Auch am Schmotzigen 2014 werden solche Schilder an den Geschäften in Rottweil zu sehen sein. Foto: Otto

Top oder Flop? In Sachen "Kein Alkohol unter 25 am Schmotzigen" ziehen Polizei und Einzelhändler jetzt Bilanz.

Rottweil - Alkoholleichen, Sachbeschädigung, Schlägereien: Um solche Szenen am Schmotzigen künftig zu verhindern, verkaufen viele Einzelhändler seit 2012 keinen Alkohol mehr an unter 25-Jährige. Hat sich die Aktion bewährt oder nicht? Zeit für eine Bilanz.

 

Der Schmotzige Donnerstag 2011 liegt inzwischen drei Jahre zurück, vielen ist er aber bis heute in unangenehmer Erinnerung geblieben. Betrunkene schon am frühen Vormittag, Schlägereien, Sachbeschädigung und unappetitliche Vorkommnisse im Zusammenhang mit exzessivem Alkoholgenuss: Gerade junge Menschen fielen vor drei Jahren besonders unangenehm auf.

Ein Jahr später ziehen Stadt, Polizei und einige Einzelhändler im Innenstadtbereich die Konsequenzen: 2012 wird Alkohol erstmals nur noch an Personen über 25 Jahren verkauft. Damit, so die Hoffnung, lassen sich derartige Exzesse künftig eindämmen. Hat die Aktion die gewünschten Effekte gebracht?

Erster Rettungseinsatz erst um 21 Uhr

Die Rottweiler Polizei zieht eine positive Bilanz. "Die Anzahl der Straftaten und Ordnungswidrigkeiten an diesem Tag hat 2012 und 2013 deutlich abgenommen", zeigt sich Michael Schlüssler, Leiter des Rottweiler Polizeireviers, erfreut. "2011 gab es schon um 15 Uhr Alkoholvergiftungen. Und vergangenes Jahr war der erste Rettungseinsatz erst um 21 Uhr." Man wolle, so Schlüssler, "das Feiern nicht verbieten", sondern eine gewisse Eindämmung der Exzesse erreichen. "2011 gab es auch Minderjährige mit Alkoholvergiftungen. Das wollten und konnten wir auch deutlich reduzieren." Zwar könne man nie ausschließen, dass sich Jugendliche unter 18 Jahren mithilfe von Älteren harten Alkohol besorgen, aber man könne den Nachschub zumindest begrenzen.

Derselben Meinung ist auch Detlev Maier, Inhaber des "Culinara"-Markts am Nägelesgraben. "Früher haben sich 14-Jährige den Alkohol über Ältere besorgt, und wenn sie dann betrunken waren, waren immer wir Einzelhändler und Gastronomen schuld. Jetzt können sie sich den Alkohol natürlich zur Not im Voraus besorgen, aber dann müssen sie ihn auch zu Hause bunkern – und hier kommen die Eltern ins Spiel."

Geschäft leidet nicht unter der Aktion

Maier war es, der die Aktion vor zwei Jahren ins Leben rief – zu negativ waren die Erfahrungen aus dem Jahr 2011: "Wir konnten das einfach nicht mehr ertragen", erinnert sich der Ladeninhaber. "Morgens schon überall Alkoholleichen, Tausende von kaputten Flaschen in der ganzen Stadt, das war einfach zu viel." Wenn man sehe, wie sich das exzessive Trinken in den vergangenen 15 Jahren potenziert habe, müsse man etwas dagegen unternehmen. "2012 und vergangenes Jahr hatte ich erstmals wieder das Gefühl, dass es bei der Fasnet wieder um die Tradition geht und nicht ums Betrinken." Dafür habe er, der die Fasnet "klasse" findet, nämlich überhaupt kein Verständnis. Ob das Geschäft an diesem Tag nicht unter der Aktion leidet? "Ganz im Gegenteil", sagt Maier. "Viele Kunden sind in den vergangenen Jahren ganz weggeblieben, weil sie das schlechte Benehmen der Betrunkenen abgeschreckt hat. Das hat sich jetzt gebessert."

In der Regel hielten sich die Angestellten in den Geschäften an die freiwillige Selbstverpflichtung und führten die Ausweiskontrollen konsequent durch, sagt Michael Schlüssler. "Wenn jetzt natürlich eine 24-jährige, nicht verkleidete Frau eine Flasche Sekt oder eine Packung Schnapspralinen kaufen will, wird auch eine Ausnahme gemacht, da ist dann klar, dass es um ein Geschenk geht", sagt der Revierleiter. Es komme eben immer auf den Einzelfall an. Schlüssler jedenfalls ist guter Dinge, dass die Aktion auch 2014 ihre Wirkung nicht verfehlt, zumal die Polizei am Donnerstag stärker Präsenz zeigt als sonst. Wenn die Beamten Minderjährige mit Alkohol erwischen, wird dieser entweder konfisziert oder gleich vernichtet. "Wenn wir feststellen, dass Volljährige den Alkohol an Jugendliche weitergegeben haben, folgt eine Strafanzeige", macht Schlüssler klar.

Trotz überwiegend guter Bilanz: Nicht jeder ist überzeugt davon, dass die freiwillige Selbstverpflichtung wirklich etwas nützt. "Viele holen sich schon vorher was, das hören wir vonseiten der Kunden in den letzten Tagen oft", sagt eine Angestellte des Müller-Drogeriemarktes am Friedrichsplatz mit Blick auf das gelbe Schild, das an der Kasse auf die Aktion hinweist. Sie selbst sehe am Schmotzigen genauso viele Betrunkene auf der Straße wie vor drei Jahren. "Wenn jemand sich wirklich betrinken will, stellt diese freiwillige Selbstverpflichtung für ihn kein Hindernis dar."

Die Polizei im Bereich des Präsidiums Tuttlingen, wozu der Landkreis Rottweil gehört, hat sich auf die närrischen Tage vorbereitet. Laut Pressemitteilung wird sie ein besonderes Augenmerk auf die Einhaltung der rechtlichen Vorschriften zum Schutz der Jugend, aber auch auf die Beachtung der gaststättenrechtlichen Bestimmungen bei den Fastnachtsveranstaltungen richten – mit "intensiv durchgeführten Kontrollen". Der überwiegende Teil der Veranstalter sei über die erforderlichen Anforderungen gut informiert, heißt es.

Verkehrsteilnehmer müssen an den Fastnachtstagen verstärkt mit Alkohol- und Drogenkontrollen rechnen. Diese sollen verhindern, dass sich Autofahrer unter dem Einfluss berauschender Mittel ans Steuer setzen und damit sich oder andere gefährden. Zwar hätten die Maßnahmen der vergangenen Jahre bei einem Großteil der Verkehrsteilnehmer zu einem Umdenken geführt, doch es gebe noch immer zu viele schwarze Schafe, teilen die Ordnungshüter mit.

Die Polizei verstärkt ihren Streifendienst und will bei festgestellten Verstößen, etwa durch betrunkene, randalierende Besucher von Fastnachtsveranstaltungen, konsequent einschreiten.