Nicht einsatzfähige Rettungsfahrzeuge haben im Herbst für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt werden die Schichtausfälle durch einen externen Dienstleister minimiert. Foto: Armer

Im Kreisverband hilft während Corona-Krise externer Dienstleister aus. Zusammenarbeit funktioniert.

Kreis Rottweil - Inmitten der Corona-Krise rückt unter anderem die medizinische Versorgungsleistung in den Fokus. Wie wir erfahren haben, hat der DRK-Kreisverband es nicht geschafft, seine Schichtausfälle aus eigener Kraft zu kompensieren. Ein externer Dienstleister ist nun im Kreisgebiet im Einsatz.

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Im Herbst hatten wir mehrfach über die Personalknappheit im Rettungsdienst berichtet. Durch zahlreiche Schichtausfälle waren Rettungsfahrzeuge nicht einsatzbereit. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten hatte der damalige Kreisgeschäftsführer Alexander Huth – inzwischen nicht mehr im Kreis Rottweil tätig – erklärt, dass die Unterstützung durch externe Dienstleister im Rettungswesen des Landkreises Rottweil für ihn "keine Option" sei. Er setze auf die Ausbildung neuer Notfallsanitäter. Er räumte aber ein, dass es zunehmend schwieriger werde, geeignetes Personal zu finden.

"Ausfallreserve" aktiv

Die Situation hat sich, entgegen Huths Hoffnung, nicht gebessert. Und der DRK-Kreisverband hat letztlich doch Konsequenzen gezogen. Inzwischen ist, wie auch in anderen Landkreisen, ein externer Dienstleister aktiv, um personelle Ausfälle aufzufangen. Die "Ausfallreserve" heißt der Anbieter, der die Personalversorgung mit seinen Kräften sicherstellt.

Ein Rettungsdienstler zeigt sich überaus froh über die Lösung und erklärt: "Dazu hat auch der Druck durch die mehrfache Berichterstattung im Schwarzwälder Boten beigetragen."

Zusammenarbeit bestens

Wie der Leiter des DRK-Rettungsdienstes, Marcus Stotz, auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten erklärt, gilt die Regelung bereits seit Dezember. Und die erste Bilanz ist positiv: "Die Zusammenarbeit läuft mehr als zufriedenstellend. Die externen ›Kollegen‹ reihen sich nahtlos in das bestehende Gefüge ein und die Probleme sind – wenn überhaupt vorhanden – dieselben wie die unserer eigenen Mitarbeiter", so Stotz.

Von einem plötzlichen Richtungswechsel will er aber nicht sprechen. Die ursprüngliche Aussagen des Kreisgeschäftsführers seien "etwas missverständlich" gewesen. "Es ging nicht um ein grundsätzliches Dementi, dass keine externen Dienstleister eingesetzt werden sollen, sondern vielmehr um eine gewisse Zurückhaltung in dieser Frage." In Sondierungsgesprächen sei das Thema noch einmal neu betrachtet worden. "Und wir sind dann zu der Überzeugung gelangt, dass wir mittelfristig nur über diesen Weg einen Großteil der unbesetzten Stellen und die krankheitsbedingten Ausfälle kompensieren können."

Kein Kostensprung

Dies erhält nun umso mehr Gewicht, da die Personalversorgung in medizinischen und auch pflegerischen Berufen durch die Corona-Krise und die damit einhergehenden Vorsichtsmaßnahmen besonderen Belastungen ausgesetzt ist.

Bei den Rettungsdienstlern sei man jedenfalls, so wird uns aus diesen Reihen berichtet, froh über die Lösung. "Ohne die Ausfallreserve würde es schlecht aussehen", sagt der Insider. Der ehemalige Kreisgeschäftsführer, so wird kritisiert, habe die Ausfallkräfte aus Kostengründen nicht einsetzen wollen, dabei seien diese nicht teuerer, als wenn ein Interner die ausgefallene Schicht besetzt. Die Ausfallreserve trage nun zur Entspannung der Lage bei, hätte bereits zahlreiche Schichten kompensiert und damit für die Einsatzfähigkeit der Rettungsfahrzeuge im Landkreis gesorgt. Rettungsdienstleiter Stotz bestätigt, dass sich die Kosten der Ausfallreserve pro Dienst etwa im Rahmen eines langjährigen Notfallsanitäters, welcher für solche Zusatzdienste natürlich Überstundenzuschläge erhalte, bewegen würden.

57 Dienste übernommen

Auf die Frage nach konkreten Einsatzzahlen erklärt Stotz: "Von Dezember bis Ende Februar wurden 57 Dienste durch unseren Dienstleister übernommen." Es zeigt sich also, dass die Ausfallreserve tatsächlich gebraucht wird.

Die Stelle des Kreisgeschäftsführers ist übrigens derzeit vakant. Nach dem Weggang von Alexander Huth zurück in die Nähe seines Wohnorts steht ab 1. Juli Ralf Bösel an der Spitze des Kreisverbands Rottweil (wir berichteten). Er ist derzeit noch als Fachbereichsleiter beim Kreisverband Balingen tätig. "Er ist einer von der Basis – das passt", heißt es hinter den Kulissen.