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Rottweil Auch mal das Ungewöhnliche wagen

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Foto: vyhnalek.com Foto: Schwarzwälder Bote

Rottweil. Einen Tag nach dem Besuch der Bewertungskommission zur Landesgartenschau spricht Zukunftsforscher Matthias Horx am Donnerstag, 19. April, über "Rottweil 5.0 – wie die progressive Provinz die Zukunft erobert". Die Entscheidung wird er nicht vorweg nehmen können, aber trotzdem Interessantes über das Entstehen der Zukunft in mittleren und kleineren Städten zu sagen haben.  

Herr Horx, Sie sprechen am 19. April über die progressive Provinz, die die Zukunft erobert. Ist Rottweil Provinz?

Sie bringen mich in Verlegenheit. Rottweil ist natürlich auf seine Weise eine Metropole, in der der Bär tanzt. Aber mal ehrlich: Rottweil ist natürlich auch eine mittlere Kleinstadt so wie es in Deutschland zig-tausende gibt. In diesen Kleinstädten gibt es oft eine hohe Lebensqualität, Überschaubarkeit, soziale Nähe. Aber die entscheidende Frage ist doch: Will man gerne dort bleiben? Ist das Leben attraktiv, oder ziehen immer mehr Bewohner in die Großstadt? Entwickelt sich im Sinne der Nähe eher eine geistige Enge? Oder zieht eine solche Stadt auch vitale Kräfte an, entwickelt sie Ideen, Kreativität, ein eigenes Profil, und vor allem Selbstbewusstsein? Darum geht es im Trend der "Progressiven Provinz", mit dem ich ausdrücken möchte, dass Urbanität keine Frage der Größe einer Stadt ist, sondern ihrer Mentalität, ihrer inneren Lebendigkeit.  

Wenn in der ältesten Stadt des Landes von Rottweil 5.0 gesprochen wird, sind dann Testturm, Hängebrücke und Bewerbung zur Landesgartenschau bereits ein Aufbruch?

Das ist ja schon mal eine ganze Menge, mehr als sich viele andere Gemeinden trauen. Gerade kleiner Städte brauchen Attraktionen, Leuchtturm-Projekte, die die Stadt nach außen sichtbar machen und einen Stolz der Bürger ermöglichen. Das erfordert die Bereitschaft, über bestimmte Ängste und Vorurteile zu springen. Ich möchte auch noch ihr neues Gefängnis erwähnen, das ja auch eine mutige Bürgerentscheidung voraussetzte. Die entscheidende Qualität dieser Entwicklungen ist ja nicht die Digitalisierung –­ worauf das "5.0" hinzuweisen scheint. Sondern ein intakter Bürgersinn, der auch mal das Ungewöhnliche wagt, anstatt immer nur GEGEN alles zu sein. Poetisch ausgedrückt: Die Zukunft ist eine Zu-Mutung, sie mutet uns etwas zu, sie ERFORDERT einen gewissen Bürger-Mut. Wenn wir das annehmen, dann gewinnt gerade das Leben in kleineren Städten große Perspektiven.  

Welche Hausaufgaben muss Rottweil erledigt haben, wenn es vom von Ihnen angekündigten Gegentrend Urbanität profitieren will?

Urbanität ist ja kein Gegentrend, sondern ein Megatrend. Und eigentlich ist er ortlos. Wenn wir Urbanität als die Fähigkeit zu Vielfalt, Offenheit, Toleranz und Kooperation begreifen, dann kann das Urbane sozusagen in verschiedenen Formaten existieren. Sogar auf dem Dorf kann man weltoffen sein. Wir nennen das auch den "Glokalismus": Dialekt sprechen, aber vielleicht auch Englisch. In der Welt unterwegs gewesen zu sein, aber den Boden von Heimat unter den Füßen haben. Wurzeln UND Flügel haben. Oft wird das ja gegeneinander ausgespielt, und dann wird es eben wirklich provinziell. Dann gerät man ins Abseits.  

Und wo liegen dabei die Gefahren für die bestehende Gemeinschaft?

Lassen Sie uns von den Möglichkeiten reden: Zum Beispiel machten wir immer wieder die Erfahrung, dass Jüngere erst mal in die Stadt und die weite Welt ziehen, aber irgendwann, vielleicht zur Familiengründung wieder zurückkehren. Die Frage ist dann, ob sie und ihre Ideen dann ernst genommen werden, oder ob sie als Fremde wahrgenommen werden. Es gibt Kleinstädte, die mit Hilfe ihrer Rückkehrer ganz schön was auf die Beine bekommen. Sie nutzen sie sozusagen als Pioniere und Ideengeber.  

Sonst ist eine Kommune zwischen Metropolisten und Glokalisten endgültig abgehängt?

Das "Abhängen" ist ja eine Metapher, die man gerne benutzt, wenn man anderen eine Schuld zuschieben möchte. Aber abhängen kann man immer nur sich selbst.

Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx spricht am Donnerstag, 19. April, ab 19 Uhr in der Stadthalle Rottweil über das Thema: "Rottweil 5.0 – wie die progressive Provinz die Zukunft erobert". Er glaubt: In den nächsten Jahren wird sich die Sehnsucht in Richtung Urbanität wieder umkehren: Dörfer, Kleinstädte und Regionen könnten eine Renaissance erleben. Finden Beziehungsqualität und Weltoffenheit auf neue Weise zusammen, erzeugten sie eine neue Vitalität des Lokalen.

Horx hat in seiner Arbeit als Trend- und Zukunftsforscher zwei unterschiedliche Sorten von Provinz ausgemacht: "In der einen verkriechen sich die Bewohner in Passivität und Opfermentalität, in der anderen herrscht ein Klima der Offenheit und des Wandels."

Spannend dürfte sein, inwiefern die Idee einer progressiven Provinz zur Vision von Rottweil 5.0 passt, wie sie Oberbürgermeister Ralf Broß im Rahmen der Eröffnung des Testturms skizziert hat: Nach vier Entwicklungsstufen der Stadtgeschichte – Römerstadt, Mittelstadt, Reichsstadt und dem Rottweil der Gegenwart – stehe die Stadt an der Schwelle zu einer neuen Epoche, in der bürgerschaftlicher Gemeinsinn, die Kreativität der Menschen, moderne Technologien wie etwa die Digitalisierung und die hohe Lebensqualität im ländlichen Raum eine dynamische Verbindung eingehen.  Der Eintritt zu diesem Vortrag in der Stadthalle Rottweil im Rahmen der Bewerbung zur Landesgartenschau und des Agenda-2030-Prozesses ist frei.

 
 

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Armin Schulz

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