Als Kulisse haben Florian und Tanja Berger den Testturm bereits 2015 genutzt. Nun könnten dort bald auch Trauungen möglich sein. Archiv-Foto: Martin Foto: Schwarzwälder-Bote

Event: Neben den Aufzügen laufen Veranstaltungen ganz gut

Der Testturm von Thyssen-Krupp-Elevator bewegt nicht nur Aufzüge in einem erstaunlichen Tempo. Ebenso verblüffend ist, dass das Mega-Gebäude bereits jetzt Menschen von überall her wie magnetisch anzieht. Zu Meetings fast jeglicher Art. Bald auch zu Trauungen?

Rottweil. Am Donnerstag hatte Leichtbau Baden-Württemberg zu einer exquisiten Veranstaltung auf 230 Meter ­Höhe in den Turm des Aufzugherstellers Thyssen-Krupp Elevtor (TKE) eingeladen. Als Referenten wurden Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Werner Sobek, einer der beiden Turmväter, angekündigt. "Noch vor der Eröffnung sind Sie auf 230 Meter zu Gast", heißt es in dem Einladungsschreiben der landeseigenen Agentur schwärmerisch.

Turmmanagerin Beate Höhnle sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, es seien internationale Kunden, die bereits jetzt die Möglichkeit nutzten, Konferenzräume zu buchen, sei es zu Vertragsabschlüssen, zu Besprechungen oder Präsentationszwecken. Auch private Veranstaltungen würden bereits stattfinden. "Und Anfragen zu Trauungen haben wir auch", sagt Höhnle. Darüber gleich mehr.

Außen haben die Membranspezialisten und Kletterer alle Hände voll zu tun, die Textilhülle zu montieren, im Inneren herrscht sowieso Hochbetrieb. Die Techniker feilen an dem vor Kurzem präsentierten Multi-Konzept. Das neuartige System ist eine Kombination aus der Magnetbahntechnik des Transrapids und der Funktionsweise des Paternosters. Damit können Aufzüge ohne Seile durch Schächte bewegt werden – nicht nur vertikal, sondern auch horizontal. Es ist ein Novum. Damit sind neue Gebäudeformen denkbar, TKE verspricht erhebliche Vorteile für Bauherrn und Nutzer und sieht darin eine Antwort für die Mega-Citys dieser Welt.

Für Alfons Bürk, der von Anfang an den Turmbau zu Rottweil in einer verantwortlichen Position begleitet und bei Problemen in der Bauphase die Parteien immer wieder zu Krisengesprächen an einen Tisch gesetzt hat, ist freilich fasziniert von der Ausstrahlung des Gebäudes. "Der Turm begeistert, er emotionalisiert." Bürk glaubt, dass von dem 246 Meter hohen Gebäude eine positive Kraft ausgeht.

Wenn man Menschen beobachtet, die zum ersten Mal in rund 230 Metern Höhe aus den Panoramascheiben nach draußen blicken, kann man sehen, wie sie einerseits von der ungewohnten Situation fast überwältigt werden, andererseits mit einem Lächeln auf den Lippen auf die Landschaft zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb und den sich durchschlängelnden Neckar schauen und eine innere Ruhe finden. Kaum vorstellbar, das in dieser Atmosphäre überhaupt ein böses Wort fallen könnte.

Vor Kurzem hat eine gemeinsame Veranstaltung des Wirtschaftsrats der CDU zusammen mit dem Hanseatischen Personalkontor stattgefunden. Das Meeting war – klar – ausgebucht. Die Gäste, Entscheider aus der Wirtschaft aus der Region, waren – auch klar – begeistert. Vor zwei Jahren, als der Wirtschaftsrat zu einer Wanderung über die Tuttlinger Berge mit dem damals frisch gekürten CDU-Spitzenkandidaten eingeladen hatte, kam gerade einmal ein gutes Dutzend Interessierter zusammen.

Der Testturm zieht an wie ein riesiger Magnet, dabei ist er noch nicht einmal eingeweiht. Diese findet Anfang Oktober statt. Fertig ist er ja auch nicht. Man muss über die Baustelle laufen, bevor man in die Hightech-Welt von TKE eintaucht und nach einer Hochgeschwindigkeitsfahrt oben im Turm in einer anderen Welt auftaucht. Turmmanagerin Höhnle spürt diesen besonderen Spirit jedes Mal aufs Neue, das hat natürlich etwas mit der außergewöhnlichen Höhenluft zu tun: "Die Menschen kommen auf einer anderen Ebene zusammen." Dass man im Turm tolle Meetings abhalten kann, werde mittels Mund-zu-Mund-Propaganda weitergegeben, so Höhnle.

Davon sollen auch bald arg Verliebte profitieren können, die sich trauen lassen wollen. Zurzeit gibt es Abstimmungsgespräche mit der Stadtverwaltung. Die Standesbeamten hätten die Örtlichkeiten im Turm bereits inspiziert und für in Ordnung befunden. Der Gemeinderat wird sich demnächst damit befassen. Dann gewinnt der Turm eine neue Power: the Power of love.

Weitere Informationen: testturm.thyssenkrupp-elevator.com

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