Ingo Appelt präsentiert sich auch als Frauenversteher nicht weichgespült und schon gar nicht geläutert. Foto: Andreas Maier

Lästerzunge mit neuer Stoßrichtung präsentiert sich im Kraftwerk. Männer mutieren von Machos zu armen Wichten.

Rottweil - Grönemeyer, Lindenberg und Müller-Westernhagen auf Welttournee mit der Bundeskanzlerin: Das könnte sogar die gebeutelten Griechen barmen und ihr Portemonnaie für ein notleidendes Deutschland zücken lassen – stellt sich zumindest Ingo Appelt vor, und die Ferienzauber-Besucher am Dienstagabend im Kraftwerk glaubten ihm das aufs Wort. Denn so wie er das Trio anklingen lässt, treibt es einem das Mitleid ins Gemüt. Ob man allerdings so sparen muss, dass statt des Schantle-tauglichen Anzugstuchs nur noch eine knappe Lack- und Netztextilie tragbar ist, bleibt offen.

Ingo Appelt ist einer, bei dem gilt: "Hopp oder top". Ein bisschen mögen kann man den mitunter derben Humor nicht, und man muss auch den Nerv haben, gut zwei Stunden Dauerbeschallung – okay, plus Pause – zu ertragen und verarbeiten zu wollen. Dann aber liefert Appelt ein Feuerwerk. Wer’s nicht mag, dem bleiben davon ein paar müde Kracher, und, ja, auch ein bisschen Empörung. Denn Appelt, der gestern Abend selbst damit kokettierte läuft zwar nicht mehr mit dem berühmten "F...n"-Schild durch die Landschaft, doch macht es ihm Spaß, an echte oder vermeintliche Tabus zu rühren.

Doch was heißt da "rühren". Lustvoll segelt er drüber, und nicht nur das: Er erörtert die Frage, weshalb manche Kollegen manche Sachen nicht machen, lotet die verbotenen Zonen der abgebrühten Comedy-Szene und stellt sich genüsslich die Frage, weshalb die eigentlich gebe. Klar, dass er auch die Kollegen nicht gut wegkommen lässt. Doch nicht nur sie werden persifliert. Appelt nimmt sich auch selbst aufs Korn. Immerhin ist aus dem bösen Buben der liebe Frauenversteher geworden, der alle seine Vermutungen in den Antworten des Publikums bestätigt sieht und den Männern auf die Sprünge helfen will. Denn die sind seiner Meinung nach von Machos zu armen Wichten mutiert, die sich kaum noch trauen "piep" zu sagen, geschweige denn, was sie wirklich wollen.

Appelt führt im Kraftwerk eindrucksvolle Beweise ins Feld, argumentiert ethnologisch – mit etwas eigenwilligen Schlussfolgerungen – oder mit persönlichen Erfahrungen. Das alles spitzt sich auf die These zu, dass das Erkennen der eigenen Überflüssigkeit das vermeintlich starke Geschlecht erst zu Haudraufs und jetzt zu verzweifelten Hoffern gemacht hat. Und er präsentierte ein Rezept, wie man den Frauen die lange Leine wieder aus der Hand nehmen kann: Eigene Defizite beseitigen und das Gegenüber als Göttin akzeptieren.