Im öffentlichen Raum sind Tobias Kammerers Arbeiten vielfach zu finden, wie hier in seinem Skulpturengarten am Oberrotenstein in Hausen.Fotos: Siegmeier Foto: Schwarzwälder Bote

Serie: Bilder einer geschlossenen Ausstellung

Bilder und Objekte von 30 Künstlern im Kulturraum zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, zählt die Sonderausstellung "Kunst im Kreis" im Dominikanermuseum. In unserer Serie gehen wir einen neuen Weg der "Besichtigung", heute mit Tobias Kammerer.

Rottweil. "Bilder einer geschlossenen Ausstellung" haben wir diese Serie überschrieben, in der einige, der an der Ausstellung "Kunst im Kreis" beteiligten Künstler zu Wort kommen. Mit Kurator Bernhard Rüth sprechen sie über ihre Bilder und Objekte sowie ihr eigenes Kunstschaffen.

Zahlreiche Fassaden hat Tobias Kammerer gestaltet, einige Kirchen im Umland mit seiner Kunst ausgestattet und ausgemalt. Seine Arbeiten sind in Rottweil an vielen Orten zu finden. Nehme man nur mal Zimmern, Flözlingen, Hausen, Neukirch, Waldmössingen oder auch die Christophoruskapelle in Dunningen. Mit seinem künstlerischen Schaffen, das gleich mehrere Disziplinen, wie Wand- und Deckenmalerei, Glaskunst und Bildhauerei umfasst, nimmt er eine Sonderstellung ein und bereichert damit die Vielfalt der Kunst im Landkreis. Zudem wird die Rottweiler Kunstszene durch Tobias Kammerer bunter – "im übertragenen, wie auch im wörtlichen Sinne...", wie Bernhard Rüth anfügt.

Im öffentlichen Raum ist die Kunst von Kammerer in Rottweil vielfach zu entdecken. Besonders auf eine Arbeit weist Bernhard Rüth hin: Die Wandmalerei im Rundling des Landratsamtes. Nachdem Kammerer 1993 im Forum Kunst ausgestellt hatte, habe Rüth mit ihm Kontakt aufgenommen und das Wandgemälde in Auftrag gegeben. "Das war mein erster öffentlicher Auftrag", erinnert sich Kammerer.

Bild verschwindetmit dem Neubau

Das Wandbild ist wie viele von Tobias Kammerers Gemälden monumental und erstreckt sich über zwei Geschosse. Mit dem Neubau des Landratsamtes in Rottweil wird es allerdings verschwinden – die Tage des Kunstwerks sind also gezählt. "Das wird uns aber von Tobias Kammerer nicht trennen", betont Rüth. Gleich mehrere Arbeiten Kammerers sind in der Kunstsammlung des Landkreises verzeichnet, zwei davon sind in der Sonderausstellung "Kunst im Kreis", im Dominikanermuseum ausgestellt: Eine kleine Glasskulptur mit dem Titel "Abendspaziergang" – hochverformtes und gehärtetes Glas mit Rotbeize und Edelstahl, sowie eine Glasarbeit mit dem Titel "Die Rezeptur des Orakels 1" in kräftigem "Kammerer-Blau", wie es Bernhard Rüth nennt.

Die "Stärke der Farben, wie sie im Glas wirken, hat mich schon immer fasziniert und interessiert. Bei meinen Kirchenfenstern in Neukirch hat mich diese Intensität erstmals beeindruckt", erzählt Kammerer, der künstlerisch das internationale Parkett bespielt und im Bereich der Glaskunst zu den führenden Künstlern der Gegenwart zählt. Und obwohl er bereits eine Vielzahl an Glasskulpturen entworfen hat – die Bandbreite seines Schaffens ist im Skulpturengarten am Oberrotenstein in Rottweil-Hausen zu sehen – faszinieren ihn die Farben immer wieder aufs Neue. Je nach Lichteinfall, Tages- oder Jahreszeit wirken die Skulpturen immer wieder anders und neu.

Neue Wegegegen das Weiß

Aber auch im Bereich der Wand- und Deckenmalerei geht Kammerer eigene Wege, bringt wieder Farbe in die verweißlichten Kirchen und beeindruckt mit seinen Bildhauerarbeiten im Bereich der Prinzipalien. In seiner Malerei – vor allem im Frühwerk – sind überwiegend figürliche Darstellungen zu finden. Über viele Jahre bestimmte dann die Abstraktion seine Bilder. "Mittlerweile gibt es hier oder da in Kirchen aber auch wieder figürliche Darstellungen", erzählt er.

Tobias Kammerer studierte bei Arik Brauer in Wien, der ihn lehrte, das künstlerische Schaffen stets mit einem gesamtkunstwerklichen Ansatz zu sehen. "Nur eine Disziplin war uns damals immer zu wenig", gibt Kammerer lachend zu.

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