Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge spielen an einem Tischkicker. Foto: Uli Deck Foto: Schwarzwälder-Bote

Asylkrise: Neue Herausforderung für Sozialdezernent Bernd Hamann: minderjährige Flüchtlinge ohne Eltern

Von Armin Schulz

Eine neue Herausforderung in der Flüchtlingskrise erfordert eine weitere Kraftanstrengung: die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Ausländern. Diese kostet Zeit, Geld und Nerven. Gut, dass es einen erfahrenen Krisenmanager gibt.

Kreis Rottweil. Schon immer stand und steht der Sozialdezernent des Landkreises, Bernd Hamann, stärker im Fokus der Öffentlichkeit. Das hat damit zu tun, dass das Sozialressort ein überaus diffiziles und mit 40 Prozent der Ausgaben (rund 70 Millionen Euro) das größte im Kreishaushalt ist.

Seit einigen Monaten ist Hamann in der Flüchtlingsfrage zusehends als Krisenmanager gefordert. Bei den Kommunen wird er immer wieder vorstellig und fragt nach weiteren Möglichkeiten für die Unterbringung von Flüchtlingen. Die Städte und Dörfer sind in der Pflicht, gemäß ihrer Größe die entsprechende Anzahl an hilfesuchenden Menschen aufzunehmen. Es bedarf mal mehr, mal weniger der eindrücklichen Worte, um ans Ziel zu gelangen. Überzeugungsarbeit ist auch an anderer Stelle notwendig. Wie oft hat Hamann schon bei der Bevölkerung in Informationsveranstaltungen um Verständnis für die Asylpolitik des Kreises geworben. Nicht selten hat er vor Ort die Wogen glätten und die Gemüter beruhigen können.

Es geht weiter. Bernd Hamann ist wieder gefragt. Dieses Mal geht es um minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern nach Deutschland kommen. Im Beamtendeutsch heißen sie unbegleitete minderjährige Ausländer, kurz UMA genannt.

Anfang November ist ein neues Gesetz in Kraft getreten ist, das die Lage der minderjährigen ausländischen Kinder ohne Eltern verbessern soll. Das hat zur Folge, dass sie aufwändiger betreut werden müssen – im Prinzip wie Jugendliche, die im Kreis bereits in Jugendhilfeeinrichtungen oder bei Pflegefamilien untergekommen sind. Also rund um die Uhr.

Zudem kamen in den vergangenen Monaten immer mehr in den Kreis. Ende Mai 2015 verzeichnete die Kreisverwaltung einen unbegleiteten minderjährigen Ausländer, Anfang November waren es 22, Mitte Januar 66, jetzt sind es 100.

Den Worten Hamanns, der dem Sozial-, Kultur- und Schulausschuss am Montag Bericht erstattet, ist zu entnehmen, wie dramatisch die Lage ist. Immer wieder ist von einer Notsituation die Rede. Händeringend wird derzeit nach geeigneten Unterkunfts- und Betreuungsplätzen gesucht. Unbürokratische und schnelle Hilfe erhielt der Kreis zuletzt von der Stiftung Lernen-Fördern-Arbeiten, der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn und der Jugendhilfeeinrichtung Mutpol in Tuttlingen. Selbst die Jugendherberge in Rottweil und das Feriendorf Eckenhof sprangen ein, benötigen ihre Zimmer in den Sommermonaten indes für touristische Zwecke.

Die Arbeit unter enormen Zeitdruck – in der Art, dass der Verwaltung am Donnerstag die Ankunft von einer Gruppe von Kindern für den nächsten Dienstag angekündigt wird – ist das eine. Das andere, dass diese Aufgabe Personal bindet. Die Ressourcen in der Verwaltung sind erschöpft. Landrat Wolf-Rüdiger Michel spricht anerkennend davon, dass sich die Mitarbeiter "für die Sache krumm legen" und hoch motiviert seien.

Beim Jugend- und Versorgungsamt wurden nun vier neue Stellen geschaffen, doch sie konnten bislang nicht besetzt werden. Der Arbeitsmarkt ist wie leer gefegt. Heute führt Hamann Bewerbungsgespräche. Dann ist abzusehen, ob demnächst zumindest mit ein klein wenig Entlastung zu rechnen ist.

Apropos rechnen. Zwar erstattet das Land die fallbezogenen Kosten für die Hilfen, nicht jedoch die Personal- und Sachkosten der Kreisverwaltung. Bei vier Stellen sind das im Jahr rund 300 000 Euro, für die der Kreis aufkommen muss, allein im Bereich der UMAs. Anlass für den Landrat, darauf hinzuweisen, dass die Landesregierung nicht ganz recht hat, wenn sie äußere, sie komme für alle Kosten im Zusammenhang mit der Flüchtlingsfrage auf.

Die Situation ist nicht einfach. Der Sozialdezernent geht für das laufende Jahr von 180 UMAs und 50 einheimischen Jugendlichen aus, die betreut werden müssten. Eine Herkulesaufgabe also. Dafür sprechen die Ausschussmitglieder quer durch alle Fraktionen Bernd Hamann Respekt und Anerkennung aus geben grünes Licht für das weitere Vorgehen.