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Rottweil So gesehen: Alle sind gefordert

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Von Verena Schickle

In Ausnahmesituationen zeigt sich, wie gut eine Gemeinschaft funktioniert. Dass alles rund läuft, wenn die Wirtschaft brummt, alle einen Arbeitsplatz und ihre eigenen vier Wände haben, ist nicht verwunderlich. In Herausforderungen gilt es sich zu bewähren. Jetzt steht Europa, steht Deutschland vor einer riesigen Herausforderung angesichts der vielen Flüchtlinge, die bei uns Zuflucht suchen. Und diese Herausforderung ist längst vor unserer Haustür angekommen. Auch in Rottweil zeigt sich jetzt, wie gut oder schlecht unsere Gemeinschaft funktioniert.

Etwas über eine Woche ist es her, dass Landrat Wolf-Rüdiger Michel erklärt hatte, derzeit kämen 265 Flüchtlinge im Monat im Kreis Rottweil an. Die Behörden wüssten kaum mehr, wie sie die Menschen unterbringen sollen. Es fehlt an Wohnraum, es fehlt an Vermietern, die bereit sind, ihre leer stehenden Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Die Folge: Im schlimmsten Fall müssen die Flüchtlinge übergangsweise in Turnhallen hausen. Ausgerechnet gegen diese Ankündigung formiert sich nun Widerstand, auf Facebook hat sich die Gruppe "Rottweil wehrt sich" gegründet.

Das Kernproblem freilich sitzt tiefer: Es ist die zutiefst menschliche Angst vor allem Fremden. Für diese Angst und die Sorgen, die sich viele angesichts der Situation machen, kann man niemandem einen Vorwurf machen. Die Frage ist, wie der Einzelne mit seiner Angst umgeht. Auch daran zeigt sich, wie stark eine Gemeinschaft ist. Was hilft, ist ein Blick auf die Zahlen: Ende September 2014 hatte der Landkreis Rottweil knapp 136 000 Einwohner. Zum Vergleich: Derzeit leben im Kreis gut 1000 Flüchtlinge. Dazu kommt, dass im Vergleich zum Schwarzwald-Baar-Kreis, wo es etwa in Donaueschingen und Villingen-Schwenningen große Unterkünfte in ehemaligen Kasernen oder auf dem Messegelände gibt, die Aufgaben, die unser Landkreis zu meistern hat, noch klein sind.

Was ebenfalls hilft: ein Perspektivwechsel. Was müssen diese Menschen erlebt haben, um keinen anderen Weg als die gefährliche Flucht zu sehen? Was müsste passieren, damit wir unser Leben und unsere Lieben zurücklassen?

Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Einschränkungen wir im Alltag bisher tatsächlich durch die gestiegene Zahl an Flüchtlingen erleben. Auf Sportunterricht und Fußballtraining in der örtlichen Turnhalle verzichten zu müssen, wäre eine. Das ist unbestritten, genauso wie die Tatsache, dass Sportvereine eine wichtige Aufgabe in unserer Gesellschaft wahrnehmen, für die sie nun mal Platz benötigen. Allerdings geht es im einen Fall ums Vergnügen, im andern um ein Dach über dem Kopf. Was ist wichtiger?

Wir haben uns diese Herausforderung nicht herausgesucht, sie hat uns getroffen. Jetzt müssen wir damit umgehen. Die Aufgabe ist zu groß, als dass sie von Einzelnen gemeistert werden könnte.

Bisher überwiegen in Rottweil die positiven Beispiele für Engagement. Der neuen Facebook-Gruppe und hetzerischen Flugblättern stehen der seit Langem rührige Arbeitskreis Asyl, engagierte Mitarbeiter im Kreissozialamt und das junge Bündnis für Flüchtlingshilfe und Integration gegenüber.

Dort können sich übrigens auch die einbringen, die besorgt sind. Sie könnten konstruktiv mitarbeiten statt Ängste schüren. Rechte Hetze leistet nichts als die Atmosphäre zu vergiften. Probleme werden dadurch keine gelöst. Auch der Wille, eine Herausforderung gemeinsam zu bewältigen, löst nicht wie von selbst alle Probleme. Aber er ist die Grundvoraussetzung, um solch eine Situation überhaupt meistern zu können. Und das müssen wir.

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