Geschäftsführer Deinhard Dittert Foto: Oel Heimburger GmbH Foto: Schwarzwälder Bote

Mobilität: Deinhard Dittert von Oel Heimburger über ein Phänomen, das Autofahrer ganz narrisch macht

Rottweil. Sie sind ein Mysterium und in Ferienzeiten bieten sie Autofahrern Anlass, sich mächtig zu ärgern: die Spritpreise. Wir sprachen mit einem, der weiß, was dahinter steckt: Deinhard Dittert, Geschäftsführer der Oel Heimburger GmbH.

 

Die Heimburger Tankstelle in der Schramberger Straße dürfte jedem eingesessenen Rottweiler, auch wenn er oder sie kein motorisiertes Gefährt durch die Gegend zu kutschieren hat, ein Begriff sein. Doch die Firma ist weitaus mehr. Sie berät, betreut und beliefert 100 Tankstellen.

Früher war es so, erzählt Deinhard Dittert: "Der Mann wusste über den Benzinpreis Bescheid, die Frau, wo Milch und Butter am günstigsten zu haben waren." Das klingt anekdotisch, erklärt indes, warum der Benzinpreis das Männerblut zuweilen auch heute noch in Wallung bringt.

Deinhard Dittert weiß noch eine andere Geschichte zu erzählen. Ein Geschäftspartner sagte einmal, in den 70er-Jahren sei ein Kunde gekommen und habe beim Preis von 39 Pfennig pro Liter Benzin gedroht: "Bei 40 Pfennig ist Schluss, dann werde ich nicht mehr Auto fahren." Die Zeiten sind andere, die Preise sind seitdem um einiges mehr gestiegen, und es geht weiter hoch emotional bei dem Thema zu. Der Markt für Kraftstoffe ist unübersichtlich und laut Dittert "dynamisch wie die Börse". Zum einen wird er beeinflusst von der großen Politik. Große Aufgeregtheit herrscht, berichtet Dittert, seitdem US-Präsident Donald Trump den Atomdeal mit dem Iran aufgekündigt und die westlichen Partner zu einem Embargo gegen den Iran aufgefordert hat. Russland, China, Saudi-Arabien – sie alle mischen mit und beeinflussen die Spritpreise.

Die Firma Oel Heimburger bezieht ihre Kraftstoffe von der Mineralölraffinerie in Karlsruhe, der Preis orientiert sich an der Londoner Börse. Man könnte nun meinen, damit stünde fest, was an der Tankstelle verlangt werden kann. Doch gefehlt. Zum anderen nämlich bestimmt der Wettbewerb vor Ort, wie viel ein Liter Benzin kostet.

Die Konkurrenzsituation ist enorm. Dittert führt dies auch auf die Marktransparenzstelle für Kraftstoffe zurück, die von einer früheren Bundesregierung vor fünf Jahren eingeführt wurde. Es ging dabei eigentlich um den Verbraucherschutz. Wer tanken musste oder wollte, sollte in die Lage versetzt werden, sich die Preise von Tankstellen auf dem Smartphone in Echtzeit anzeigen zu lassen. Anhand der Informationen konnte man die für ihn günstigste Tankstelle aufsuchen.

Doch aus dem Instrument der Transparenz ist ein Instrument der Verneblung geworden, befürchtet der Unternehmer. Wenn die großen Konzerne ihre Preise ändern, müssen die kleineren Firmen nachziehen. Das kommt zwischen sechs und zehn Mal am Tag vor – mit Preisschwankungen von bis zu zehn Cent. Für den Kunden oftmals nicht mehr nachvollziehbar. Denn so kann es passieren, dass Preise, die aktuell auf dem Smartphone angezeigt werden, bis zum Erreichen der Zapfsäule überholt sind.

Früher übrigens, als man noch auf die Leiter klettern und die Ziffern von Hand tauschen musste, wurden die Preise ein bis zweimal in der Woche angepasst. Heute machen das Computer. Wie dem zu begegnen ist? Am besten, so Dittert, schafft man die voll automatisierte und von Computerprogrammen gesteuerte Preisbildung ab. So aber, davon ist der Chef von Oel Heimburger überzeugt, wollten die großen Konzerne die Kunden dahin erziehen, zu tanken, wenn der Tank leer ist und nicht, wenn es gerade irgendwo vermeintlich besonders günstig ist. Sein Tipp: Im Moment ist es am besten, morgens zu tanken. Da sind die Preise mit am niedrigsten.