Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Rottweil Coronavirus: Schul-Pause beflügelt digital

Von
Foto: Adobe Stock

Rottweil - Wenn versucht wird, der Corona-Krise positive Seiten abzugewinnen, kann der Blick in die Schulen helfen. Die lange propagierte Digitalisierung - sie bekommt derzeit enormen Schwung. Die ganze Geschichte lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Das chinesische Schriftzeichen für Krise setzt sich aus zwei Teilen zusammen: der eine steht für Gefahr oder Risiko, der andere symbolisiert Chance. Das klingt auch bei verschiedenen Schulleitern in Rottweil durch, wenn sie erzählen, wie im Moment, da die Schulen auf jeden Fall noch bis nach den Osterferien geschlossen sind, die Arbeit läuft. "Wenn nicht alles so tragisch wäre", meint etwa Stefan Maier vom Droste-Hülshoff-Gymnasium (DHG), "es hat wohl der Krise bedurft, in die Pötte zu kommen".

Am DHG und am Albertus-Magnus-Gymnasium (AMG) bedeutet das in der Praxis, dass derzeit auf digitale Betreuung der Schüler umgestellt ist. Vieles läuft über einen Messenger, der von der Firma bereitgestellt wird, die auch die Stundenplansoftware liefert. "Als sich abzeichnete, dass es zu Schulschließungen kommen wird, haben wir das noch eingerichtet", schildert AMG-Schulleiter Jochen Schwarz. Ähnlich am DHG: Die Software war eigentlich bereits seit Schuljahresbeginn am Start. "Jetzt ist sie aus ihrem Schattendasein raus, als sich die Schließung abzeichnete", erklärt Maier. Für den Austausch größerer Dateien wurde am DHG überdies auf dem eigenen Server ein Cloud-Service eingerichtet. Video-Clips der Lehrer mit Anleitungen und Lösungen finden so digital den Weg zu den Schülern. "Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt", freut sich Maier, wie gut alles trotz der besonderen Situation läuft. Nie sei das Schulmotto passender gewesen: miteinander, kreativ und verantwortungsbewusst.

Newsblog zur Ausbreitung des Coronavirus in der Region

"Ohne den Zwang wären wir sicher nicht jetzt auf den Zug aufgesprungen und hätten diese Möglichkeiten genutzt", sagt der DHG-Schulleiter. Und er macht noch einen Nebeneffekt aus: Die Krise zeige die Lücken und Mängel in der IT-Infrastruktur auf, führe deutlich vor Augen, was bei der Anbindung und den Software-Lösungen noch zu tun ist.

Am AMG wie am DHG sind die Praxiserfahrungen vergleichbar: Der Messenger war zunächst nicht auf den unerwartete regen Gebrauch eingerichtet. Die Verbindung ging immer wieder in die Knie. Mittlerweile habe die Firma sich besser darauf eingestellt und die Sache im Griff. Dass es trotzdem mal 20 Minuten oder auch eine Stunde zu Abbrüchen kommt, schlage aber nicht auf die Laune der Schüler und Lehrer, wie Schwarz berichtet. "Ich bin froh, dass es so gut klappt. Geduld und Verständnis überwiegen."

Andere Lösungen hat das Team des Leibniz-Gymnasiums (LG) gefunden. Zwar ist auch hier die selbe Stundenplansoftware im Einsatz, doch auf den Messenger-Dienst habe man verzichtet, wie Schulleiter Rüdiger Gulde berichtet. "Der kostet doch ziemlich. Wir haben ihn deshalb nicht", erklärt er. Und das Angebot der Firma, für die Krisenzeit den Messenger fünf Monate kostenlos zu testen, habe wegen der Überlastung nicht funktioniert. Kollegen, die sich an der Schule eh um die digitalen Themen kümmern, haben stattdessen am Wochenende vor der Schulschließung Alternativen für den Fernunterricht ausgearbeitet.

Den digitalen Unterricht gestaltet jeder Lehrer individuell. "Eine Kollegin hat zum Beispiel ihr Arbeitszimmer umgeräumt, damit sie den Unterrichtsstoff auf eine freie Wand projizieren kann. Die Schüler sind per Videokonferenz mit dabei", schildert Gulde. Die Fachschaft Sport hingegen zeigt Lehrern und Schülern in selbst gedrehten Videos, wie sie sich zu Hause fit halten können. "Die Clips sind sehr abwechslungsreich. Von Kräftigung bis Yoga ist alles dabei", sagt der Schulleiter.Bei Rückfragen rufen die Schüler ihre Lehrer an. "Vor allem jungen Schülern scheint es wichtig zu sein, einen Gesprächspartner zu haben", erzählt er. Kontakt halte man per Telefon und via E-Mail. Verschiedene Videokonferenzsysteme ebenso wie digitale Lernplattformen seien im Einsatz.

Und der LG-Schulleiter erkennt in dieser "Katastrophensituation einen schönen Effekt:" Das Verhältnis in den Klassen, zwischen Lehrern und Schülern bekomme eine ganz andere Qualität. Zusammenhalt und das gegenseitige Helfen rückten in den Vordergrund.

Auf Messenger oder Videokonferenzsysteme wird verzichtet

Einen dritten Ansatz findet man an der Realschule in Rottweil. Dort ist Schulleiter Andreas Kienzler bald im Minutentakt dabei, neues Material für die Schüler auf die Internetseite zu stellen. Das bekommt er aufbereitet von den Lehrern und steuert es so den verschiedenen Klassen und Zügen zu. Auf Messenger oder Videokonferenzsysteme wird verzichtet.

An allen Schulen sind die Gebäude abgeschlossen. Vor Ort ist jeweils nur ein Rumpfteam – meist Schulleitung, Sekretariat und Hausmeister. An der Realschule laufen so beispielsweise im Moment die Vorbereitungen für Entlassfeier oder etwa Zeugniss­übergabe. Auch wenn nicht klar ist, ob nach den Osterferien der Betrieb tatsächlich wieder normal laufen wird – "irgendwann wird das anstehen, deshalb müssen wir es vorbereiten", sagt Kienzler. Im Moment müsse jeder seinen Teil beitragen. Dankbar ist er dabei für die Schulsozialarbeiter. "Das ist gerade durchaus ein wichtiges Thema", schildert er, dass über Telefon die Kontakte aufrecht gehalten werden.

Sehnsucht nach solcher Normalität wächst und wächst

Neues zur Frage, wann die Schulen wieder normal geöffnet sein werden, hat bislang keiner der Schulleiter. Offiziell steht noch der 20. April im Raum. "Wir harren der Dinge und warten auf Nachrichten", meint Schwarz. Es sei eine "sehr dynamische Entwicklung", will Maier keine Prognose wagen. Und auch Kienzler hört die Frage wohl nicht zum ersten Mal und macht klar, dass er keinen Blick in die Kristallkugel geworfen habe. Nach der schrittweisen Verschärfung der Maßnahmen ist Maier gespannt, "wie die Politik da wieder rauskommt".

Kommentar: (Kata)-Pult

So schnell geht’s. Rein in die Krise und schon mittendrin in der digitalen Unterrichtswelt. Ja, so mag es auf den ersten Blick scheinen, wenn man sich ansieht, wie Schüler und Lehrer derzeit den Corona-Ausstand meistern. Von Null auf Hundert, in einem Atemzug von der hölzernen Schulbank zum Unterricht per Clip und Videokonferenz live aus dem Wohnzimmer des Lehrers. Was die Schulen da im Moment aus dem Hut zaubern, ist bemerkenswert – bewundernswert, wenn man noch bedenkt, mit welcher Ausstattung dies mitunter geschehen muss. Klar: Die Notsituation katapultiert manchen, der sich lange gesträubt hat, ins Heute – ob er nun will oder nicht. Sie zeigt aber auch deutlich auf, wo angepackt werden muss, wenn irgendwann mal wieder die "normalen" Probleme anstehen. Und die Sehnsucht nach solcher Normalität wächst und wächst.

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

Flirts & Singles

 
 

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.