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Rottweil "Es braucht eine verrückte Idee"

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Henry Rauner (links) und Oberbürgermeister Ralf Broß (rechts) sprechen mit Bürgern über eine mögliche Landesgartenschau in Rottweil. Der Nagolder OB Jürgen Großmann (Bildmitte) ist ein aufmerksamer Zuhörer. Foto: Schulz Foto: Schwarzwälder-Bote

Am Samstag der Stadtspaziergang, am Montagabend die Diskussion: Die Aussicht auf eine Landesgartenschau in Rottweil bewegt die Menschen. Die wichtigste Erkenntnis: Die Stadt braucht einen langen Atem sowie Bürger und eine Verwaltung, die für das Projekt brennen.

Rottweil. Er hat es gut, er hat die ganze Sache bereits hinter sich. Und das Beste: Diese Sache ist gut, offensichtlich sogar sehr gut ausgegangen in Nagold. Dementsprechend fällt das Fazit von Oberbürgermeister Jürgen Großmann aus. Der OB aus Nagold ist an diesem Abend der Referent mit dem Blick von außen. Er berichtet auf der gemeinsamen Veranstaltung des Bürgerforums Perspektiven Rottweil und der Stadtverwaltung am Montagabend im Musikpavillon der Konrad-Witz-Schule über seine Erfahrung, die die Stadt Nagold mit der Landesgartenschau im Jahr 2012 gemacht hat: die Beziehung der Stadt zur Natur intensiviert (das Motto lautete "Grüne Urbanität"), die Flüsse Nagold und Waldach renaturiert, Sichtbeziehungen zu markanten Gebäuden wiederhergestellt, aus einem Verkehrsbereich eine Parklandschaft gemacht und vieles mehr.

Der Effekt: die Stadt Nagold mit ihren 22 000 Bewohnern ist ein richtiger Publikums-Magnet geworden, sie verfügt über ein Einzugspotenzial von 100 000 Menschen, sagt Großmann. Das hat auch eine große Modekette erkannt. Hennes & Mauritz (H+M) hat sich auf 1800 Quadratmetern niedergelassen. Von solch einem Zugpferd träumen manche auch in Rottweil.

Mindestens zwei Tipps hat der Nagolder Oberbürgermeister: "Sie brauchen eine verrückte Idee und Sie müssen die Menschen in der Stadt, also Geschäftsleute, Gastronomen und Bewohner für das Projekt begeistern." Großmann sagt auch, wem die Rolle des Anfeuerers zufällt: dem Oberbürgermeister.

Der kleine Makel: 14 Millionen Euro

Einen kleinen Makel hat die Nagolder Schau. Davor betrug der Schuldenstand der Stadt fünf Millionen Euro, so Großmann, danach waren es 19 Millionen, wobei sie sich in Nagold fest vorgenommen hätten, jedes Jahr eine Million Euro zu tilgen. Bislang hat das offensichtlich funktioniert.

Er hat fast alles noch vor sich: die Bewerbung, die Entscheidung und dann, sollte die Landesregierung Rottweil den Vorzug geben, das ganze Projekt. Sie würde seine zweite Amtszeit prägen: Oberbürgermeister Ralf Broß.

Das Planungsbüro Planstatt Senner hat ein Konzept erstellt und den Auftrag eine Bewerbung vorzubereiten (wir berichteten mehrfach). Am 6. Dezember wird der Fachausschuss über die Bewerbung beraten, eine Woche später soll der Gemeinderat grünes Licht geben. Alles andere als ein breiter Konsens, wenn nicht gar ein einstimmiger Beschluss, wäre eine Überraschung.

Für den OB ist klar, es handelt sich hier nicht um eine "Blümlesschau". Er verspricht sich ein Infrastrukturprogramm für seine Stadt, ein Projekt, das nachhaltig wirkt.

Bürgermeister Christian Ruf stellt das Konzept vor. Am stärksten beeindruckt ihn die Idee für das alte Gaswerk der Energieversorgung Rottweil (ENRW) am Fuß des Viadukts – bislang eine komplett versiegelte Fläche. Dort soll ein Naherholungsraum entstehen mit viel Grün und der Möglichkeit, im Neckar zu baden.

Eine andere verrückte Idee im Kopf? OB Broß sagt, es komme nicht auf eine einzelne verrückte Idee an, sondern auf das Gesamtkonzept. Eine tolle Idee immerhin könnte tatsächlich sein, den Bahnhaltepunkt zur Stadt hin zu verlegen, das Gleisvorfeld des Bahnhofs zu reduzieren und einen Schräg-Aufzug zu bauen, der es erleichtert, die Topografie (der Bahn-Haltepunkt unten, die Stadt oben) bequem zu überwinden. Mit Thyssen-Krupp als Partner dürfte dies eigentlich kein Problem darstellen.

Er würde wohl am liebsten sofort beginnen. Henry Rauner, erster Sprecher des Bürgerforums. Das Bürgerforum beweist seit Längerem einen grünen Daumen. Ein Projekt befasst sich mit Wanderwegen rund um Rottweil, die wieder gangbar und attraktiv gemacht werden sollen. Auch hier geht es um neue Ansichten auf die Stadt.

Im Zusammenhang mit der Landesgartenschau nimmt Rauner die Themen Mobilität und Digitalisierung in den Blick. Ergeben sich Chancen, die Innenstadt vom Verkehr zu befreien? Wie sieht es mit dem Zukunftsthema autonomes Fahren aus? Wie lässt sich eine Stadtgesellschaft auf die Zukunft vorbereiten? Das sind nur ein paar Fragen, mit denen sich Rauner und das Bürgerforum auseinandersetzen.

Der Nagolder OB Großmann beglückwünscht seinen Amtskollegen Broß zu diesem Forum und Bürgern, die sich bereits jetzt einbringen. Einbringen ist das eine, wahr und ernst genommen, das andere. Das ist das, was Rauner meint, wenn er sagt, er wünsche sich einen Dialog zwischen Bürgern und Stadtverwaltung auf Augenhöhe.

Eine ganze Reihe von Bewerbern in der Region

Freilich gibt es Unwägbarkeiten, und diese sind nicht nur finanzieller Art. Das hat mit dem langen Zeitraum zu tun. Einerseits sind lange Planungsphasen günstig, denn so bleibt viel Zeit für eine sorgfältige Planung. Andererseits ist es ja so: Je länger etwas dauert, desto eher lässt die Lust nach, und vor allem: Wer weiß schon, wie die Welt in zehn oder 15 Jahren aussieht. Sind die Themen von heute auch die Themen von morgen? Dann gibt es hier noch die vielen anderen Player in der Region, die das Feld betreten haben und für ihre Stadt ein Grünprojekt realisieren möchten – mit finanzieller Unterstützung des Landes: Tuttlingen, Schramberg oder Oberndorf, um nur einige zu nennen.

 

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

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