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Rottweil Auf ewige Freundschaft

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Foto: Alt Foto: Schwarzwälder Bote

Das Jahr 1519 ist ein Jahr des Umbruchs, in dem sich die Ereignisse wie Wildwasser Bahn brechen. Und Rottweil ist mitten drin. 500 Jahre später kann die einstige Reichsstadt auf einen feierlichen Schwur zurückblicken, der ihre Entwicklung nicht nur politisch prägte und noch heute Bestand hat: Den Ewigen Bund.

Rottweil. Die Schweizaffinität der Rottweiler lässt sich heute nicht nur, aber doch am deutlichsten in der Partnerschaft mit der Stadt Brugg ablesen. 2013 wurde das 100-jährige Bestehen dieser Freundschaft mit einer riesigen Tafel auf dem Straßenkreuz gefeiert. Die Städtepartnerschaft hat Kriege überstanden, Generationen überdauert und war doch Teil eines Größeren, dem Ewigen Bund, der den Rottweilern in einer Zeit steter politischer Machtverschiebung die Unterstützung der Schweizer Eidgenossen garantierte.

Winfried Hecht ist im Thema wie kein Zweiter. Der ehemalige Stadtarchivar war 1969 maßgeblich beteiligt, als die Stadt den Ewigen Bund zum 450-jährigen Jubiläum feierte. Damals kam es am Marktbrunnen zu filmreifen Szenen. An jenem Brunnen im Herzen der Innenstad dessen Spitze ein kleiner Schweizer Fähnrich bildet, wiederholten Rottweiler und Gäste aus der Schweiz mit großem Pathos den Schwur, den die Partner am 26. September 1519 an selber Stelle feierlich geschworen hatten. Dabei machte das Ableben Kaiser Maximilian I erst möglich, was heuer wieder mit einzelnen Veranstaltungen in Rottweil gefeiert werden soll. Nun muss man wissen, dass die Rottweiler Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts ein recht stolzes Völkchen waren, mit einem ordentlichen Selbstbewusstsein. Sie verstanden es, in gefährlichen Zeiten den Spagat zwischen Kaisergetreuen und Eidgenossen irgendwie zu meistern. "Die Rottweiler haben immer abgewartet, was der Kaiser macht, und machten gleichzeitig gemeinsame Sache mit den Schweizern im Krieg in Oberitalien", erzählt Hecht.

Elitekämpfer in Italien

Das ging sogar soweit, dass die Rottweiler 1512 von Papst Julius II. mit dem Julius-Banner ausgezeichnet wurden, weil sie an der Seite der Eidgenossen die Franzosen aus Pavia vertrieben hatten. "Das kostbare Banner aus Seiden-Damast zeigte die Mutter Gottes. Sie trägt auf dem einen Arm das Jesuskind und auf dem anderen den Rottweiler Stadtadler", erzählt Hecht. Die Kämpfer aus der Reichsstadt, die die Schweizer angefordert hatten, müssen so etwas wie eine Eliteeinheit gewesen sein, schätzt Hecht.

Jedenfalls hatte der Kaiser die Faxen der Reichsstädter, die bereits 1463 ein auf 15 Jahre begrenztes Bündnis mit den Eidgenossen geschlossen hatten, satt und verhängte die Reichsacht. Den Rottweilern blieb trotz ihres Bündnisses angesichts der vielen Feinde letztlich nichts anderes übrig, als dem Kaiser zu huldigen. Damit blieb Rottweil wenigstens das Hofgericht erhalten.

Als Maximilian und die Eidgenossen im Schwabenkrieg aneinander geraten, verhalten sich die Rottweiler neutral. Danach wird die Lage Rottweils zusehends schwieriger. Die Verbündeten Schaffhausen und Basel steigen nach dem Schwabenkrieg zu vollberechtigten Schweizer Bundesgliedern auf, während Rottweil – von den Genossen geografisch weit entfernt – nicht weiterkommt.

Letztlich verbietet Maximilian zu Lebzeiten jedes weitere Bündnis mit den Eidgenossen. Je mehr sich der Kaiser einer Weiterführung des Bundes entgegenstemmt, desto stärker wird der Drang der Rottweiler. Doch solange der Krieg der Eidgenossen gegen das vom Schwabenbund unterstützte habsburgische Österreich dauert, können die Rottweiler keinen engen Bund mit den Eidgenossen eingehen.

Gefahr im Verzug

Das ändert sich mit dem Jahr 1519. Am 12. Januar stirbt der Kaiser auf Burg Wels mitten in den Vorbereitungen zu den Türkenkriegen. Den Rottweilern droht zu dieser Zeit neue Gefahr: Herzog Ulrich von Württemberg überfällt am 20. Januar 1519 die Reichsstadt Reutlingen und verleibt sie seinem Herzogtum ein. Damit steht der Despot quasi vor den Toren Rottweils. Aufatmen kann die Reichsstadt erst, als der Herzog außer Landes gejagt wird und zwar von einem Großaufmarsch des den Habsburgern nahestehenden Schwäbischen Bundes. Dieses lässt wiederum jene Kräfte erstarken, die Rottweil weniger zugetan sind. Und auch Ulrich schielt immer wieder nach Rottweil. Die Reichsstadt braucht einen starken Partner.

Für Rottweil ist mit dem Tod des Kaisers der Weg frei. Es schließt mit den 13 "alten Orten" der Eidgenossenschaft einen Bund, der ewig Gültigkeit haben soll. Der Historiker Gottfried Boesch, der schon bei den Feierlichkeiten in Rottweil 1969 Festredner war, zitiert in der Zeitschrift "Der Geschichtsfreund" aus einem Exemplar des Burgrechtsvertrags vom 6. April 1519, der im Staatsarchiv in Luzern verwahrt wird. "Im Namen der heiligen Dreifaltigkeit, im bewusstsein, dass ewige Freundschaft hier schriftlich festgehalten werde, damit man daran denke und weil die menschliche Natur blöde sei und vergesslich, deshalb hätten die 13 alten Orte der Eidgenossenschaft und der Bürgermeister, die Räte, die Zunftmeister und die ganze Gemeinde zu Rottweil, in Anbetracht der Liebe und Treue der Vorfahren einander zu ewigen Eidgenossen angenommen." Am 26. September 1519 wurde der Bund auf dem Marktplatz feierlich beschworen. Alle männlichen Rottweiler, die älter als 15 Jahre waren, waren dazu zusammen mit Abgesandten aus Zürich, Bern, Luzern, Schwyz, Uri, Unterwalden, Zug, Glarus, Freiburg i.Ü., Solothurn, Schaffhausen und Appenzell angetreten. Nur die Basler waren nicht dabei. Auf der Originalurkunde des Ewigen Bundes, die im Stadtarchiv aufbewahrt wird, fehlt auch deren Siegel.

Kanton am Neckar

"Sie sehen, es hätte gut möglich sein können, dass wir heute im Kanton Rottweil leben", sagt Hecht. Denn über die Jahrhunderte tauschten sich die Eidgenossen und die Reichstädter nicht nur was kriegerische Aktivitäten anbelangt aus. Was in der Schweiz passierte, diente in Rottweil als Vorbild, wie etwa die Lateinschule. Wechselseitige geistliche Beziehungen erleben gerade zu Beginn des 16. Jahrhunderts eine Blüte, selbes gilt im Bereich der Künste für die Glasmalerei. Gemeinschaften und Vereinigungen pflegen ihre Beziehungen zu den Schweizern.

Auf der anderen Seiten organisierten die Züricher ihr Landgericht nach dem Vorbild des Rottweiler Hofgerichts. Und als die Reformation auch in Rottweil an die Tür klopft, sind es nicht die Lehren Luthers, sondern Zwinglis, die vor allem bei den Zünften Anklang finden.

Doch die teils engen Beziehungen zu den Schweizern wurzeln auch im Privaten, wie Hecht am Beispiel eines Johann Baptist Zipfehli erklärt. Der Rottweiler hatte bei den kriegerischen Unternehmungen der Schweizer gutes Geld verdient und sich so in Rottweil ein stattliches Anwesen leisten können. Das Haus in der Lorenzgasse gibt es heute noch, wenngleich baulich getrennt. In einer Hälfte wohnt ein ausgesprochener Schweiz-Freund, der gerade an einer Festschrift zum "Ewigen Bund" arbeitet: Winfried Hecht.

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Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

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