Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Rottweil Das Neue ist noch nicht erreicht

Von
Quelle: Unbekannt

Mit "Macbeth" präsentiert das Zimmertheater Richtung Frühjahr eines der blutrünstigsten Stücke, die der Feder William Shakespeares entsprungen sind. Die Premiere sparte nicht mit "Lebenssaft".

Rottweil. Die Inszenierung besticht, das vorneweg, durch insbesondere drei Aspekte: Da ist die durchgängige Live-Musik von Dorin Grama, die zum Geschehen hinführt, unterstreicht, auch launig kommentiert und damit immer wieder willkommene Brechungen beschert, einsortiert. Da sind die klaren, einfachen, dabei durchaus poetischen Bilder, fast zelebriert das "Gehen" in doppeltem Sinne und das Ausgießen des Lebenssafts, der gluckernd im Abfluss verschwindet. Schließlich ist da das kongeniale Spiel von Frank Deesz und Isabelle Groß de García, in dem sich die in bezüglich Funktionen und Wirkungen wechselnde Beziehung zwischen Macbeth und Lady Macbeth spiegelt, in dem gleichzeitig die Entwicklung der Persönlichkeiten greifbar wird. Es bietet während der Spielzeit von etwas mehr als zweieinhalb Stunden jederzeit einen Einblick in die aktuelle Befindlichkeit, ist situativ zu verorten, und liefert also genau so einen durchaus organischen Längsschnitt.

Das Ganze fußt auf einer Fassung, die, mit Ausnahmen im ersten Teil, Shakespeares Tragödie auf ein beredtes Kammerspiel zusammenstreicht. In besagtem ersten Teil breitet Regisseur Peter Staatsmann das Innenleben Macbeths mitunter breit aus, was allerdings kein Schaden ist, denn so lässt sich das Taumeln zwischen selbstverantworteter Erfüllung einer Prophezeiung und dem Skrupel, den die Konsequenzen nach sich ziehen, gut ausarbeiten. Gleiches gilt, siehe oben, auch für Lady Macbeth. Das Maskieren der inneren Zustände durch Täuschung funktioniert nachvollziehbar – bis hin zum Versagen dieses Instruments, das die psychische Katastrophe auch temporär nicht mehr in den Hintergrund drängen kann. Während die Lady daran zerbricht, wandelt sich Macbeth vom geachteten Kriegsherrn und loyalen Untertan über die bekannten Stationen zum verhassten Tyrannen, dem die Weissagung noch eine Zukunft vorzuhalten scheint – mit Blick auf die Nachhaltigkeit durch den selben Selbstbetrug wie bei der ersten Prophezeiung.

Doch Staatsmann will noch etwas anderes: Er schiebt das Spiel in eine Klammer, die im Jetzt verortet ist und aus "Macbeth" eine Versuchsanordnung macht, die ein aller Zivilisation zum Trotz egozentrisches und gewaltbereites Streben "nach oben", wie das überkommene patriarchale System als gelebten Erfolg definiert, exemplarisch vorführt. Dass diese Definition nicht nur per se fragwürdig ist, sondern sich für die moderne Gesellschaft überlebt hat und in der Lebenswirklichkeit zunehmend aufgelöst wird, verschweigt die Inszenierung ebenso wenig wie, kapriziert auf Macbeth, dass es durchaus Figuren gibt, die in Haltung und Handeln der alten Definition verhaftet sind. Mit der provokativen Frage nach den Frauen als "bessere Männer" wird die Rolle der Lady Macbeth noch einmal geschärft: Der Initialmord wäre zwar auch ohne ihr Agieren denkbar, allerdings zunächst unwahrscheinlich.

Auf der Strecke bleiben, ob so oder so, die Opfer, die in "Macbeth" allerdings als Gegenfiguren – insbesondere dem manifesten Geist des Banquo, aber eben im Beiklang stets auch in der zehrenden Erinnerung an die Verbrechen gegenüber anderen – das Handeln bestimmen. Ob sanfter König oder nächste Generation (Elisabeth Kreuzer), das Haus Macduff (Anja Elisa Niggemeyer) und natürlich Banquo (Bagdasar Khachikyan) stehen zwar in ihren Funktionen, sind als Figuren aber aufgeklärt und empfindsam, nicht zu begeistern für Weissagungen. Sie stehen für eine Gesellschaft, in der sie sich und den ihren, in selbem Maße aber auch der Gesellschaft verpflichtet und verbunden sind.

Mit Aspekten einer Oper, in der Khachikyan und Kreuzer ihre sängerischen Qualitäten beiläufig sehr gut ausspielen, entspinnt sich im Ambiente einer Wohnung, das nach einem langen ersten Teil zum Festsaal wird, in dem das Publikum teilnimmt am größten Triumph und dem Zerbrechen des Macbeth, werden die Entgegensetzungen durchdekliniert. Das Leitmotiv steuert ein Weihnachtslied aus den Appalachen bei, das eine neue Welt verheißt – die zu erreichen, die alte noch ein letztes Mal unerbittlich zuschlagen muss.

So bleibt die Bestätigung der These aus dem Prolog: Das Neue ist noch nicht erreicht. Das Bewusstsein dafür aber ist da. Die nächsten Aufführungen sind an den Freitagen, 9. und 16. März, Beginn jeweils um 20 Uhr. Ab 19 Uhr gibt es eine Einführung im Theatercafé. Kartenvorbestellung (15 Euro, ermäßigt 7,50 Euro) unter Telefon 0741/89 90 oder per E-Mail an info@zimmertheater-rottweil.de

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Kommentarregeln

Um Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren Namen sowie eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben. Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt. Alternativ können Sie sich mit Ihrem Facebook-Account anmelden.

  1. Passwort vergessen?
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!
  1. null

loading