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Rottweil Einbrecher-Duo wird Prozess gemacht

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Den beiden Angeklagten (links und Dritter von links) wird eine Einbruchserie zur Last gelegt. Dabei kam eine Beute von fast 127.000 Euro zusammen. Foto: Schönfelder

Kreis Rottweil - Die Vorgehensweise war rabiat, die Beute gewaltig, ihr Wirkungskreis reichte über mehrere Landkreise von Magstadt bis Deißlingen, von Villingendorf über Freudenstadt und Loßburg bis nach Schramberg: Seit Donnerstag verhandelt die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Rottweil gegen zwei Männer, denen eine Einbruchserie in Häuser und Wohnungen zur Last gelegt wird.

Einem 50-jährigen Kosovaren rechnet die Staatsanwaltschaft zwölf Taten zu, dem Jüngeren, einem gebürtigen Albaner und inzwischen 26 Jahre alt, werden vier Taten angekreidet. Spätestens seit Dezember 2017 sollen sie gemeinsame Sache gemacht haben. Und für beide fanden ihre Beutezüge ein abruptes Ende – sie sitzen in Untersuchungshaft. Eine Wohnungsdurchsuchung brachte Teile der Beute zum Vorschein.

Die Einbrüche werden auf Mitte November 2016 und den Winter 2017/18 datiert. Die Vorgehensweise war immer dieselbe. Am frühen Abend, zu dieser Zeit war es schon dunkel, wurden Häuser und Wohnungen ausbaldowert, in denen niemand zu Hause war. In die Häuser verschafften sich die mutmaßlichen Täter für gewöhnlich Zugang durch den Keller. Sie hebelten Fenster und Türen auf oder schlugen einfach eine Scheibe ein. Sie drangen auf diese Weise in die Gebäuden ein und durchsuchten sämtliche Räumlichkeiten nach Beute.

Augenmerk auf Bargeld und Wertsachen

Und sie wurden fündig: Am liebsten nahmen sie Bargeld, aber auch Schmuck und andere Wertgegenstände und füllten damit ihre Taschen. Sie richteten ihren Blick auf Gegenstände, die sich leicht zu Geld machen ließen, leicht zu identifizierenden Schmuck ließen sie auch mal liegen. Insgesamt geht die Staatsanwaltschaft von einer Gesamtbeute in Höhe von fast 127.000 Euro aus.

Da ihre brachiale Methode naturgemäß Spuren hinterließ, wird den beiden Angeklagten Wohnungseinbruchdiebstahl, auch als Versuch, in Tateinheit mit Sachbeschädigung vorgeworfen. Einige Fälle werden von der Staatsanwaltschaft außerdem eher als Beihilfe gesehen.

Der Vorsitzende Richter Karlheinz Münzer versuchte an diesem ersten Verhandlungstag dem persönlichen Werdegang der beiden Angeklagten auf die Spur zu kommen. Sie sind durchaus keine von Anfang an gescheiterten Figuren. Beide machten gute Schulabschlüsse geltend, sogar zur Universität in ihrer jeweiligen Heimat gingen beide für kurze Zeit.

50-jähriger Kosovare ist anerkannter Asylbewerber

Dann brach die hoffnungsvolle Seite des Lebens ab. Der heute 50-Jährige schilderte, dass er zum Militärdienst eingezogen worden sei, als das alte Jugoslawien zerfiel. Er habe "politische Probleme" bekommen, als er sich einer Gruppe anschloss, die sich für den Erhalt des Vielvölkerstaates einsetzte. Daraufhin sei er nach Deutschland gegangen. Er ist anerkannter Asylbewerber. Er habe sich selbst Deutsch beigebracht und habe doch den Halt verloren. Er schlug sich als Fußballer und Lagerist durch, war mit drei Frauen zusammen, mit denen er mehrere Kinder hat, ließ sich zweimal scheiden und wollte in diesem Jahr noch einmal heiraten. Mehrmals sei er in psychiatrischer Behandlung gewesen. Der Start in die Selbstständigkeit sei gescheitert, schilderte er weiter. Mehrere Straftaten von der Beleidigung bis zum Heroinhandel stehen heute für ihn im Zentralregister.

Auch der jüngere Angeklagte erzählte eine traurige Geschichte. Er startete ebenfalls gut ins Leben. Nach dem Schulabschluss habe er sich sogar an einer privaten Universität in Tirana eingeschrieben und das Lernen habe gute Fortschritte gemacht. Da sei seine Mutter an Krebs erkrankt, die Therapie sei teuer gewesen. Er, der immer ein sehr gutes Verhältnis zu seiner Mutter gehabt habe, habe versucht, Studium und Geldverdienen unter einen Hut zu bekommen. Schließlich habe das Studium aufgeben müssen. Die Mutter starb 2013 – zurück blieben Schulden.

Schließlich habe er gehört, dass in Deutschland Arbeitskräfte gesucht würden. Mit einigen Bekannten kam er über Frankreich nach Deutschland – aber er habe keine Arbeit gefunden – bis er verhaftet wurde. Warum er über Frankreich einreiste, was ihn ausgerechnet beispielsweise nach Gäufelden brachte und warum er scheinbar plötzlich mit den Einbrüchen begann, all das konnte und wollte der Angeklagte nicht erklären.

Auch sein Verhältnis zum zweiten Angeklagten blieb trotz hartnäckiger Nachfrage des Gerichts und der Staatsanwältin an diesem ersten Verhandlungstag noch im Dunkeln. Jetzt bleiben den beiden einige Tage, um darüber nachzudenken, wie kooperativ sie sich gegenüber dem Gericht bei der Prozessfortsetzung am 21. August zeigen.

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