Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Rottweil Altstadt geht auch ohne Turm

Von
Pia Lach Foto: Schwarzwälder Bote

Mit dem Bau des Thyssen-Turms hatte Rottweil eine neue Attraktion zu bieten, die große Besucherströme anzog. Einige sehen deshalb im Testturm großes Potenzial, andere befürchten ein Aussterben der Innenstadt, die im Vergleich zum Turm uninteressant werden könnte.

Rottweil. An Vormittagen bei blendendem Wetter scheint die Rottweiler Innenstadt beinahe ausschließlich von Touristen bevölkert zu werden. Die einen staunen über die alten, geschichtsträchtigen Gebäude, die anderen über das Technik-Wunder Thyssen-Turm und die Aussicht.

Hellmut Sarfert aus Tübingen wartet an der Bushaltestelle am Nägelesgraben auf seine drei Begleiter, eine davon seine Frau, die anderen Besucher aus Hamburg, die Rottweil noch nie gesehen haben. Die Gruppe ist soeben angekommen. "Ich finde Rottweil faszinierend", sagt der Mann, der im April schon einmal hier war. "Eine sehr schöne, ordentlich gerichtete Stadt, ein wahres Juwel", schwärmt er. Die "vielen kleinen historischen Winkel" gefallen ihm am besten. Und Rottweil habe sich touristisch sehr gut vermarktet, findet er. Noch hat er den Thyssen-Turm nicht von oben gesehen. "Es war heute Vormittag zu viel los. Wir versuchen es später noch einmal." Er zieht einen Stadtplan aus der Hosentasche und sucht schon einmal den besten Weg zu den Sehenswürdigkeiten, denn wenn seine Begleiter zurück sind, darf er sich als Fremdenführer versuchen. Und in einer Sache ist er sich sicher: "Die Hamburger werden begeistert sein."

Susanne Winter und Petra Stoß machen einen Tagesausflug nach Rottweil. Sie kommen aus dem Ulmer Raum. Den Thyssen-Turm besuchen sie nicht. "Wir schauen uns lieber die Stadt an", meint Stoß. "Davon haben wir mehr." Sie finden die Kirchen und die Innenstadt mit ihren alten Gebäuden viel reizvoller. "Und natürlich die Straßencafés", ergänzt Winter. "Wir suchen uns jetzt erst einmal ein nettes Plätzchen."

Nicht ganz so weit weg wohnen Bärbel und Bernd Schneider, nämlich in Sindelfingen. "Die schönsten Orte liegen manchmal direkt vor der Haustür", weiß Bärbel Schneider. "Wir waren schon vor 10 Uhr auf dem Turm, da war noch nicht ganz so viel los." Die Fahrt in schwindelerregende Höhen hat ihnen gefallen, aber auch die Innenstadt lassen sich die beiden nicht entgehen. "Wir sind historisch sehr interessiert", sagen sie. Der Weg soll heute auf den Stadtturm und in die Altstadt führen, erklärt Bärbel Schneider. "Die älteste Stadt Baden-Württembergs hat eben schon ihren Reiz."

Paulus und Annemarie Aerssens bleiben ein paar Tage lang in der Gegend, denn sie haben einen weiten Weg hinter sich. "Wir kommen aus Holland. Wir spielen mit unserem Musikverein auf dem Vöhringer Sommerfest", erklärt Paulus Aerssens. Rottweil gefällt ihnen gut, sowohl die Innenstadt als auch das Freibad. Den Thyssen-Turm besuchen sie aber gezielt nicht. "Wir finden das Bauwerk nicht gerade sehr schön", sagen die beiden. Es passe nicht zu dem alten, geschichtsträchtigen Stadtbild. "Für die Aussicht ist der Turm vielleicht ganz gut", meint Paulus Aerssens. "Aber die hat man auch von einigen Aussichtspunkten aus."

Ein fester Programmpunkt

Rudolf Raiber ist mit einer neunköpfigen Gruppe in Rottweil. "Wir wandern viel, aber dazu ist es heute zu heiß", sagt er. Auf dem Thyssen-Turm sei unglaublich viel los gewesen. "Die Aussicht war toll, aber wir mussten fast eine Stunde lang anstehen", stöhnt er. Von der Stadt dagegen ist er positiv überrascht. "Wir haben uns Rottweil kleiner vorgestellt." Vor 15 Jahren sei er schon einmal da gewesen, doch alles habe sich seitdem sehr verändert.

Pia Lach aus dem Raum Freiburg hat nur Positives über Rottweil zu sagen. "Ich kenne die Stadt bis jetzt nur von der Fasnet, aber sie einmal im Sommer zu sehen, ist auch wunderbar." Auch den Turm hat sie mit ihren Begleitern besucht und fand ihn "an sich spannend". Nur auf die langen Wartezeiten hätte sie verzichten können.

Kein Tourist, aber ebenfalls nur zeitweise in Rottweil, ist Schauspieler Thomas Giegerich. Er verbringt hier zwei Monate, weil er im Sommertheater mitspielt. Sein Wohnsitz ist in Berlin. Rottweil gefalle ihm sehr. Er schätzt die idyllische Lage und die Aussicht auf die Alb auf dem Weg zur Arbeit. "Vor einem Jahr war ich aus dem gleichen Grund hier", sagt er. "Ich habe Museen besucht, bin auf dem Turm gewesen und habe mit dem Fahrrad die Gegend erkundet." Auszusetzen hat er nichts, höchstens, dass sich viele Bewohner gestört fühlen, "wenn man nach zehn Uhr noch draußen sitzt". Dieses Problem kenne man nicht, wenn man in Berlin wohne, erklärt er. Positiv wertet er das starke bürgerliche Engagement: "Ich habe viele Einheimische kennengelernt, die sich stark mit ihrer Stadt identifizieren und sich einbringen."

Vor dem Heilig-Kreuz-Münster steht Ursula in den Birken. Sie kommt aus Moosbach. "Die Hauptstraße ist sehr schön", sagt sie. "Gleich machen wir eine Führung." Die altehrwürdige Stadt findet sie wichtiger als den Thyssen-Turm. "Wir waren oben, und die Aussicht war toll, aber wir mussten eine Stunde lang in der prallen Sonne warten." Es habe nichts zum Unterstellen gegeben, was ihr negativ in Erinnerung bleiben werde.

Letztendlich scheint der Thyssen-Turm für einen Großteil der Touristen ein fester Programmpunkt beim Besuch in Rottweil zu sein. Hauptgrund für den Besuch scheinen jedoch nach wie vor die historischen Sehenswürdigkeiten von Baden-Württembergs ältester Stadt zu bleiben. Das Alte und das Neue zusammen machen Rottweil zu dem touristischen Anziehungspunkt, der es ist.

Der Testturm prägt seit sechs Jahren diese Stadt. In einer Serie beleuchten wir aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln die Entwicklung Rottweils durch den Testturm.

Rottweil. Kuschnierz hat die Entwicklung weiter im Auge behalten – immer wieder auf dem Berner Feld aber auch von seinem Zuhause in der Durschstraße aus.

Mittlerweile füllt er seine Freizeit anders. Die Baustelle gibt es nicht mehr, doch der Thyssenkrupp-Turm hat ihn trotzdem nicht losgelassen. Immer wieder etwa hilft er Auswärtigen, die sich auf der Suche in die Durschstraße verirren, den Weg aufs Berner Feld zu finden. "Die sehen den Turm und fahren dann auf Sicht, bis sie am Omsdorfer Hang verzweifeln", erzählt Kuschnierz. Eine Gruppe Motorradfahrer aus Norddeutschland und eine Familie aus Holland seien so neulich bei ihm am Haus gestrandet. Von der Autobahn aus seien sie auf den Turm aufmerksam geworden und hätten sich spontan zu einem Abstecher entschieden.

Waren es zunächst die Arbeiten mit der faszinierenden Gleitschalungsbauweise, die ihn in Bann zogen, ist es heute das Bauwerk an sich. "Der Turm hat eine ganz eigene Schlichtheit, und er ist dennoch sehr präsent", schwärmt er von der Leichtigkeit, die die Membran der Betonröhre verleihe. "Und, je nach Licht, Wolken, Tageszeit, Wetter und Schatten – der Turm kann jede Stunde ganz anders aussehen. Dann noch die Beleuchtung –­ die setzt ihn perfekt ins Bild."

Was sich mit dem Turm in Rottweil verändert habe? "Die ganze Atmosphäre", sagt er bestimmt. Die Stadt werde nun von viel mehr Menschen besucht. Und er schmunzelt: "Die Rottweiler nehmen den Turm pragmatisch. Er ist eben da. Aber bei Touristen sind das Interesse und die Begeisterung riesengroß". Für Kuschnierz ist deshalb klar: Der Thyssenkrupp-Testturm ist eine große Chance für seine Stadt.

Entsprechend sieht der 70-Jährige die Entwicklung Rottweils positiv: "Die Stadt hat eine eigene tolle Geschichte, und der hat der Turm nun die Moderne hinzugefügt. Ich bin froh, dass die Leute kommen und dann anderswo erzählen, wie toll es hier ist." Ein Angebot mit Essen und Getränken in Turmnähe, ist er sich sicher, würde das Erlebnis noch abrunden. Und dafür ist ja nun an den Öffnungstagen mit dem Foodtruck gesorgt.

Die Ankündigung, dass eine Hängebrücke Innenstadt und Berner Feld verbinden werde, habe er damals ziemlich euphorisch aufgenommen. Das hat sich mittlerweile etwas relativiert. Nicht, weil er dem Vorhaben kritisch gegenüberstehe, sondern weil es so lange dauere. Die alte Stadt und die Moderne miteinander zu verbinden, hält er nach wie vor für eine gute wie auch notwendige Idee. Und der Bockshof sei der beste Punkt für die Anbindung. Nicht nur die Arbeiten am Testturm sind ihm in Erinnerung geblieben, sondern auch das große Festwochenende zur Einweihung. "Das war echt mal was besonderes –­ bis hin zum Brand auf der Arbeitsplattform wegen des Feuerwerks", lacht er verschmitzt.

Einmal war Peter Kuschnierz seit der Eröffnung bislang auf der Besucherplattform des Testturms, um die tolle Aussicht aus 232 Metern Höhe zu genießen. Gemeinsam mit seiner Tochter. Und das trotz Flug- und Höhenangst. Die Begeisterung des Vaters überwog da wohl. Nur ganz vor an die Scheibe zu treten, das habe sie sich dann doch nicht getraut.

Fotostrecke
Artikel bewerten
2
loading

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

Flirts & Singles

 
 

Angebot der Woche

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.