Die Apotheker weiten ihren Warnstreik aus. Am kommenden Mittwoch trifft es auch den Kreis Rottweil. Foto: Strobel

Protestaktion ist für den kommenden Mittwoch geplant. Notdienstklappen im Einsatz.

Kreis Rottweil - Erst die Lufthansa-Flugbegleiter, vielleicht auch die Ärzte, ganz sicher aber die Apotheker. Keine Frage, das Streikfieber grassiert, doch dieses Mal trifft es die Menschen direkt hier im Landkreis: Am kommenden Mittwoch, 12. September, protestieren die Apotheker landesweit gegen die Gesundheitspolitik.

Auch im gesamten Kreisgebiet sind die Einrichtungen geschlossen, sagt Apotheker Stefan Zürn. Aufrecht erhalten würde vor Ort lediglich ein Notdienst. Bedient würde über die Notdienstklappen. Man wolle diesen Streiktag gezielt dazu benutzen, die Kunden über die Situation aufzuklären, so der Apotheker aus Zimmern ob Rottweil. Zürn vertritt neben Hans-Otto Hengstler aus Villingen-Schwenningen die Region Schwarzwald-Baar im 41-köpfigen Beirat des Landesapothekerverbands.

Es sei schon lange nicht mehr so, dass man reich werde, das sei vielleicht in den 1980er-Jahren noch so gewesen, versucht Zürn ein Bild, das es in den Köpfen der Bevölkerung noch geben mag, zurechtzurücken.

Denn vielerorts, vor allem in ländlichen Gebieten, lohne sich das Geschäft nicht mehr. In Frittlingen, so berichtet Zürn, suche man händeringend wieder nach einem Apotheker. Doch vergebens: Es finde sich keiner mehr. Bundesweit betrachtet schließe im Schnitt an jedem Tag eine Apotheke, weil sie sich nicht mehr trage. Schuld daran hat nach Ansicht von Zürn die Gesundheitspolitik. Im vergangenen Jahr habe man ihnen 200 Millionen Euro an Honorar gestrichen, jetzt wolle man ihnen 198 Millionen Euro zurückgeben. Das sei zu wenig.

Die Gesetzlichen Krankenkassen würden Milliarden horten, sie, die Apotheker, hingegen müssten sich mit einem immer höher werdenden Verwaltungsaufwand und steigenden Betriebskosten herumschlagen. Vom wirtschaftlichen Wachstum seien die Apotheken seit neun Jahren abgekoppelt, so Zürn.

Deshalb verlangen sie eine Anhebung des Honorars um einen Euro pro Medikamentenpackung, die Politik wolle ihnen indes nur 25 Cent gewähren, rechnet Zürn vor.

Dies alles wollen die Apotheker den Kunden am Mittwoch in persönlichen Gesprächen erklären. Wer auf Medikamente angewiesen ist, muss sich auf etwas Wartezeit einstellen. Gut möglich, dass sich vor den Notdienstklappen Warteschlangen bilden.