Bunte Fahnen wehen in Rottweil: Neben traditionellen Formationen bekommen die Zuschauer auch Akrobatik und Show zu sehen. Foto: Kammerer

Drei Tage lang wetteifern die besten Fahnenschwinger Baden-Württembergs in Rottweil um die Meisterschaft.

Rottweil - Trommelklänge treffen auf Charts und Marschformationen auf Akrobatik: Fahnenschwingen vereint Tradtion mit Moderne. Bei der Landesmeisterschaft bewiesen die Sportler, dass hinter dem eleganten Schwung auch pfiffige Ideen stecken.

Es ist Freitagabend und vor der beeindruckenden Kulisse des Schwarzen Tores bahnt sich ein ungewohntes Schauspiel an. Männer und Frauen in Landsknechtuniformen marschieren durch die Fußgängerzone, mehrere Hundert Zuschauer, viele davon mit der Kamera im Anschlag, warten am Straßenrand. Dann schallen energiegeladene Trommelschläge durch die Fußgängerzone – und 120 Fahnenschwinger aus ganz Baden-Württemberg ziehen in farbenfrohen Landsknechtuniformen gehüllt und angeführt von den drei Landesfähnrichen im Gleichschritt durch das Schwarze Tor.

Rottweil – als ältestes Stadt Baden-Württembergs ja sowieso schon mit einer gehörigen Portion an Historie ausgestattet – ist drei Tage lang Schauplatz der Landesmeisterschaften im Fahnenschwingen. Die besten Sportler aus elf Vereinen wetteifern in 25 Disziplinen um den Sieg.

Es ist ein farbenprächtiges Bild, dass sich bei der Eröffnung bietet. In Reih und Glied lauschen die Sportler mit ihren bunten Fahnen den Begrüßungsworten. Unter den Gästen finden sich Männer wie Frauen; Sportler im reiferen Alter und solche, die noch nicht einmal volljährig sind. Nachdem Gerhard Schlaich, Vorsitzender des Landesverbandes der Fahnenschwinger, die Meisterschaften eröffnet hat, formieren sich knapp 20 Sportler zur "Deutschen Reihe". Auch für den Laien in den Zuschauerreihen wird schnell ersichtlich, wieviel Kraft es kostet, die Fahne nach einer streng traditionell vorgegebenen Choreografie konzentriert minutenlang in Bewegung zu halten.

Bei den Wettkämpfen in der Doppelsporthalle messen sich Damen und Herren im Einzel, im Duett und in der Gruppe. Die Wettkampfrichter achten auf Schrittfolge, Harmonie und Schwierigkeitsgrad. Eine fallengelassene Fahne beispielsweise gibt 10 Punkte Abzug. Ein Fehler, der durchaus auch dem technisch versiertesten Sportler passieren kann. Dann heißt es ruhig bleiben, das Sportgerät flugs wieder aufheben und schnell wieder in die Choreografie zurückfinden.

Beim "Fahnenschwingen im Gehen" kämpfen die Sportler am Samstag Abend mit dem Wetter. "Wind erschwert das Schwingen unheimlich", bestätigt Landespräsident Gerhard Schlaich. Die Fahnen flattern sicht- und hörbar, den Sportlern ist anzusehen, wie widrig die Umstände sind: Besonders bei den Würfen lässt sich die Flugbahn der Fahne nur noch schwer kalkulieren. Nur wer flink und konzentriert bei der Sache ist, lässt sich vom Wind nicht aus dem Konzept bringen.

Am Sonntag bekommen die rund 200 Zuschauer eindrucksvoll demonstriert, dass sich die Fahne auch zu den Klängen von "YMCA" elegant schwingen lässt. In der Disziplin "Showmäßiges" werden Landsknechtuniformen flugs durch Clown- und Schlumpfkostüme ersetzt, bei »Akrobatik« geben gewagte Würfe eine hohe Punktzahl. Am Ende von drei spannenden Wettkampftagen freuen sich die Teilnehmer der Niederburg über Siege in 17 Disziplinen. Auch die Rottweiler Lokalmatadoren haben sich Treppchenplätze erkämpft. Tatjana Ohnmacht im Einzel der Damen sogar den obersten.