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Rottweil "Dem Diktat der Ökonomie unterworfen"

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Verena Föttinger (rechts) diskutiert nach einem leidenschaftlichen Plädoyer intensiv mit ihren Zuhörern. Foto: Fleig Foto: Schwarzwälder-Bote

Kreis Rottweil. Als Verena Föttinger in einem Konferenzraum im Hotel Hirt in Deißlingen ihre Gäste begrüßt, spricht sie leise. Die zehnfache Mutter lächelt und streicht sich das lange Haar hinter die Schultern.

Wenige Minuten später gestikuliert sie energisch, erhebt ihre Stimme – das Haar fällt ihr wieder in die Stirn. Föttinger spricht sehr schnell, beinahe wie in Rage. "Die Mächtigen missbrauchen ihre Macht, indem sie unsere Zukunft aufs Spiel setzen", ruft die Direktkandidatin der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP).

Die Diplomtheologin hat unter dem Motto "entschieden umsteuern für Familie und Umweltschutz" zur Wahlkampfveranstaltung eingeladen. Entschieden führt sie dann auch in einer Art Rundumschlag aus, weshalb sie sich nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl nicht mit dem Programm anderer Parteien identifizieren kann: ­"Bei den anderen Parteien geht absolut nichts, was zukunftsträchtige Themen angeht."

Die 61-Jährige beschreibt, wie sie nach der Nuklear-Katastrophe nicht recht mit den Ratschlägen der Politik umzugehen wusste. Aber: "Mir ist schlagartig klar geworden, dass ich da aktiv werden muss." Föttinger will für eine "enkelfreundliche Politik" eintreten. Für die zehnfache Mutter bedeutet das, die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen. Dazu fordert sie nicht nur ein Umdenken der Regierung: "Die Politiker geben uns vor, die Erde sei ein riesiger Selbstbedienungsladen." Auch im Alltag fehle oft das Bewusstsein für den Umweltschutz. Föttinger prangert an: "Die Menschen haben wunderschöne Bienenhotels und versprühen Roundup in ihren Gärten." Das ist ein chemisches Mittel zur Unkrautvernichtung.

Die Spitzenkandidatin der ÖDP für Baden-Württemberg erntet für ihre eindringliche Rede zustimmendes Kopfnicken im Publikum. 14 Menschen jeglichen Alters verfolgen, was Föttinger zu sagen hat. Und das ist einiges: "Nicht nur der Planet Erde wird an den Rand gedrängt, sondern auch Familien", bemängelt die Theologin.

Ihr christlicher Ansatz hebt den Wert des Individuums in einer beschleunigten und globalisierten Welt hervor. "Weder im Erwerbsleben, noch im Gesundheitsbereich darf der Mensch zur frei verfügbaren Ware werden", liest sich ihr Programm. Das ist ein Grund, weshalb sie Freihandelsabkommen strikt ablehnt. Die nach ihrer Einschätzung im Geheimen ablaufenden Verhandlungen gefährdeten hiesige Sozial- und Umweltstandards. "Wir haben keine Balance mehr zwischen Ökologie, Sozialem und Ökonomie." Föttinger spricht laut, unterstreicht den Satz mit einer energischen Handbewegung. "Alles ist diesem Diktat der Ökonomie unterworfen. Bis hinein in die Familie. Bis hinein zu den Kindern."

Die zehnfache Mutter setzt sich für ein Erziehungsgehalt ein. Das ist auch der Ansatz ihrer Partei zur Wiederherstellung des Generationenvertrags. Die Erziehungsleistung solle von der Politik mehr Wertschätzung erfahren. Während kinderlose Arbeitnehmer mehr Geldvermögen ansparen könnten, sollen Eltern stärker von den Rentenbeiträgen junger Arbeitnehmer profitieren. Die ökologischen Demokraten erhoffen sich dadurch eine gerechtere Umverteilung der Altersvorsorge.

Föttingers passioniertes Plädoyer für eine sozialere und ökologische Marktwirtschaft wirkt bei den Zuhörern sichtlich nach. Im Anschluss an den offiziellen Teil der Veranstaltung besteht großer Gesprächsbedarf, es entbrennen immer neue Diskussionen. Und das steht in der Absicht Föttingers. Sie will aufrütteln und zum Nachdenken anregen: "Ich möchte, dass man Lust auf Zukunft bekommt. Dass die Menschen ihre Augen nicht verschließen."

Schließlich endet die Veranstaltung wie sie begonnen hat: Leise spricht Föttinger mit ihren Gästen, wirkt besonnen.

Bis zur Bundestagswahl am 24. September stellen wir die Direktkandidaten im Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen vor. Hierzu haben wir Wahlkampfveranstaltungen besucht und mit den Parteimitgliedern gesprochen. Die Reihe wird am Montag, 11. September, mit Harald Becker von der Tierschutzallianz fortgesetzt.

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

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