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Rottweil Das Thema ENRW füllt die Neufraer Halle

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Der schöne Blick über die Felder könnte für die Anlieger verloren gehen. Im hinteren Bereich plant der Energieversorger Rottweil seine neue Zentrale unterzubringen. Foto: Schwarzwälder Bote

Von Anja Schmidt

Der Energieversorger Rottweil (ENRW) zieht nach Neufra, aber es formiert sich Widerstand. Die ländliche Struktur brauche nicht mehr Gewerbe, sondern mehr Wohnraum für junge Familien, heißt es. Am Donnerstag war die Sache Thema im Ortschaftsrat.

Rottweil-Neufra. Seit 17 Jahren liegt eine knapp 10 000 Quadratmeter große Fläche im Gewerbegebiet Neufra "brach", und nun will die ENRW Rottweil, also ein städtisches Unternehmen im Eigenbetrieb, das Gelände bebauen. Gemeinderat und Ortschaftsrat sind Feuer und Flamme. Ohne viel Tam-Tam befürworten sie einmütig das Vorhaben. Auch die ENRW ist zufrieden.

Und dann das: Neufraer Bürger begehren auf (wir berichteten). "Das ist überraschend", reagierten unisono ENRW-Geschäftsführer Christoph Ranzinger und Lothar Huber vom städtischen Fachbereich, als sie sich während der Ortschaftsratssitzung unter Punkt Bürgerfrageviertelstunde der Diskussion stellten. Gekommen waren viele Bürger. So viele, dass sie, hätte die Sitzung unter normalen Umständen im Neufraer Rathaus stattgefunden, keinen Platz gefunden hätten. Gesagt werden muss auch, dass sich nur vier Bürger kritisch zu Wort meldeten. Diese aber nachdrücklich. Einer von ihnen stellte sich als Vertreter einer Gruppe von Neufraer Bürgern vor. Ihre Fragen zielten auf zwei Themen: Wie wirkt sich die Ansiedlung des Unternehmens auf die angrenzende Wohnbebauung aus? Und sollten anstatt der Gewerbe- nicht viel mehr der Wohnbebauung mehr Platz eingeräumt werden?

Verträgliche Lösung?

Beide Fragen trafen auf Unverständnis. Der Neubau werde kein lautstarker Koloss, wehrte sich Ranzinger. "Wir sind kein Schlachthof und keine Müllverbrennungsanlage." Es werde ein Verwaltungsgebäude und ein Werkstattgebäude ohne Produktion errichtet. Wie genau, wie hoch und in welche Richtung könne in diesem frühen Stadium der Planung noch nicht gesagt werden. Aber mit Sicherheit werde eine verträgliche Lösung gefunden, die mitnichten an einen Klotz erinnern würde. Ranzinger appellierte an das Verständnis der Bürger. Der Bedarf sei aufgrund der Platznot am alten Standort groß und der Standort in Neufra als zentraler Ausgangspunkt in alle relevanten Richtungen ideal. Er versprach, dass sich der Verkehr in Grenzen halten würde, da das Kundenzentrum weiter in den Innenstädten bleibe.

Mit dem Einzug der ENRW in Neufra wären für den Ort auch Vorteile verbunden, sagt er. Etwa das mögliche Interesse der ENRW-Mitarbeiter an Wohnland, die Nutzung der infrastrukturellen Einrichtungen oder, wie es sich Ortsvorsteher Willy Schaumann erhofft, das Nachziehen weiterer Unternehmen wie Bäcker oder sogar einen Lebensmittelladen.

Huber sieht kein Problem

Kopfschüttelnd reagierte Lothar Huber auf die Überlegungen der Bürger, das 10 000 Quadratmeter große "Filetstück" nicht für eine Gewerbeansiedlung zu verbraten, sondern für die Wohnbebauung freizugeben. Der ENRW könne eine andere Fläche zugewiesen werden, die nicht derart zentral zum Ort liege, wurde von einem Bürger vorgeschlagen. Über den Flächennutzungsplan hinaus könnten keine Flächen vergeben werden, reagierte Huber. Aus seiner Sicht auch nicht notwendig, da noch genug Wohnbauland zur Verfügung stehe. Auch, wenn für die benötigte Fläche zwei Wohnflächen im alten Wohnbaugebiet und im schlechtesten Fall noch zwei weitere Flächen im neu ausgewiesen Wohnbaugebiet Berland abgeknapst werden müssten, blieben insgesamt noch etwa 34 Bauplätze in Neufra. 21 bis 23 Bauplätze im neuen Baugebiet Berland, fünf bis sechs im Baugebiet Ob der Bint und weitere fünf bis sechs im Mischgebiet Kreuzle, so Huber. Nicht nachvollziehbar sei der Gedanke, dass im Gewerbegebiet Gewerbe nicht willkommen sei. Und es werde auch sicher keine Schule geschlossen, weil die ENRW sich ansiedele und dadurch Wohnbaufläche für den künftigen Nachwuchs verloren gehe.

Die Gefahr, dass aufgrund der hohen Bau-Nachfrage spätestens in zwei Jahren kein Wohnland mehr angeboten werden könne, stelle sich aus seiner Erfahrung also nicht, betonte Huber. Willy Schaumann erklärte, in letzter Zeit hätte sich kein Neufraer Bauinteressent mehr gemeldet. Dennoch bleibt die Frage: Stellt sich der Neufraer Ortschaftsrat mit seinem einstimmigen Ja zur ENRW gegen die Interessen seiner Bürger? Schaumann ist sicher: "Der Großteil der Neufraer Bürger heißt mit dem Ortschaftsrat die ENRW willkommen."

Alle Partien wären sich in einem Punkt einig: Auf den im Bebauungsplan als Lärmschutz ausgewiesenen Wall parallel zur Wohnbebauung könne verzichtet werden. Seinerzeit sei der Wall im Bebauungsplan aufgenommen worden, weil vom Unternehmen, das vor 17 Jahren am Standort Interesse zeigte, Lärmimmissionen zu erwarten waren. Der Wegfall des Walls generiere Fläche, weshalb auf die Abzwackung der beiden Grundstücksplätze im Neubaugebiet Berland verzichtet werden könne.

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