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Rottweil Ausgelassene Stimmung bei Thyssenkrupp-Testturm-Towerrun

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Foto: (mb/nk)

Rottweil - Weiter, bis die Lunge brennt, die Beine schmerzen und der Körper aufgeben will – der zweite Rottweiler Towerrun am Sonntag hat vor allem gezeigt, dass nicht nur er, sondern auch die Menschen, die ihn bezwingen, rekordverdächtig sind.

9.30 Uhr, und die Sonne steht schon hoch am Himmel. Manche drehen bereits mit angestrengten Mienen und ersten Schweißtropfen auf der Stirn ihre Runden auf dem Vorplatz. Unter den Wartenden, von denen rund 1000 an diesem Tag an den Start gehen werden – 300 mehr als bei der Premiere 2018 –, sind vier mutige Athleten, die den Turm für den Schwarzwälder Boten bezwingen wollen.

"Wir werden langsam anfangen und dann stark nachlassen", sagt Hubert Kammerer lachend. Der 50-Jährige ist tiefenentspannt. 1390 Stufen und 232 Höhenmeter können ihn nicht schrecken. "Wir werden hoch kommen –­ und wenn wir uns gegenseitig tragen müssen", meint der Rottweiler. Sein Blick verrät, dass er es todernst meint.

Er und Trainer-Kollege Andreas Moranz kennen die Stärken und Schwächen des anderen. Kammerer sei zwar der Ältere, aber auch der Fittere, erzählt Moranz. Trotzdem wird er selbst vorausgehen und das Tempo vorgeben. Die Beiden müssen schließlich gemeinsam im Ziel ankommen – wenn es nach Kammerer geht in weniger als 14 Minuten.

Liane Link wagt sich derweil als Einzelläuferin ins Treppenhaus. "Ich habe Naturjoghurt mit Banane gefrühstückt und bin fit", sagt die Villingendorferin strahlend. Die ambitionierte 54-Jährige hat die vergangenen Tage zur Regenerierung genutzt.

Ganz anders Rottweilerin Andrea Welsch, die zweite Einzelläuferin des Schwabo-Teams. Sie ist zum wiederholten Mal beim Towerrun dabei, läuft Marathon und hat ein paar Tage zuvor noch einen 30-Kilometer-Lauf gemacht.

"Es ist wie bei einer Geburt: Wenn man weiß, was auf einen zukommt, ist es halb so schlimm", sagt sie. Ihre Teamkollegen holen sich gern Tipps. "Die Profis nehmen immer zwei Stufen auf einmal", hat sie beobachtet. Handschuhe gäben manchem besseren Grip am Geländer. "Am meisten überrascht hat mich, wie schnell der Puls hochgeht. "Man ist ruckzuck auf Oberkante Unterlippe", so Welsch.

Während sich das Schwabo-Team draußen physisch und mental auf den Aufstieg vorbereitet, verschwinden schon reihenweise Läufer im Treppenhaus. Der "Elite" obliegt es, den zweiten Towerrun zu eröffnen. Und schon dort gibt es die erste Überraschung: Vorjahressieger Christian Riedl wird dank Fabio Ruga auf den zweiten Platz verwiesen. Bei den Frauen wird sogar der Rekord von Vorjahressiegerin Martina Nagel aus Schramberg (9:53 Minuten) durch Verena Schmitz unterboten.

Hinunter geht es sehr viel schneller. Gerade einmal knappe 30 Sekunden dauert es mit dem Aufzug. Je mehr schweißüberströmte Absolventen des Laufs sie sehen, desto nervöser werden auch die Schwabo-Team-Mitglieder. Als Erste verschwindet Andrea Welsch im Treppenhaus, kurz darauf Liane Link. Die Männer haben Schonfrist. Sie starten zwischen Polizei und Feuerwehr.

Oben dann die Überraschung: Liane Link erreicht als Erste die Plattform, belegt mit 13:53 den 34. Platz von 83 und schafft es dann, noch stärker zu verblüffen: "Das Atmen fiel schwer, aber es ging. Es ist machbar", sagt sie. Andrea Welsch trifft drei Minuten später ein. "Ich bin einfach happy, dass ich es nach oben geschafft habe. Einige saßen im Treppenhaus erschöpft auf den Stufen", sagt sie.

Für Kammerer und Moranz ist das keine Option. "Rottweil, 12.50 Uhr, die Frisur sitzt", witzelt der Moderator. In Gedanken sind die Männer schon beim Aufstieg. Dann fällt der Startschuss. Wenige Minuten später schleppt sich Moranz schweißüberströmt die letzte Stufe hinauf. "Ab Ebene zehn tat’s weh", sagt Moranz, nach Luft schnappend. "Es hat geschlaucht, aber war nicht so schlimm wie ich gedacht habe", meint Kammerer. Mit dem Ergebnis ist er nicht zufrieden. "Ich wollte Andreas noch einmal pushen, aber es sollte nicht sein", meint Kammerer. Eine starke Performance liefert derweil der Lauftreff des VfB Bösingen ab. Janine und Björn Bantle werden nicht nur Sieger im Mixed-Team-Lauf, sondern auch noch Achte in der Team-Gesamtwertung. Aufsehen erregt auch der jüngste Teilnehmer, der siebenjährige Bruno Flaig aus Hardt.

Aufgeben ist keine Option

Und dann steht das an, auf das alle hingefiebert haben. Es ist totenstill auf der Plattform. Das DRK und die Rottweiler Feuerwehrkräfte stehen bereit – gespannt auf die, die sich nun die Stufen hinaufkämpfen. Dann ein schriller Pfeifton. Wenn dieser beim Einsatz ertönt, wissen die Feuerwehrkräfte, dass die Luft ausgeht und sie das Gebäude schnell verlassen müssen. An diesem Sonntag bedeutet er, dass nun noch einmal alle Kräfte gebündelt werden müssen. Dann biegt der erste Feuerwehrmann um die Ecke, und der Jubel bricht los. Er wird wie ein Held von tosendem Applaus begrüßt – nicht nur für ihn ein emotionaler Moment. Kraftlos lässt er sich auf eine Matte fallen. Das Team um Stadtbrandmeister Frank Müller nimmt ihm die 20 Kilogramm schwere Ausrüstung ab. "Das sind Maschinen", so Kammerer beeindruckt.

Aus Rottweil und den Stadtteilen gehen 17 Feuerwehrmänner an den Start. Einige schaffen es unter die Top 20. Gebrochene Rekorde, Amateurläufer, die Profis in den Schatten stellen und ein Wille, der sich über den schmerzenden Körper hinwegsetzt – was soll da noch kommen? Vielleicht ja die Austragung der EM.

Einziger Wermutstropfen: Die Zuschauer können ihre Helden auch dieses Jahr nur auf den ersten paar Metern anfeuern. Sobald es ins Treppenhaus geht, ist von den Läufern nichts mehr zu sehen. Lediglich die Live-Übertragung der Ergebnisse zeigt, wie sich die Läufer geschlagen haben. "Wir hoffen, dass wir beim nächsten Towerrun auch Bildmaterial liefern können", so der Veranstalter.

Hier jeweils die drei Erstplatzierten sowie erfolgreiche Teilnehmer aus der Region.

 Einzel-Lauf (mit Polizei): Männer: 1. Fabio Ruga (6:57), 2. Christian Riedl (7:06), 3. Görge Heimann (7:36), außerdem: 5. Florian Winker (7:55), 12. Christian Winker (8:25), 23. Gereon Drauz (9:16)

Frauen: 1. Verena Schmitz (9:42), 2. Martina Nagel (9:43), 3. Elke Keller (9:56), außerdem: 8. Franziska Gerster (10:56), 16. Jutta Haag (11:54)

  Zweier-Team-Lauf: 1. Karl Buchmann/Erik Buchmann (9:34), 2. Arne Kobald/Thomas Heine (10:26), 3. Reiner Hauser/Gerald Feder (10:37), außerdem: 5. Jürgen Bartosch/Tommy Bartosch (11:25), 8. Janine Bantle/Björn Bantle (11:42), 18. Beate Haag/Franz Link (14:05), 20. Lilli Schmitt/Lucia Schmitt (14:15)

 Zweier-Staffel-Lauf: 1. Martin Hermle/Fränk Elvedi (10:59), 2. Stefan Kruck/Tatjana Alf (11:10), 3. Sven Wolf/Jennifer Schillinger (13:08), außerdem: 9. Brigitte Sommer/Erdmute Thamm (21:17)

 Feuerwehr-Team-Lauf mit PA: 1. Sven Reuter/Ferdinand Oser (15:06), 2. André Fedier/Uwe Grossberger (15:08), 3. Severin Debrunner/Stefan Roth (16:05), außerdem: 4. Oliver Banholzer/Raphael Banholzer (16:44), 8. David Will/Alwin Lotzer (17:31), 9. Christopher Wiest/Philipp Rebmann (17:35), 17. Michael Harteker/Martin Prinz (18:37), 18. Simon Rebmann/Markus Meier (18:40)

Zweier-Feuerwehr-Team-Lauf ohne PA: 1. Timo Bender/Robin Lohner (15:26), 2. Moritz Nagel/Karim Stederoth (16:56), 3. Daniel Disam/Bernd Helmer (17:10), außerdem: 9. Pascal Rebholz/Bernd Jetter (20:03), 17. Christian Wuhrer/Lucas Mager (23:05), 20. Andreas Besenfelder/Philipp Steinhart (23:35)

 Schwabo-Team: Liane Link (34. Einzellauf, 13:53), Andrea Welsch (68. Einzellauf, 16:44), Hubert Kammerer/Andreas Moranz (21. Zweier-Team-Lauf, 14:18)

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