Wasser aus Flüssen und Bächen zum Gießen verwenden - erlaubt oder nicht? Foto: © EVGENIY – stock.adobe.com

Wasserentnahme erlaubt? Zum Gießen sollte verzichtet werden. Mit Kanne und Eimer grundsätzlich möglich.

Kreis Rottweil - Es ist seit Wochen trocken, Blumen, Gemüse und der Rasen haben Durst – da ist es für jene Kreisbewohner, die in der Nähe eines Gewässers wohnen, verlockend, das kühle Nass einfach dort zu holen. Doch ist das eigentlich erlaubt?

Dieser Frage eines Lesers sind wir nachgegangen. Und es zeigt sich: Es ist zwar teilweise erlaubt, doch aktuell bittet das Umweltschutzamt, den Flüssen und Bächen ihr Wasser zu lassen. Durch die seit mehreren Wochen anhaltenden hochsommerlichen Temperaturen führen viele Fließgewässer im Landkreis Rottweil derzeit nur noch wenig Wasser. Das im Laufe der Jahre 2018 und 2019 entstandene Niederschlagsdefizit konnte auch durch die Niederschläge der vergangenen Monate nicht ausgeglichen werden, so die Behörde. "Die Wasserstände vieler Gewässer haben mittlerweile kritische Ausmaße erreicht", heißt es. Der Pegel Prim zeigte beispielsweise vergangene Woche den niedrigsten Wasserstand, der seit der Pegelaufzeichnung 1981 jemals gemessen wurde. Betroffen seien nicht nur die größeren Gewässer, sondern vor allem auch die kleineren Bäche.

Grundsätzlich gestattet

Grundsätzlich, so erklärt Landratsamts-Pressesprecherin Brigitte Stein auf Nachfrage, sei das Entnehmen von Wasser aus einem Fließgewässer mit Handgefäßen – also Eimer oder Gießkanne – als Gemeingebrauch jedermann gestattet.

Ebenso sei das Entnehmen von Wasser in geringen Mengen für die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft und den Gartenbau ohne Beschränkung auf Handgefäße zulässig. Beim privat betriebenen Gartenbau gelte dies nur für eine Wasserentnahme zur Erzeugung von Obst und Gemüse und anderen Früchten, jedoch nicht für eine Bewässerung von Rasenflächen oder Zierpflanzen.

Bei Pumpe und Schlauch droht ohne Genehmigung Bußgeld

Wer Wasser gar mithilfe von Pumpe und Schlauch zur Bewässerung von Rasenflächen oder Zierpflanzen entnehmen will, braucht dafür eine wasserrechtliche Zulassung. Ansonsten liegt ein ordnungswidriges Verhalten vor, wofür ein Bußgeld fällig ist. Wichtig für eine Beurteilung sei unter anderem die Wasserentnahmemenge im Verhältnis zu Größe und Abfluss des Gewässers, erklärt Stein. Das sei natürlich beim Neckar anders als an einem kleinen Bach. Und: Einbauten zum Aufstau eines Gewässers sind generell nicht zulässig.

Die gute Nachricht: Nach der Erfahrung des Landratsamts werden im Kreisgebiet nur selten Verstöße gegen diese Vorschriften bekannt.

Erhebliche ökologische Schäden möglich

Das ist gut so, denn der derzeitige niedrige Wasserstand und die steigenden Wassertemperaturen beeinträchtigen die Gewässerökologie, was sich insbesondere für Fische, Kleinlebewesen und Wasserpflanzen negativ auswirkt. Durch den geringen Zufluss aus Flüssen und Bächen komme es auch in Weihern zu extremen Erwärmungen. "Falls Wasserläufe austrocknen, wäre mit erheblichen ökologischen Schäden zu rechnen", so das Umweltschutzamt.

Um eine weitere Verschärfung der Situation zu verhindern und zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt sollte deshalb auf eine Entnahme von Wasser aus den Bächen und Flüssen verzichtet werden. In nicht ganz so heißen Zeiten können Gießkanne und Eimer aber getrost gefüllt werden.

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