Donnernden und lang anhaltenden Applaus ernten die Musiker und ihr Dirigent Pietro Sarno bei ihrem Konzert am Samstag in der Stadthalle. Fotos: kw Foto: Schwarzwälder Bote

Konzert: "Windphonics"-Musiker schreiben mit außergewöhnlichem Konzert weiter an Erfolgsgeschichte

Das Projektorchester "Windphonics" schreibt weiter an seiner beeindruckenden Erfolgsgeschichte. Das Aushängeschild der Region Rottweil/Tuttlingen im Bereich der sinfonischen Blasmusik begeisterte in der Rottweiler Stadthalle bereits zum 13. Mal seine große Fangemeinde mit acht auserlesenen Werken und einem imposanten Bühnenauftritt.

Rottweil (kw). Auf ein volles Haus blickte Dirigent Pietro Sarno – er leitet die Windphonics seit 2016 – bei seiner Begrüßung. Angehörige, viele Freunde der Musikerelite, Schüler der Rottweiler Musikschule, in die das Orchester eingegliedert ist, sowie Liebhaber dieser Blasmusikrichtung zählten zu den 450 Gästen. Nur die erste Reihe war weitgehend leer geblieben. Dabei hätten die Besucher bei diesem Konzert – anders wie bei Auftritten von Kabarettisten – ganz vorne nichts Schlimmes befürchten müssen. Ihre einzige Aufgabe an diesem Abend wäre gewesen: "Die erste Reihe müsste mich auffangen, falls ich einen Schritt zu weit nach hinten mache", meinte der musikalische Leiter.

Souveräner Dirigent

Spätestens nach diesem kleinen Scherz war die letzte Nervosität – sofern überhaupt vorhanden – beim jungen Maestro verschwunden. Die Sorge, ein Fehltritt nach hinten könnte diesen aus dem Gleichgewicht bringen, war natürlich unbegründet. Der Musikdirektor des Stadtorchesters Friedrichshafen agierte standfest, souverän und sicher am Notenpult. Mit einer ausgesprochenen Lockerheit, immer wieder blitzte ein Lächeln in Richtung Akteure auf, aber dennoch sehr konzentriert, führte der 33- Jährige die höchst motivierten, aller bestens vorbereiteten und extrem spielfreudigen 44 Musiker.

Er verstand es, aus seinen Musikanten – allesamt zählen sie in der Region zur Creme de la Creme der Blasmusik und spielen noch in ihren Heimatkapellen mit – die Höchstleistung heraus zu kitzeln. "Höher – schneller – weiter" – so umschrieb Sarno das Motto des musikalischen Abends. Die Steigerungsform dieser Adjektive beziehe sich aber nicht auf die Spielweise seines Orchesters, ließ der Dirigent vorab gleich wissen. Obwohl die Musiker auf der Bühne in einigen Werken in puncto Tempi extrem gefordert waren und sie auch die Töne in den höchsten Lagen noch sauber und präzise trafen. Jede Komposition stehe zu diesem Motto in einem gewissen Zusammenhang – oder in einem Kontrast, klärte der musikalische Leiter auf.

Das spektakulärste und mit dem größten Beifall bedachte Musikstück aus dem Programm war "The Fly" aus der Feder des spanischen Komponisten Oscar Navarro Gonzalez. Wer hat das noch nicht erlebt: Eine im Schlafzimmer umherschwirrende Fliege raubt einem den Schlaf. Selbst den gutmütigsten und ruhigsten Menschen kann so eine Fliege zur Weißglut bringen. Genau diese Situation hat der spanische Musiker in seiner Komposition treffend umgesetzt. Nicht der Bassist oder der Klarinettist schnarchte. Es waren ihre Instrumente, welche die Schlafgeräusche fast originalgetreu wiedergaben. Danach setzte eine furiose Jagd auf das Insekt ein. Fliegenklatschen kamen zum Einsatz. Selbst gebastelte "Fliegeninstrumente" imitierten das lästige umherfliegende Biest. Am Schluss dann der finale Schlag: Die musikalische Hetzjagd durch alle Register hindurch auf die "Nachruhestörerin" war beendet.

Präzises Spiel

Als "ungewöhnlich, aber dennoch interessant" kündigte Dirigent Sarno, er leitet auch noch die Audi-Bläserphilharmonie Ingolstadt sowie weitere Projektorchester, das Werk "Stampede" des Amerikaners Steven Bryant an. Fast sämtliche Taktarten tauchen in dieser musikalischen Anlehnung an den "Wilden Westen" auf. Für die Aktiven dieses ausgezeichneten Auswahlorchesters stellte diese Herausforderung kein Problem dar.

Im schönen, tief bewegenden Choral "Sleep", einer Vertonung eines Gedichts von Eric Whitacre, für einen Chor komponiert, ahmte die diesjährige Besetzung der "Windphonics" erfolgreich das Timbre der menschlichen Stimme nach. Das volle harmonische Klangbild, die gut herausgearbeiteten Legato – Passagen wie auch die sich schräg anhörenden und dennoch exakt gespielten Dissonanzen prägten dieses für ein Blasorchester arrangierte ursprüngliche Vokalstück.

Der Beifall am Ende des Konzertes war enorm. Dirigent Sarno und seine Musikerschar freuten sich sichtlich über die große Wertschätzung. Und die Gäste freuten sich schon wieder auf das Konzert 2020.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: