Veranstaltungen: Lisa Hummel und Johannes Vöhringer stellen zum "Jahr der Orgel" Programm zusammen

Sie gilt als Königin der Instrumente und ist seit 2017 UNESCO-Kulturerbe: die Orgel. Zudem wurde sie von den Landesmusikräten zum "Instrument des Jahres" gekürt.

Rottweil. Aus diesem Anlass gibt’s auch in Rottweil eine kleine Veranstaltungsreihe.

Regionalkantorin Lisa Hummel und Kirchenmusikdirektor Johannes Vöhringer kennen jeden Winkel von ihnen wie ihre Westentasche, denn die Rottweiler Orgeln sind fester Bestandteil ihrer täglichen Arbeit. Umso mehr freuen sich die beiden, dass ihr Hauptinstrument nun zum "Instrument des Jahres" gekürt wurde.

Interessierten die vielfältigen Orgeln in Prediger- und Kapellenkirche, Münster, Ruhe-Christi- und Auferstehung-Christi-Kirche nahezubringen, darauf freuen sie sich, und hoffen, dass die geplanten Veranstaltungen mit Blick auf die Coronabestimmungen stattfinden können.

So freuen sie sich beispielsweise auf einen ökumenischen Orgelspaziergang durch die Innenstadt, bei dem Interessierte die verschiedenen Orgeln nicht nur zu Gehör, sondern auch erklärt bekommen. "Man muss jetzt schauen, wann das zeitlich möglich sein wird", sagt Lisa Hummel. Vermutlich im Sommer soll der Spaziergang stattfinden. Zudem sind ab dem 17. April in unregelmäßigen Abständen samstags ab 18 Uhr Orgelvespern in der Predigerkirche geplant, informiert Johannes Vöhringer, bei denen die Orgel natürlich musikalisch und auch textlich in den Fokus rücken soll.

Die Orgel bietet die größte klangliche Vielfalt. "Sie erreicht Frequenzen, die tiefer als ein Kontrabass und höher als eine Piccoloflöte gehen", erklärt Johannes Vöhringer. Sie ist das größte Instrument, das unzählige, verschiedene Stimmen in sich vereint. Leise Flöten, kräftigere Oboen, schmetternde Trompeten und vor allen Dingen die Hauptregister, die Prinzipale mit ihren Klangkronen sorgen für den entsprechenden, unverwechselbaren Sound. Kein Wunder, kürte sie Mozart zur "Königin" der Instrumente.

"Der Prospekt, so nennt man die Schauseite einer Orgel, eingefasst durch ein Gehäuse aus Holz, ist das ›Gesicht‹ einer Orgel", erklärt Vöhringer weiter. Im Innern der Orgel, das man nicht sehen kann, in dem sich die Organisten aber bestens auskennen, sind weitere Pfeifen versteckt. In der Predigerkirchenorgel beispielsweise sind das 2000 Stück.

Die "Lunge" der Orgel ist der Blasebalg, der die Luft in das Herz des Instrumentes, die Windlade schickt. "Früher wurde der Orgelwind von Hand und Fuß gemacht", erklärt der Kirchenmusiker weiter.

All diese wissenswerten Fakten und eine Orgelpräsentation sollen außerdem auf Stellwänden in den Kirchen zu finden sein. Die Vorbereitungen hierzu laufen bereits. Lisa Hummel und Johannes Vöhringer hoffen, dass Führungen in Kleingruppen möglich sein werden. "Es wäre natürlich schön, wenn wir alle Orgeln bespielen und Interessierten präsentieren könnten", sagt Lisa Hummel und ist angesichts der Coronazahlen guter Dinge, dass dies klappen wird.

Die Gottesdienstbesucher der Gemeinde Heilig Kreuz kommen bereits jetzt in den Genuss kleiner Orgelerläuterungen, informiert Hummel. "Das Schlussstück kündige ich immer an und erkläre den Leuten, was für Musik erklingt". Das Angebot werde gut angenommen und sei der Beweis für das Interesse an dem Instrument.

Und noch etwas lässt staunen: Der Orgelbau blickt auf eine weit über 2000-jährige Geschichte zurück. Man sagt sogar, die Orgel wäre bereits im dritten Jahrhundert vor Christus in Alexandria erfunden worden. "Das Instrument wurde Organon Hydraulikon (Wasserorgel) genannt, weil der benötigte Winddruck durch Wasser erzeugt wurde", erklärt Johannes Vöhringer. Durch eine Schenkung des byzantinischen Kaisers Konstantin an König Pippin dem Kleinen gelangte das Instrument im achten Jahrhundert dann nach Europa. Es gibt also noch viel Interessantes, das es im "Jahr der Orgel" zu erkunden gilt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: