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Rottweil Corona trennt die Frischvermählten

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"Es war wunderschön, romantisch, perfekt", beschreibt Selina Heinsch ihre Hochzeit mit Keenan am Strand von Jamaika. Danach begann jedoch bei der Einreise in die USA, der Heimat ihres Mannes, ein echter Alptraum. Das Ehepaar ist weiterhin getrennt. Sie in Flözlingen, er in Atlanta. Foto: Heinsch/freepik.com/© snyGGG – stock.adobe.com/Montage: Holweger

Rottweil/Zimmern-Flözlingen - Selina Heinsch und ihr Mann Keenan, ein Amerikaner, sind seit über einem Jahr unfreiwillig getrennt. Nach ihrer Hochzeit auf Jamaika durften sie nicht gemeinsam in die USA einreisen. Die Flözlingerin ist verzweifelt. Lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel, was am Flughafen in den USA geschah – und warum ein Happy End derzeit nicht in Sicht ist.

Corona stellt die Welt auf den Kopf. Auch die Welt von Selina Heinsch. Ihre Symptome: Herzschmerz, Sehnsucht und schlaflose Nächte. Die 29-Jährige aus Flözlingen und ihr frisch gebackener Ehemann Keenan sind durch die Pandemie und die Reisebeschränkungen seit einem Jahr unfreiwillig getrennt. Hinter ihnen liegt eine wahre Odyssee.

Derzeit lebt Selina Heinsch wieder bei ihren Eltern in Flözlingen. Dabei wollte sie nach ihrem Studium eigentlich mit ihrer großen Liebe Keenan aus den USA in Atlanta ein gemeinsames Leben beginnen und dort in einer Adoptionsagentur arbeiten. Die Wohnung, der Job – alles war fix. Schon im August 2019 hatte Selina Heinsch ihr Hab und Gut in Deutschland verkauft und war Keenan in die USA gefolgt, wo er seinen Doktor in Genetik macht. Weil ihr Touristen-Visum ablief, reiste sie nach drei Monaten zurück nach Deutschland. Dass sie und Keenan sich für sehr lange Zeit nicht mehr sehen würden, dachte damals keiner von ihnen. Dabei ist es die große Liebe. In Amerika hatte Keenan um Selinas Hand angehalten.

Zum Greifen nah

"Wir haben uns in England kennengelernt", berichtet die 29-Jährige. Sie hat am DHG in Rottweil Abitur gemacht, studierte BWL-Bank, lebte acht Jahre in Stuttgart und begann 2018 ein einjähriges Masterstudium in Entwicklungspolitik in England. Inzwischen, so sagt sie, fühlt es sich an, als hätte sie einen weiteren Masterabschluss im amerikanischen Einwanderungsrecht erworben. "Ich verbrachte endlose Stunden damit, Visakategorien, Anträge, Formulare und Prozessabläufe zu studieren", erzählt sie.

Nach ihrer Ausreise aus den USA 2019 sah zunächst alles ganz einfach aus. Sie beantragte ein Verlobten-Visum. Nach sieben Monaten Bearbeitungszeit wurde es im Februar tatsächlich genehmigt. Das Wiedersehen der beiden Liebenden schien zum Greifen nah. Doch dann kam Corona. "Kurz vor meinem entscheidenden Termin beim Konsulat in Frankfurt wurde es geschlossen", berichtet die 29-Jährige. Einreisen wurden verboten, die Grenzen dicht gemacht. Wenige Tage später, und sie wäre bereits im Flugzeug gesessen.

Die Lage schien aussichtslos, Keenan hatte zudem nur wenig Urlaub und konnte nicht mal eben nach Deutschland reisen. "Nachdem wir zehn Monate voneinander getrennt waren, war unsere Geduld am Ende und unsere Sehnsucht zu groß und wir trafen uns in einem Land, in dem es uns beiden erlaubt war, einzureisen. Im September 2020 haben Keenan und ich in Jamaika geheiratet. Leider ohne happy end", berichtet Selina. Denn die Annahme, dass sie anschließend als Ehefrau von Jamaika aus mit ihrem Mann in die USA einreisen darf, war falsch.

Hand in Hand zur Kontrolle

Was am Flughafen geschah, schildert sie auch auf ihrem Internet-Blog "Thinking Out Loud": "Am 6. September gegen 15 Uhr landeten Keenan und ich in den USA in Fort Lauderdale. Als wir auf die Grenzkontrolle zuliefen, hielten wir uns angespannt an den Händen. Es waren keine Worte notwendig, wir wussten, was im anderen vorging. Würde heute der Rest unseres Lebens beginnen? Oder würde der Alptraum weitergehen? Als der Kontrolleur unsere Reisepässe entgegennahm, schaute er abwechselnd mich und meinen Pass an. Er zögerte und sagte dann: Sie müssen mitkommen."

Nach stundenlangem Warten wurde Keenan in ein Zimmer geführt, in dem ein Stuhl mit Handschellen stand. "Nach etwa 20 Minuten kam er zurück. Ungläubig schaute er mich an und war kaum in der Lage zu sagen: Sie werden dich zurückschicken. Meine Welt brach zusammen. Mein einziger Gedanke war, wie können sie uns das antun? Stattdessen riss ich mich zusammen, ich wollte in diesem Raum keine Szene machen. Also lehnte ich mich nur an seine Schulter und ließ meine Tränen leise rollen."

Irgendwann musste Keenan gehen, damit er seinen Anschlussflug nach Atlanta bekommen würde. "Und es gab nichts, was wir tun konnten. Ich musste ihn gehen lassen."

Selina Heinsch wurde nach einer kalten Nacht in einem Büro am Flughafen zurück nach Jamaika geschickt. Auch dort war ihre Einreiseerlaubnis zwar inzwischen abgelaufen, doch als die Beamten ihre Geschichte hörten, hatten sie ein Einsehen. Sie durfte einreisen, musste aber umgehend einen Flug nach Deutschland buchen.

Wieder auf Null

"Jetzt stehen wir wieder auf Null", sagt Selina frustriert. Sie hat jetzt eine Greencard beantragt. Bearbeitungszeit aktuell: bis zu 24 Monate. Wie lange die Adoptionsagentur ihren Job noch freihält, weiß sie nicht. Sie muss weiter warten. Mit Herzschmerz und dem großen Wunsch, dass Keenan wenigstens zu Weihnachten nach Deutschland kommen kann.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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