Das ist die Frage, die dem Familienvater nachts den Schlaf raubt. 2013 haben er und seine Lebensgefährtin Nadine das Hofgut gepachtet und mit viel Engagement zu einem beliebten Ausflugsziel für Familien und einer willkommenen Station für Fahrradfahrer auf dem Neckartal-Radweg gemacht. Im Biergarten wird von Freitag bis Sonntag bewirtet, der große Veranstaltungsraum kann gemietet werden und ist bei Brautpaaren beliebt, die Familie betreibt eine Pferdepension, es gibt eine Kinderreitschule und sonntags Ponyreiten. Die Resonanz der Gäste ist toll, sagt Roming, der ursprünglich aus Schramberg kommt. Und für seine Familie, vier Kinder sowie Oma und Opa, ist das Hofgut Heimat geworden.

Die Zufahrt zu diesem Idyll führt direkt über den geplanten JVA-Standort Esch oben auf der Hochebene, dann hinunter ins Naturschutzgebiet, vorbei am Umlaufberg einer Schlinge des Neckars. "Das ist schon einzigartig hier", sagt Ralf Roming. Dass die Stadt nicht mit diesem Naturschutzgebiet wirbt, sondern stattdessen unmittelbar angrenzend vom Land eine JVA für 500 Häftlinge bauen lassen will, ist für ihn unverständlich.

Viele Fragen treiben ihn um: Kommen die Leute auch noch, wenn eine riesige JVA da oben steht? Wollen Paare hier noch heiraten? Was passiert in der zweijährigen Bauzeit? Wie wird das Naturschutzgebiet vor Schmutz und Lärm geschützt? Wird die JVA irgendwann vergrößert?

Ralf Roming ist durchaus Realist und weiß: Eine neue JVA muss gebaut werden. "Das finde ich auch richtig", betont er. Der Standort Esch ist für ihn jedoch verständlicherweise der denkbar schlechteste.

Eine Prognose für den Bürgerentscheid am 20. September hat er nicht. Schon im Vorfeld allerdings herrscht seiner Ansicht nach ein Ungleichgewicht. Die Befürworter, allen voran die Stadt, könnten natürlich aus dem Vollen schöpfen was Flyer und Plakate angehe. Die Gegner, wie die Bürgerinitiative "Neckarburg ohne Gefängnis", seien auf Spenden angewiesen, um Infomaterial unters Volk bringen zu können. Nicht zuletzt die erforderliche Wahlbeteiligung könnte ein Problem werden, meint Roming.

Klar ist für ihn aber auch: Wenn der Bürgerentscheid zugunsten des JVA-Baus auf dem Esch ausfällt, wird er nicht die Segel streichen. "Dann müssen wir das akzeptieren und das Beste draus machen."