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Rottweil Foodsharing: Foodsaver holen Essen ab und verteilen es

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Die ehrenamtlichen Helfer verteilen die geretteten Lebensmittel. Foto: Merk

Rottweil - Braungefleckte Bananen, Radieschen mit Dellen und Milchprodukte, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum seit wenigen Tagen abgelaufen ist. Solche Produkte müssen Geschäfte wegwerfen - sie können sie aber auch an die Plattform Foodsharing spenden.

"Ungenießbar sind diese Produkte nämlich noch lange nicht", sagt Sandra Vollmer während sie eine große Papiertüte voller ausrangierter Lebensmittel aus einem Rottweiler Geschäft trägt. Bei dieser einen Tüte soll es an diesem Nachmittag aber nicht bleiben: Denn Sandra Vollmer ist mit fünf anderen ehrenamtlichen Helfern als "Foodsharer" unterwegs - soll heißen: Sie fahren zu Geschäften und holen alle Lebensmittel ab, die dort nicht mehr verkauft werden können oder dürfen.

Das macht Sandra Vollmer nun seit gut einem Jahr - im Mai 2018 holte sie das inzwischen bundesweite Projekt nach Rottweil: "Kennengelernt habe ich die Plattform in Stuttgart und in Ludwigsburg", erzählt Vollmer. Lebensmittel in die Tonne zu werfen, die eigentlich noch genießbar sind, sei für sie ein absolutes "No-Go". "Es gibt einfach noch so viele Sachen, die zwar nicht mehr einwandfrei aussehen aber trotzdem noch genießbar sind, und es ist einfach schade, wenn diese Lebensmittel dann weggeworfen werden", so die Organisatorin. "Es bedeutet mindestens haltbar bis, nicht tödlich ab"

Das sieht man auch, wenn man die Lebensmittel mal näher betrachtet: Die Ehrenamtlichen, die sich mit Sandra Vollmer an diesem Nachmittag bei dem Rottweiler Geschäft verabredet haben, retten eine ganze Kiste voller knackiger Radieschen, deren Blätter gelblich verfärbt sind, abgelaufene Sonnenmilch, die dennoch lange ihre Funktion erfüllen dürfte, Süßigkeiten, Milchprodukte, Seife und Fertiggerichte, "weil das Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft oder bereits überschritten ist. Was viele Leute aber nicht verstehen: Es bedeutet mindestens haltbar bis, nicht tödlich ab", sagt Thomas Kluge, einer der ehrenamtlichen "Foodsharer", der an diesem Tag mithilft. Er sei zwar noch nicht lange bei dem Projekt mit dabei, habe sich seitdem aber kaum eine Lebensmittel-Rettungsaktion entgehen lassen: "Ich finde die Plattform einfach toll. Man kann dabei einfach etwas Gutes tun: In Afrika verhungern die Menschen, und wir werfen hier tonnenweise Lebensmittel weg. Das geht so einfach nicht, und deswegen mach ich beim Foodsharing mit, um etwas dagegen zu tun".

Nachdem vier Autos und ein Kleinbus mit Lebensmitteln vollgepackt sind, geht es weiter: "Wir fahren nun an einen Ort, den wir auf unserer Plattform bekanntgegeben haben. Dort können registrierte Foodsharing-Mitglieder hin kommen. An die werden dann die Lebensmittel, die wir hier gerade abgeholt haben, gerecht verteilt", erklärt Sandra Vollmer.

Die Rettung der Lebensmittel steht an erster Stelle

Damit an diesen Orten nicht so großer Andrang herrscht, werden sie der Öffentlichkeit absichtlich nicht bekanntgegeben. "Aber natürlich kann sich jeder auf unserer Plattform registrieren und dann auch zu diesen Orten kommen und Lebensmittel abholen", so Vollmer. Das sei auch gar nicht schwierig. Die Interessenten müssten lediglich ein kleines Anmelde-Quiz machen, um zu zeigen, dass sie über die Foodsharing-Plattform und das gesamte Projekt Bescheid wissen und verantwortungsvoll mit den gespendeten Lebensmitteln umgehen. Mittlerweile haben das bereits mehr als 70 Rottweiler getan. "Man kann sich auch aussuchen, ob man nur Lebensmittel erhalten will oder auch ehrenamtlicher Foodsaver wird und zu diesen Abhol-Fahrten wie heute mitkommt", so die Organisatorin. Dabei würden sich längst nicht nur Bedürftige anmelden: "Von der Oma mit der kleinen Rente bis zum Doktor ist alles mit dabei", so Vollmer: "Natürlich geben wir die Lebensmittel gerne an die Menschen, die nicht viel haben. Aber die Bedürftigkeit steht für uns nicht an erster Stelle. An erster Stelle steht, Lebensmittel zu retten". Jeder könnte außerdem selbst entscheiden, bei wie vielen Abholaktionen er teilnimmt und wie viel Freizeit für die Plattform geopfert werden soll und kann.

Am vereinbarten Verteiler-Ort angekommen, warten bereits einige weitere Foodsharer und Foodsaver. Erstmal werden alle Autos ausgeladen, und die Mitglieder stellen sich mit ihren mitgebrachten Kisten und Kühltaschen in einer Reihe auf. Dann nehmen Sandra Vollmer und zwei weitere Ehrenamtliche die ersten Tüten in die Hand und fangen an, die geretteten Lebensmittel zu verteilen –­ erst die Kühlware, dann Dosen und Konserven, Milchprodukte, Obst und Gemüse und so weiter.

Foodsaver holen die Lebensmittel ab und verteilen sie weiter

Thomas Kluge ist auch dabei und erntet kistenweise Lebensmittel. "Natürlich nicht nur für den eigenen Verzehr", sagt er lachend, "ich versorge noch drei weitere Familien mit den Lebensmitteln und noch ein paar einzelne Personen". Diese müssten dafür auch nicht auf der Plattform angemeldet sein, es seien einfach Freunde, Bekannte und Verwandte, die wissen, dass er ein Foodsaver ist. Natürlich lebe er aber auch von der ergatterten Ware: "Alles, was man einfrieren kann, verarbeite ich direkt und habe dann ganz lange was davon". Auf die Frage hin, ob er denn überhaupt noch einkaufen gehe, antwortet er: "Ich kaufe nur noch zu und orientiere mich bei meiner Essens-Planung an den Lebensmitteln, die ich hier bekommen habe."

Nach einer Stunde ist endlich ein Ende in Sicht: Die Lebensmittel werden weniger, die Kofferräume der Foodsaver voller. Solche Aktionen finden drei bis vier Mal die Woche statt, berichtet Sandra Vollmer atemlos. Die Verteilung der Lebensmittel ist ganz schön anstrengend. Zusätzlich stehen bei ihr auch noch zwei Jobs auf dem Wochen-Programm und ihr Kind, um das sich die Alleinerziehende kümmert. "Langweilig wird es mir also nicht", sagt die Organisatorin lachend, aber die Lebensmittel vor der Tonne zu retten, sei den Aufwand wert.

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