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Kreis Rottweil Drogendealerin gesteht vor Gericht

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Kunden aus dem Raum Sulz, Oberndorf und Rottweil belieferte die 23-Jährige. Foto: Witthaya – ­stock.adobe.com

Kreis Rottweil - Wegen mehr als 50 Fällen des gewerbsmäßigen Handelns mit Betäubungsmitteln musste sich eine 23-Jährige aus dem nördlichen Kreisgebiet vor dem Rottweiler Amtsgericht verantworten. Besonders prekär: Einer ihrer Kunden war minderjährig.

Schon nach den ersten Worten beginnt die junge Frau zu weinen. Es geht darum, wie sie aufgewachsen ist. Der Vater sei heroinabhängig und oft im Gefängnis gewesen, die Mutter depressiv und häufig in der Klinik. Hinzu kam der alkoholabhängige Vater der Halbgeschwister. Das erste Mal in einer Pflegefamilie war die 23-Jährige mit acht Jahren, dann wieder mit zehn und daraufhin fast jährlich immer wieder, wie sie schildert.

Mit 15 Jahren sei sie von zu Hause abgehauen. Mit einer Freundin lebte sie eine Weile in Frankfurt, geriet dort auf der Straße auf die schiefe Bahn und begann, Drogen zu konsumieren. "Ausprobiert habe ich alles schon einmal", sagt sie vor dem Amtsgericht.

Schulabschluss: "Das Beste, was ich jemals machen konnte"

Hängen geblieben ist sie an Cannabis. Ein bis zwei Jahre habe sie die Droge regelmäßig geraucht. Zurück in der Heimat hatte sich die Mutter inzwischen stabilisiert. Und auch die damals 16-Jährige fasste Fuß. Sie holte ihren Schulabschluss nach und fand Arbeit. "Es ist das Beste, was ich jemals machen konnte", meint die Angeklagte. Sie wolle nur noch frei und unabhängig sein, alles hinter sich lassen. Endlich könne sie auch ihrem Partner, der sie lange finanziell ausgehalten hatte, etwas zurückgeben. Dieser habe von den Drogengeschäften nichts gewusst.

Überhaupt seien es Geldprobleme gewesen, die sie zum Handel mit Betäubungsmitteln gebracht hätten, sagt die 23-Jährige aus. Mit Kindergeld und geringen Zahlungen des Vaters habe sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können, geschweige denn Schulden abbezahlen. So begann die 23-Jährige 2017 damit, Marihuana zu verkaufen, meist in Zwei-Gramm-Tütchen für 25 Euro, Fux genannt. Übergabe war an einer Bushaltestelle im Sulzer Stadtteil Renfrizhausen.

Einen Großteil der angeklagten Fälle gibt die 23-Jährige zu. Jedoch habe sie nicht gewusst, dass ein Kunde minderjährig war, versichert sie glaubhaft. "Er hat gesagt, er ist 18 Jahre alt." Dabei war er erst 17. Rund 200 Euro monatlich habe sie mit den Drogengeschäften verdient. Zweimal habe sie auch größere Mengen um die 35 Gramm verkauft, gibt die Angeklagte zu.

Kunden aus Sulz, Oberndorf und Rottweil

Im Sommer 2018 habe sie reinen Tisch bei ihrem Partner gemacht und mit dem Handel aufgehört, sagt sie aus. Wenig später flog die 23-Jährige auf. Auf ihrem Handy habe man umfangreiche Kommunikation mit polizeibekannten Personen gefunden, sagt ein Polizeibeamter vor Gericht aus. Aufgrund von Codesprache und gelöschter Nachrichten sei der Nachweis aber oftmals schwierig. Zu den regelmäßigen Kunden zählten Personen aus Gemeinden im Raum Sulz, Oberndorf und Rottweil.

Die Zeugen, sofern sie aufgrund laufender Verfahren etwas sagen wollen, untermauern das Geständnis der Ex-Dealerin. "Ich habe ihr gesagt, dass ich volljährig bin", meint etwa der damals Minderjährige. Letztlich stellt sich heraus, dass es sich bei der Handelaktivität um deutlich weniger Taten gehandelt haben muss, als angeklagt sind. Die Aussage der nicht einschlägig vorbestraften Angeklagten sei glaubhaft, ihr Geständnis umfassend, stellt Staatsanwalt Achim Ruetz fest. Auch für ihn habe der Kunde volljährig gewirkt. Zehnmal habe sie an ihn kleine Mengen verkauft, viermal gemeinsam an zwei Freunde und zweimal eine größere Menge. Ruetz schlägt eine Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro wegen Handelns mit Betäubungsmitteln in 17 Fällen vor. Zudem müsse der kalkulierte Ertrag durch die Drogengeschäfte eingezogen werden: 975 Euro.

Verteidigerin Miriam Mager stimmt dem Staatsanwalt zu und lobt, dass die Mandantin trotz schwieriger Lebensverhältnisse allein den Weg aus dem Sumpf der Drogen gefunden hat. Sie plädiert dafür, die Strafe auf maximal 90 Tagessätze festzusetzen, damit die Mandantin nicht vorbestraft ist und ihre Ausbildung mit sauberem polizeilichen Führungszeugnis antreten kann.

Richter Oliver Niefer folgt den Vorschlägen: "Sie haben offen und ehrlich Rede und Antwort gestanden, ohne etwas zu beschönigen". Ohne das hätte man manche Tat nur schwer nachweisen können.

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