Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Rottweil Corona-Krise: So kämpfen Reisebüros gegen die Pleite an

Von
Die Nachfrage wächst zwar, doch in Corona-Zeiten ist die Reiselust noch gebremst. Foto: ©  Carmen 56 – stock.adobe.com

Rottweil/Dunningen/Eschbronn - Ganz langsam erholt sich die Reisebranche vom Corona-Schock der vergangenen Monate. Die aktuelle Krise werden aber nicht alle Reisebüros überleben. Vergangene Woche musste "Galeria Reisen" in Rottweil den Betrieb komplett einstellen. Die anderen Büros in und um Rottweil kämpfen sich durch. Wie sie die Herausforderung meistern, erfahren Sie in unserem (SB+)Artikel.

"Die Pflanze ist am Wachsen, man sieht schon Grün", sagt Günther Hauser, Regionalleiter beim Reisebüro Bühler/Lufthansa City Center in Rottweil. Damit meint er, dass die Nachfrage wieder da ist – auch wenn noch etwas verhalten. "Innerhalb der EU geht schon einiges, aber Fernreisen sind im Moment wenig verlockend. Niemand will dort jetzt freiwillig Urlaub machen", berichtet Hauser.

Einige Rottweiler zeigen Interesse an Fernreisen im November oder Dezember, stellt er fest. "Obwohl heute keiner weiß, was bis dahin passiert." Viele Buchungen hätten die Kunden auf das nächste Jahr verschoben. Für die Sommersaison werde derzeit "das Klassische" gebucht: Spanien, Italien, Kroatien, Portugal. Stark im Kommen sei auch Griechenland. "Das Land war vom Coronavirus wenig betroffen", erklärt Hauser. Die Nachfrage steige grundsätzlich nach Destinationen, die mit drei bis vier Stunden Flugzeit erreichbar seien.

Kunden wünschen mehr Beratung

Zugenommen hat laut Hauser die Rolle der Beratung. "Viele Kunden fragen zum Beispiel, wie es am Flughafen abläuft. Die Unsicherheit ist groß, und das ist auch nachvollziehbar."

Die Coronakrise sei finanziell ein harter Schlag für das Reisebüro gewesen. "Wir sind die einzige Branche, die sich ein Minus ›erarbeitet‹ hat. Drei Monate lang hatten wir keinen Umsatz, keine Einnahmen, aber viel Arbeit", sagt Hauser. Die Mitarbeiter seien bis an ihre Grenzen gegangen und hätten "fast Übermenschliches" geleistet. "Denn bei den Kunden waren die Nerven angespannt", meint Hauser.

Er weiß: In der Reisebranche habe aktuell jeder zu kämpfen, ob groß oder klein. "Wir werden über die Runden kommen", blickt er für das Reisebüro Bühler optimistisch in die Zukunft.

95 Prozent storniert

Sükrü Baca vom Reisebüro Baca in Rottweil macht klar: "Ohne finanzielle Hilfen oder Kredite werde ich es nicht schaffen."

95 Prozent der gebuchten Reisen seien storniert worden – für Baca eine Katastrophe. Starke Rückgänge hat er vor allem im Bereich Türkei, auf den er spezialisiert ist. "Manche wollen trotzdem auf eigenes Risiko fliegen. Es sind aber vielleicht nur 20 Prozent", schildert er.

Aber auch andere Länder würden sehr wenig gebucht. "Bulgarien bis Spanien – es geht fast gar nichts. Alles ist am Boden", stellt Baca fest. Zu groß sei die Unsicherheit bei den Reisenden. Die einzige Hoffnung setze er auf die Herbstmonate. "Wenn das Wetter mitmacht", fügt Baca hinzu.

Etwas verbittert reagiert Baca auf das fehlende Interesse vonseiten des Rottweiler Rathauses an den Sorgen der Reisebranche. "Von der Stadt habe ich keinen Anruf bekommen, keiner hat reingeschaut und gefragt, wie die Lage ist. Steuern kassieren – das geht, alles andere nicht", meint er.

In Osteuropa geht nichts

Ein düsteres Bild zeichnet Oleg Antoni vom Reisebüro "Dackel-Tour". "Wir arbeiten nur mit Absagen und Stornos. Es gibt viel Ärger, viele Telefonate, ich bin nur am Erklären. Das Problem ist, dass viele Informationen im Internet schlichtweg falsch sind", erläutert Antoni.

Sein Reisebüro ist auf Osteuropa spezialisiert. In Russland und in der Ukraine geht aber reisetechnisch momentan gar nichts. "Auch nach Italien will kaum jemand fahren – und das in der Hochsaison. Ich hoffe sehr, dass im September und Oktober was kommt", sagt Antoni.

Viele buchen direkt

Silke Herzog von "Herzog Travel" in Dunningen-Lackendorf beobachtet, dass sich viele Kunden in diesem Jahr für den Urlaub in Deutschland entscheiden. "Die Unsicherheit ist extrem groß, und es wird nach wie vor storniert. Der Tenor ist bei vielen ähnlich: Wenn Urlaub, dann in Deutschland", schildert Herzog. Und da werde oft "an den Reisebüros vorbei" direkt gebucht.

"Ich hätte ein absolutes Top-Jahr gehabt", meint sie. Vier Monate lang habe sie besonders viel beraten und verkauft – jetzt muss sie sich um die Rückabwicklung aller stornierten Reisen kümmern. Die Auswirkungen seien dramatisch. "Ob Reisebüros, Hotellerie, Gastronomie oder Fluggesellschaften – es sind Existenzen", macht sie deutlich. Für ihre Branche gehe es momentan vor allem darum, das Vertrauen der Kunden wieder zu gewinnen.

Dass in diesem Jahr noch ein touristischer Boom kommt, hält Herzog für unwahrscheinlich. "Fliegen mit Maske und Abstand: Da hat keiner Lust drauf. Man zahlt sein Geld für die schönste Zeit des Jahres und will sie unbeschwert genießen und entspannen", erklärt die Reisebüro-Chefin.

Fokus auf Busreisen

Flugreisen komplett aus seinem Angebot gestrichen hat Gerhard Echle vom Reisebüro "Echle Flug- und Erlebnisreisen" in Eschbronn. Er setzt vermehrt auf die Bustouristik, denn solche Reisen können und dürfen – mit vielen Auflagen – wieder stattfinden.

"Wir möchten Vertrautheit und Sicherheit bieten", betont Echle. Der Bus fährt mit halber Kapazität, die Gäste halten sich an die Regeln. Echle sieht eine positive Entwicklung: "Es wird wieder gebucht. Nach der ersten Tour sind die Rückmeldungen positiv: Alle waren froh, endlich mal rauszukommen."

Artikel bewerten
1
loading

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

Flirts & Singles

 
 

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.