Mathis Heidger sitzt an seinem Arbeitsplatz im "Hasen". Dort beschäftigt er sich momentan mit Statistiken. Foto: Merk Foto: Schwarzwälder Bote

Verein: Der Freundeskreis Asyl stellt Mathis Heidger als Migrationsberater ein / Vielfältige Tätigkeiten

Rottweil. Wie ordne ich einen Brief von den Behörden richtig ein? Wie sollte ich darauf reagieren? Wie kann ich mich in die Gesellschaft integrieren? Das sind typische Fragen, mit denen sich Flüchtlinge und Migranten in Rottweil künftig an einen fest angestellten Migrationsberater beim Freundeskreis Asyl wenden können. Bekommen hat die Stelle der Rottweiler Mathis Heidger. Der 26-Jährige hat die Aufgabe, Flüchtlinge und Migranten bei ihren Angelegenheiten hauptamtlich zu beraten und zu unterstützen. Denn diese hätten oft Berührungsängste mit den Behörden, weiß sein Vater Max Burger vom Verein Freundeskreis Asyl, der die Sorgen und Nöte der Asylsuchenden durch seine ehrenamtliche Tätigkeit gut kennt.

Die Stelle wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanziert und ist zunächst auf ein Jahr befristet. In Aussicht gestellt wurde die Stelle dem Rottweiler Verein vom Paritätischen Landesverband, dem der Freundeskreis Asyl angehört. Bei der Hauptversammlung im vergangenen November in Filderstadt sei der Wohlfahrtsverband auf den Rottweiler Verein zugekommen und habe eine Finanzierung zugesagt. Der Verein schrieb die Stelle dann aus.

"Die Bewerberanzahl war überschaubar", so Max Burger im Gespräch mit unserer Zeitung. Unter den wenigen Bewerbern seien keine geeigneten Kandidaten dabei gewesen außer einem Juristen, aber für Rechtsberater sei die Stelle nicht geeignet, so Burger. Eigentlich suchten sie einen Sozialarbeiter – doch so einer sei schwer nach Rottweil zu holen, besonders bei einer befristeten Stelle, schildert Burger. Und so fiel die Wahl auf Mathis Heidger, der Sozialwissenschaften in Marburg studiert und seit Beginn des Wintersemesters ohnehin ein Praktikum beim Verein absolviere, so Burger.

Als Mathis Heidger von der Stelle Wind bekam, habe er sich regulär beworben, schildert er beim Vor-Ort-Termin im "Hasen", wo der Verein seinen interkulturellen Treffpunkt eingerichtet hat und wo Heidger seit dem ersten Februar sitzt. Einen Platz mit Rechner hat er bereits in dem früheren Gasthaus. In der Mitte steht ein Tischkicker, der nicht zu unterschätzen sei. "Integration beginnt oft mit niederschwelligen Angeboten", weiß Heidger aus Erfahrung. Geplant sei die Einrichtung einer PC-Ecke für die Asylsuchenden, in der sie Formulare ausdrucken, Bewerbungen schreiben oder recherchieren können.

Heidger wird aber nicht nur im "Hasen" sitzen, sondern auch als "Streetworker" unterwegs sein und die Asylbewerber in ihren Wohnungen besuchen und unterstützen, schildert er im Gespräch. Dabei sei es sehr wichtig, Vertrauen aufzubauen. Auch bei Behördengängen wird er sie begleiten.

Für die vielseitigen praktischen Tätigkeiten werde er geschult, das Hintergrundwissen bringe er zum Teil aus der Tätigkeit für den Verein mit, so Heidger. Er habe schon das Ausländeramt begleitet und sich die Praxis beim BAMF und im Regierungspräsidium in Karlsruhe angeschaut. Außerdem habe er schon Arbeiten zum Thema Migration und Integration geschrieben.­ Internationale Erfahrungen und Fremdsprachenkenntnisse bringe er ebenfalls mit, sagt er. "Wir sind für alle da, die uns brauchen", betont Heidger, der sich in Rottweil schon ein Netzwerk aufgebaut hat. "Du kannst kommen" – das sei seine Botschaft.

Weitere Informationen: Der Berater ist unter Telefon 0741/26 95 28 18 und per E-Mail hasen@freundeskreis-asyl-rottweil.de erreichbar.