Alice erlebt seltsame Abenteuer und lernt im Wunderland merkwürdige Wesen kennen. Fotos: Friedrich Foto: Schwarzwälder Bote

Singspiel: Jugendliche führen ihre Version von "Alice im Wunderland" auf

"Im Absurden vermag der Geist einen Ausweg aus allen beliebigen Schwierigkeiten zu finden", schreibt André Bréton über "Alice im Wunderland".

Rottweil (hf). In Adaption dieses Hinabtauchens ins Absurde nach dem berühmten Werk von Lewis Caroll verfasste der Jugendclub 2 unter der Leitung des Theaterpädagogen und Schauspielers Gérard Nesper ein eigenes Stück, das im Zimmertheater Rottweil zweimal zur Aufführung kam.

In loser Szenen-Reihung zeichneten die Jugendlichen eine Reise ins Unbewusste menschlicher Verhaltensweisen. Dabei beginnt die Reise für die Hauptdarstellerin Alice (konzentriert und überzeugend Nele Bevemann) in unbekannte, ihr absurd vorkommende Realitäten. Auf der Suche nach Handschuhen und Hut für den "Hasen" (fein zurückgenommen Sandro Charkviani) gerät sie immer tiefer in unbekanntes Terrain. An der großen Kaffeetafel scheint alles möglich und die Inhalte austauschbar: "Es ist nicht das selbe". Immer wieder nähert sich die Grinsekatze Alice (geschmeidig in ihren Bewegungen Kirsten Schmelz), um sie zu verwirren und zu verunsichern. Daneben tritt ihr Alter Ego – sozusagen ihre Kritikerin – neben sie, um sie auf ihrem Weg zu stützen.

Kurze Spiel-Sequenzen, mit Musik verstärkt, wechselten in rascher Abfolge, um auf einen Höhepunkt zuzustreben, den Auftritt der Herzkönigin (energisch und sicher Nora Skopek). Brutale Machtausübung wird in Frage gestellt, wenn die Königin ihre Untertanen wegen Fehlverhaltens umbringen lassen will.

"Gibt es denn keine andere Lösung?", stellt sich Alice ihr mit der gewonnenen Einsicht in den Weg: "Wer Macht durch Unterdrückung ausübt, verliert alle Freunde und ist einsam."

Nach Alice’ Erwachen aus den Tiefen ihrer Reise wird ihr und den sie Auffangenden klar: "Ich habe Fehler und darf sie auch machen, das zu erkennen, macht mich zu etwas Besonderem!" Und Alice beendet das Stück: "Jetzt ist alles in Ordnung."

Für das 40-minütige Werk nach nur kurzer Einstudierungszeit ernteten alle sieben Jugendlichen und ihr Leiter Gérard Nesper viel Beifall vom zahlreich erschienenen Publikum.

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