Wildtierschützer Eugen Seeger (links) und Jagdpächter Wolfgang Banholzer werfen noch schnell einen Blick auf den Zustand der üppig blühenden Äsungsfläche. Alles ist in Ordnung.Foto: Schönfelder Foto: Schwarzwälder Bote

Äsungsflächen: "Sonntagsessen" schmeckt auch Insekten / Jäger stecken viel Arbeit in Ruhezonen

Man sieht’s nicht gleich: Diese schöne Waldwiese, über der zahlreiche Bienen, Wildbienen und Schmetterlinge brummen, ist eigentlich ein Herbst-Büffet für Hasen und Rehe. Und ganz offiziell heißt sie nicht Wiese, sondern Wildäsungsfläche.

Rottweil-Hausen. Die Fläche hat beachtliche Ausmaße. "So etwas geht nicht ohne Maschineneinsatz", erläutert Jagdpächter Wolfgang Banholzer. Tannen wurden entfernt, es wurde gepflügt, geeggt und gesät, damit die Futterpflanzen wachsen können.

Wer genau hinschaut, der erkennt verschiedene Kleesorten, würzige Kräuter, einige Getreidesorten, Ölfrüchte, Gräser und Kohlsorten. "Für die Tiere ist das so eine Art Sonntagsessen", schmunzelt Banholzer.

Im Sommer finden Reh und Hase noch genug Nahrung und Deckung auf den Äckern und Feldern. Aber was ist, wenn alles abgeerntet und gemäht ist? Dann kommt so eine Äsungsfläche gerade recht. Hier haben die Tiere Ruhe und leckere Gräser. Und die schmecken so gut, dass das Wild regelmäßig vorbeikommt und sich, so Banholzer, "den Bauch vollschlägt". Und wenn die Rehe was Leckeres vor dem Maul haben, dann lassen sie auch die Jungbäume in Ruhe, der Wildverbiss nimmt ab. Alle sechs Stunden braucht ein Reh als Wiederkäuer was Frisches, und wenn sie das Angebot der Jäger erst einmal "verschmeckt" haben, dann kommen die Rehe auch wieder.

Vor nicht allzu langer Zeit war die Fläche im Bettlinsbader Revier ein Holzlagerplatz. Jetzt sind die Polder abgeräumt und in Absprache mit Revierförster Thomas Zihsler gingen Banholzer, Wildtierschützer (früher hieß das Jagdaufseher) Eugen Seeger und Jungjäger Bruno del Core ans Werk.

Auch jetzt wird die Fläche regelmäßig kontrolliert und eingeschleppte dominante Pflanzen, die den anderen Licht und Luft nehmen, entfernt. Nebenbei ist das Gelände auch eine Wild-Ruhezone, wie ein kleines Schild zeigt. Hier werden die Tiere nicht gestört, hier können sich die Rehe, darunter auch viele Jungtiere, verstecken, seit Corona-bedingt der Fußgänger-Verkehr im Wald stark zugenommen hat.

Nahrungsangebotfür viele Insekten

Aber nicht nur Reh und Hase haben etwas von der Aktion. Über der Wiese, pardon Wildäsungsfläche, brummt und summt es. Zahllose Insekten nutzen jetzt schon das üppige Nahrungsangebot. Von den Jägern ist das auch gewollt.

Übrigens, bei dem direkt daneben stehenden Hochsitz möge ich mir nichts denken. Die Äsungsfläche sei nicht dazu angelegt, Rehe und Hasen besser schießen zu können. Der Hochsitz werde seit Jahren nicht benutzt, so Eugen Seeger.

Wolfgang Banholzer hatte sich in der Redaktion gemeldet, um zu zeigen, dass Jäger mehr tun, als "den Finger krumm machen". 80 Prozent seiner Zeit im Revier bedeute Arbeit. Es gebe viel zu tun. Die Jagd komme erst danach.

Dass sie auch Tierschützer seien, zeige nicht nur die Äsungsfläche. Banholzer berichtet, dass einige Jäger modernste Technik nutzen, um versteckte Rehkitze vor den Messern der Landmaschinen zu bewahren. Inzwischen wird schon mal eine Drohne mit Wärmebild-Kamera gestartet, um das Kleine zu entdecken und zu retten.

Am Ende unternehmen Banholzer und Seeger noch einen kurzen Kontrollgang über die Fläche. Alles ist in Ordnung.

Dann kann man nur noch "Guten Appetit" wünschen.

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