Der Blitzeranhänger (hier noch das Leihmodell) in der Stadionstraße. Foto: Schulz

Mobiles Überwachungssystem seit Mitte Juni im Einsatz. Neun Fahrverbote ausgesprochen.

Rottweil - Der neue Blitzer-Anhänger in Rottweil ist seit Mitte Juni im Einsatz. Zunächst war es ein Leihgerät, seit August verfügt die Stadtverwaltung über eine eigene Anlage. Schon 2000 Mal hat die Radarfalle ausgelöst. Eine Schatzkiste für den Stadtsäckel?

In der Heerstraße stand er schon, in der Stadionstraße ging er auf Raserjagd, auch in der Hausener Straße schreckte er Verkehrsteilnehmer auf. Der neue Blitzeranhänger ist schon weit herumgekommen. Wie die erste Bilanz nach viereinhalb Monaten aussieht, darüber informierte Bürgermeister Christian Ruf die Mitglieder des Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschusses.

Von Mitte Juni bis Juli war das Leihgerät im Einsatz. Laut Ruf löste der Blitzer in diesen ersten zwei Monaten in 580 Fällen aus. 90 Prozent davon fielen in die Kategorie Verwarngeld – es handelte sich also um geringe Geschwindigkeitsüberschreitungen. Zehn Prozent der erwischten Autofahrer müssen ein Bußgeld entrichten. Gar vier Mal wurde für die Monate Juni und Juli laut Ruf ein Fahrverbot ausgesprochen, neun Fahrer erhalten Punkte in der Verkehrssünderkartei in Flensburg.

37.000 Euro fließen bislang in Stadtkasse

Seit August nun verfügt die Stadt über einen eigenen Blitzeranhänger. Im August, so die Beobachtung des Bürgermeisters, habe das Verkehrsaufkommen in der Stadt wieder zugenommen. Das macht sich natürlich in der zweiten Mini-Bilanz bemerkbar. In den Monaten August und September seien dann 1400 Auslösungen registriert worden, so Ruf. Zu 95 Prozent handele es sich lediglich um ein Verwarngeld, beim Rest um Bußgelder. Fünf Fahrzeuglenker müssen für eine Zeit auf ihr Gefährt verzichten, mit einem erhöhten Punktekonto in Flensburg müssen elf Fahrer rechnen.

Das mobile Überwachungssystem ist je nach Aktivität eine Woche im Einsatz. Dann muss die Batterie aufgeladen werden. Das geschehe nachts auf dem Betriebshof. Es sei zu überlegen, so Ruf, ob man sich eine Art Powerbank, also ein mobiles Akkugerät, anschaffen solle, um das Überwachungsgerät an Ort und Stelle aufzuladen.

Bei fast 2000 erwischten Verkehrssündern – wird die Stadt damit reich? In diese Richtung zielte die Frage von Stadtrat Hermann Breucha (Freie Wählervereinigung). Ruf spricht von bisherigen Einnahmen von rund 37 000 Euro. Wie das am Jahresende aussehen wird, ist laut Verwaltung noch nicht absehbar.

Einnahmen geringer als erwartetet

Bei der Vorstellung des Blitzeranhängers im Juni wurde darauf hingewiesen, dass das Gerät 150 000 Euro koste. Für die Fallbearbeitung und den Vollzugsdienst waren eineinhalb Stellen in einem Umfang von jährlich 90 000 Euro vorgesehen. Wenn die dreieinhalb Monate repräsentativ sind, dann wäre mit 125.000 Euro an Einnahmen durch Verwarn- und Bußgelder zu rechnen. Kalkuliert wurde mit 200.000 Euro.

Doch für eine solche Hochrechnung sei es noch zu früh, sagte Oberbürgermeister Ralf Broß. Eine Bilanz werde nach einem Jahr gezogen. Zudem, das betonten Broß und Ruf, gehe es nicht ums Geldverdienen, sondern um die Erhöhung der Verkehrssicherheit in Rottweil. Wiederum nicht nur um jene in der Kernstadt, sondern auch im jene in den Ortsteilen. Von daher ist damit zu rechnen, dass der Blitzeranhänger auch dort in nächster Zeit aufgestellt wird.

Wer indes auf der Autobahn zwischen Singen und Stuttgart ebenfalls ein futuristisch anmutendes Blitzgerät entdeckt, braucht sich nicht zu wundern. Dieses hat nichts mit dem Rottweiler Überwachungssystem zu tun. Es funktioniert aber ähnlich.