Engagierte Rottweiler Bürger wollen eine weitere Plattform für den Gedanken- und Meinungsaustausch in der Stadt schaffen. Erstes Thema ist die geplante JVA am Standort Esch (das Foto entstand bei der Bürgerversammlung im Mai). Foto: Archiv: Graner

Engagierte Menschen aus Rottweil planen Diskussions- und Ideenplattform. Geplante JVA im Esch erstes Thema. Mit Kommentar.

Rottweil - Eine weitere Form der Bürgerbeteiligung bildet sich gerade in Rottweil. Henry Rauner und Christine Schellhorn rufen zur Bildung eines Bürgerforums für den kommenden Montag auf. Als erstes im Blick: der Bürgerentscheid zur möglichen JVA am Standort Esch am 20. September.

Möglicherweise wird schon am kommenden Montagabend, 24. August, die Initiative "Bürgerforum Perspektiven Rottweil" gegründet, heißt es in einer Pressemitteilung, die von Henry Rauner und Christine Schellhorn unterzeichnet ist. Sie sind nicht die beiden einzigen. "Eine aktive Bürgerschar" lädt demnach alle Bürger Rottweils und der Umgebung auf 19 Uhr in den Kapuziner/Refektorium ein. "Es geht dabei darum, die zukünftige Entwicklung der Stadt und der Region Rottweils als engagierte Bürger mitzugestalten", so die Mitteilung.

Im ersten Schritt gehe es der Initiativgruppe um die Justizvollzugsanstalt (JVA) im Esch, da damit eine der Weichen für die Zukunft der Stadt und der Region Rottweil gestellt werde. Die Befürchtung sei groß, dass viele Wahlberechtigten nicht zur Wahl gingen, weil sie nicht genug oder zu viele widersprüchliche Informationen hätten.

Das Bürgerforum wolle keineswegs einen Gegenpol zu anderen Bürgerinitiativen wie zum Beispiel "Neckarburg-ohne-Gefängnis" erzeugen. Vielmehr wollten die Aktiven auf der Basis von "transparenten, nachvollziehbaren und verständlichen Analysen und Prognosen Pro und Kontra gegenüberstellen und damit eine Entscheidungshilfe geben". Das Bürgerforum wolle sich hierzu sämtlicher vor allem auch neuer Kommunikationsmedien bedienen.

Den Bürgerentscheid zur JVA verstehen die Initiatoren lediglich als einen ersten Schritt. Dieses Engagement wollen die Akteure nach dem JVA-Bürgerbegehren weiterführen. Es gelte den Schwung, den Rottweil und seine Region mit verschiedenen Großprojekten erfahren habe, aufzugreifen und zu nutzen. Bürgerliches Engagement habe sich auch schon bewährt. Ohne dieses Engagement gäbe es keinen Kapuziner und die Gestaltung des Thyssen-Krupp-Turms wäre ohne die vielfältigen Stimmen der Bürgerinnen und Bürger anders verlaufen. Die Bürgerschaft könne erheblich zur positiven Entwicklung beitragen und alle Meinungen und Ideen sollen dabei gehört werden und einfließen. Die Aktiven seien überzeugt, dass bei der Umsetzung der JVA die Bürgerschaft ebenfalls einen wichtigen Beitrag leisten kann. u Die Veranstaltung zum "Bürgerforum Perspektiven Rottweil", zu der alle interessierten Bürger eingeladen sind, findet am Montag, 24. August, um 19 Uhr im Kapuziner statt.

Kommentar: Sie bewegt sich

Von Armin Schulz

In Rottweil tut sich was. Mit der Diskussion über den Bau eines Testturms für Hochgeschwindigkeitsaufzüge ist Rottweil eine andere Stadt geworden. Zunächst wurden Pro- und Kontra-Argumente hinsichtlich des Mega-Projekts von Thyssen-Krupp Elevator abgewogen. Jetzt diskutiert man hier über ein neues Großgefängnis am sensiblen Standort Esch.

Beide Debatten sind mit der harten Auseinandersetzung um ein Gefängnis im Bitzwäldle nicht zu vergleichen. Rottweil ist reifer geworden. Und die Bürger mischen sich ein. Aber nicht mehr nur, wenn sie direkt betroffen sind. Weitere aktive Bürger melden sich, bekennen sich zu Rottweil, wollen diskutieren und mitgestalten. Lange Zeit erweckte die Stadt den Eindruck, sie würde vor sich hinschlummern. Jetzt bewegt sie sich. Das Thema JVA ist erst der Anfang. Spannend, was noch alles passiert.

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