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Rottweil Die Geschichte von "Arae Flaviae" ist gefragter denn je

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Thomas Haßler lässt die Zeit um 100 nach Christus aufleben. Foto: Schwarzwälder Bote

Rottweil (rd). Mit einem "Sightseeing durch die Römische Geschichte" Rottweils erhielten etliche Teilnehmer bei einer Stadtführung intensive Einblicke in die Zeitepoche von Arae Flaviae.

Schon beim Treffpunkt am Römerbad in der Königstraße berichtete Führer Thomas Haßler von einem erhöhten Bedarf an Führungen seit rund einem starken Jahr. Viele mit Reisebussen anreisenden Touristen interessierten sich für Rottweil und seine Geschichte – nicht erst durch den Turm. Aber dadurch sei eben ein eindeutiger Schub zu verzeichnen. Das bei den Gästen sehr beliebte Kombi-Ticket – morgens den Turm und nachmittags die historische Innenstadt anzuschauen – sei von Mai bis November praktisch ausgebucht. Aber die Stadt arbeite derzeit an Abhilfe in Form von weiteren Stadtführern, die zusätzliche Führungen möglich machen sollen.

Am Römerbad wurde die Geschichte um das Jahr 100 nach Christus durch die Ausführungen von Führer Thomas Haßler lebendig. Im Jahr 72/73 sei mit der Gründung der römischen Stadt eine strategische Entscheidung umgesetzt worden, die XI. Legion an der Querverbindung von Straßburg in Richtung Ulm zu stationieren. Ursprünglich wurde die Legion in heutigen Windisch in der Schweiz ausgehoben und hatte dann in Rottweil das heute noch gut sichtbare Bad inmitten der damaligen Anlage gebaut. Die Ausmaße des Legionslagers beeindrucken bis heute.

Keilstein markiert Eingang

Doch darüber hinaus gab es noch viel mehr zu sehen. Vom Römerbad aus zog sich die Führung am ehemaligen jüdischen Friedhof entlang hinunter in die Altstadt an den Neckar, dessen Name vom ursprünglichen lateinischen Namen "Nicer" abgeleitet ist und übernommen wurde.

Die Pelagiuskirche in der Altstadt wurde auf den Grundmauern eines zweiten damaligen Bades erbaut. Die unterirdischen Räume zur Befeuerung sind bis heute sichtbar und in ihrer Höhe laut Führer Haßler in Baden-Württemberg einzigartig. Unterhalb der Pelagiuskirche steht heute ein Nachbau eines "Labrums", eines Handwaschbeckens, dessen Original wie das Original eines Meilensteines aus Offenburg beim Römerbad im Dominikanermuseum ausgestellt ist.

Das spätere Kastell als das ursprüngliche Legionslager war unweit der heutigen Pelagiuskirche angelegt. Die frühere Hauptstraße ist heute eine geschütze Grabungsfläche. Hier wurden viele Grabungsstücke wie gestempelte Keramikteile – "terra sigilata" –, Glasgefäße und auch Münzen gefunden.

In der Mauer des Hofgutes Hochmauren, das seit dem Jahr 1200 als Frauenkloster bekannt ist, ist heute noch ein deutlich erkennbarer Keilstein verbaut. Hier war der Eingang zum Forum, der damaligen Machtzentrale der Stadt. Unweit dieser Stelle wurde auch das berühmte Orpheus-Mosaik gefunden, das Zeugnis einer sehr wohlhabenden und gebildeten Oberschicht ablegt. Wobei man sich den Eingang als Rundbogen vorstellen könne, der von sieben Meter hohen Säulen flankiert war, so Haßler.

Ein besonderes Schmankerl wartete am Ende der Führung auf die Teilnehmer: Im Haus der Familie Pfriender in der Römerstraße durften sie den Keller in Augenschein nehmen, in dem vor 20 Jahren bei einer Kellererweiterung die Reste einer römischen Küche und Fußbodenheizung gefunden und konserviert wurden.

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