Anfang 2020 tritt Anja Rudolph ihre Stellung als Leiterin der Volkshochschule Rottweil an. Foto: Nädele Foto: Schwarzwälder Bote

Nachfolge: Anja Rudolph freut sich auf das interessante Spannungsfeld im geschichtsträchtigen Rottweil

Anja Rudolph übernimmt im Januar die Leitung der VHS Rottweil. Das Gesicht der Bildungseinrichtung wird sich damit ändern: zum einen natürlich, weil die 51-Jährige nach außen für die VHS steht, zum anderen, weil das Angebot um das eine oder andere bereichert werden wird.

Rottweil. Mitte Dezember endet das kurze Intermezzo von Interimsleiterin Eva Schumacher bei der Volkshochschule (VHS) Rottweil. Dann steht die Schlüsselübergabe an die Nachfolgerin aus VS-Schwenningen an –­ auch wenn diese offiziell erst zum Beginn des Jahres 2020 die Arbeit aufnimmt. Überhaupt – es ist ein Einstieg in mehreren Schritten: "Ich habe die letzten Wochen schon immer mal wieder reingeschnuppert", Mitarbeiter, einzelne Dozenten oder auch den früheren VHS-Leiter Ludwig Kohler kennen gelernt, erzählt Rudolph. Da ihre Anstellung als Leiterin des Fachbereichs Kunst, Kultur und Kreatives Gestalten an der VHS Tuttlingen im Oktober endete, "genieße ich die großartige Luxussituation, hier ganz entspannt starten zu können".

"Viel netzwerken und koordinieren"

Die Aufgabe eines VHS-Leiters? Für Fachbereichsleiter Marco Schaffert liegt die in "unheimlich viel netzwerken und koordinieren". Und damit hat Anja Rudolph schon losgelegt. "Jetzt schon Kontakte knüpfen zu können, die Leute kennenzulernen", entzerre den Einstieg ungemein.

Gleichwohl: In vielen Fällen geht es schon gar nicht mehr um ein erstes Beschnuppern. Ihr Engagement durch regelmäßige Publikationen, Führungen und Einführungen in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg und darüber hinaus hat Anja Rudolph in der Kunst- und Kulturszene schon bestens bekannt gemacht. Auf die Nachricht, dass sie bei der VHS Rottweil die Nachfolge antreten werde, waren deshalb auch gleich zahlreiche Gratulationen eingegangen.

Entspannt geht die 51-Jährige auch an die neue Aufgabe, weil die Rottweiler Bildungseinrichtung gut dasteht: "Das ist mein Eindruck und das höre ich auch." Sie vertraut auf ihr Bauchgefühl nach den ersten Zusammentreffen mit dem Team. "Die sind alle sehr nett und kollegial, es herrscht eine tolle, angenehme Stimmung". Das Angebot der VHS Rottweil tut ein übriges: Der Integrationsbereich, der einen großen Teil ausmacht, die Sprachkurse – "et läuft", würde man wohl in Bonn sagen.

Ein historisches Umfeld wie sonst fast nirgends

Kunstgeschichte, Archäologie, Philosophie und Städtebau hat Anja Rudolph studiert, bei der VHS Tuttlingen seit 2007 in diesen Bereichen viel aufgebaut. "In Rottweil gibt es ein historisches Umfeld, wie es sonst fast nirgends zu finden ist", freut sie sich auf das "interessante Spannungsfeld" mit Archäologie und Mittelalter über das Neckartal bis hin zur Moderne. "Das liefert Themen für die nächsten 25 Jahre", meint Rudolph lachend.

Dem Auftrag, ein Bildungsformat zu liefern ab dem Mutter-Kind-Turnen bis zum Senior, der sich geisteswissenschaftlich fortbilden möchte, komme die VHS Rottweil nach. Sie macht sich nun daran, Neues zu suchen und zu finden, das sinnfällig ins Konzept passt. Die Verbindung der beliebten Opernfahrten mit Ludwig Kohler mit Kunstexkursionen könnte so ein neues Format sein. Im Kinder- und Jugendbereich, der in Tuttlingen eines ihrer Steckenpferde war, gebe es hier schon ganz viele, die sich da einsetzen. Deshalb will sie das Gespräch suchen, schauen, wer was macht und wie die VHS vielleicht eine Lücke auffüllen kann. Firmenschulungen, ist sich die künftige VHS-Leiterin sicher, werden zunehmend nachgefragt sein. Und in der Volkshochschule sieht sie dabei den Bildungsträger, der sich am schnellsten dem gesellschaftlichen Wandel anpassen kann.

Ein Podium bieten

Rudolphs Ansatz: die VHS Rottweil soll ein Podium bieten. Angesichts der vielen engagierten Vereine böten sich da traumhafte Voraussetzungen. Und mit ihrem Fachbereichsleiter Schaffert ist sie sich einig, dass hier die VHS unter der Interimsleitung von Eva Schumacher schon große Schritte gemacht habe. Die Einrichtung sei sehr kommunikativ geworden, lobt Schaffert das Team. "Wir freuen uns, dass Anja Rudolph das jetzt weiterführen und mit weiteren neuen Ideen ausbauen kann."

Auch wenn es der Kunsthistorikerin unter den Nägeln brennt, den Internetauftritt der VHS Rottweil zu überarbeiten und die Nutzbarkeit zu erhöhen – "ein Schnellschuss ist da nicht sinnvoll", ist ihr bewusst. Was das Erscheinungsbild betrifft, habe Schumacher mit der Modernisierung des Programmheftes und der Werbeaktion einen tollen ersten Schritt gemacht. Als zweiter könnte dann die Internetseite das widerspiegeln. Das neue Gesicht der VHS Rottweil – man darf gespannt sein.