Applaus Stufe neun für den Gast aus Baden? Kein Problem für die Schwaben im Publikum. Foto: Schnekenburger

Gleich vier Comedians und Ensembles zu Gast beim Sommerfestival.

Das kann ja nur zauberhaft werden! "Schwabenzauber" beim Ferienzauber versprach am Dienstagabend Einblicke in das Land der Dichter und Autos, der Spätzle, Schätzle und unkomplizierten Lösungen. Ein Schlüssel für Letzteres: die Sprache.

Rottweil. Wolfgang Heyer, "Hillus Herzdropfa", die "Kächeles und Leibssle – bei dieser geballten Kompetenz in Sachen Schwaben kann es nicht verborgen bleiben, dass sich doch ein paar Badener ins Ferienzauber-Zelt unterm Wasserturm geschlichen haben. Keine Angst, Gäste sind willkommen, vorausgesetzt, sie wissen sich zu benehmen. Und die Herrschaften aus der gelb-roten Nachbarschaft geben keinen Anlass zur Klage. Außer, dass sie, als sie von Heyer gleich zu Beginn identifiziert werden, ein bisschen ruhig wirken. Unauffällig. Gut, einer muss ran und sich immer wieder als Zielscheibe für Nachfragen beweisen – dafür hat ihm Heyer aber auch einen echt zehnstufigen Applaus beschert. Dessen Tosen ist nicht nur erklärbar durch die badische Schützenhilfe. Der war ehrlich!

Natürlich geht es gestern nicht darum, andere madig zu machen, nur, weil sie einen anderen Dialekt haben, eine andere Sprache sprechen. Sicher, das Zappen quer durch die Radiosender der Republik könnte den Anschein erwecken, doch auch hier gilt am Ende: "Schwabenzauber". Will sagen: Das Schwäbische gibt so viel her an umfassender Kommunikation in ganz wenigen Worten, dass jedem im Zelt vor Augen steht, wo die Krone der Schöpfung zuhause ist. Nämlich dort, wo in Form der Suppenkelle in jeder Besteckschublade ein Schöpfer bevorratet wird.

Sicher, nicht nur Heyer muss zugeben, dass die Schwaben mitunter etwas merkwürdig wirken. Merkwürdig verdreht, wenn sie sich in ihren Anweisungen und Erzählungen widersprechen – gibt’s in anderen Dialekten durchaus auch –, und merkwürdig direkt, wenn sie ein Ziel erreichen wollen, die Rahmenbedingungen aber kein Lavieren mehr zulassen. Da nimmt die resolute Bäuerin "vo dr Alb ’ra" die Sache in der Amtsstube schon mal gerne in die Hand. Und Lena lässt das Publikum nicht im Unklaren darüber, wer in ihrem Haushalt weiß, wo’s lang geht. Klar ist: Ihr "Maddeis" ist es nicht.

So loten die Kabarettisten und Comedians in halbstündigen Auszügen aus ihre Programmen ziemlich viel von dem aus, was man den Schwaben zu zuschreibt. Alltagsszenen, aufpoliert und in Schwäbisch gepackt, kommen, ob von Leibssle oder den Kächeles, auch deshalb gut an, weil doch jeder einen kennt, dem’s fast genau so gehen könnte wie dem bizarren Typen aus der Erzählung auf der Bühne. Auch da gilt: Gibt’s anderswo auch. Hier aber hört es sich so schwäbisch an.