Die Rottenburgerin Nina Rühlig ist auf dem 220 Kilometer langen Fischerweg an der Atlantikküste Portugals gewandert. Sie hat ein Buch mit vielen Reisetipps zu dem Fernwanderweg veröffentlicht.
Im Westen Portugals liegt ein Wanderweg, der entlang der Atlantikküste viel Genuss und wenig Anstrengung verspricht. Die schmalen, über 220 Kilometer verlaufenden Pfade, zumeist mit sandigem Untergrund, von der Praia de São Torpes bis Lagos werden wahlweise als Fischerpfad oder Fischerweg bezeichnet. Vor knapp einem Jahr hat ihn die Rottenburgerin Nina Rühlig beschritten und darüber nun ein Buch veröffentlicht. Darin erklärt sie die zwölf Etappen, zeigt viele Bilder und erzählt von Erlebnissen und Begegnungen unterwegs.
Hauptberuflich ist Rühlig Energieberaterin. Zum schreiben und fotografieren ist sie eher durch Zufall gekommen. „Seit meinen jungen Jahren wandere ich gerne und bin draußen in der Natur“, sagt die 49-Jährige aus Rottenburg.
Nur das Nötigste im Rucksack
Vor ein paar Jahren sei sie auf den „Fernwandergeschmack“ gekommen: Von Ort zu Ort, immer nur mit dem Nötigsten im Rucksack. „Am liebsten bin ich unabhängig mit meinem Zelt unterwegs“, sagt Rühlig. Das allerdings ist auf dem Fischerweg nicht erlaubt. „Das dient dem Schutz von Flora und Fauna“, so Rühlig. Die Buchten laden allerdings gerade dazu ein, dort zu zelten. Während ihrer Wanderung habe sie einige Leute gesehen, die „wild“ campten. Es gebe jedoch viele kleine Pensionen, Hotels und private Unterkünfte. „Für jeden Geldbeutel lässt sich in den meisten Orten etwas finden“, verspricht Rühlig.
Ruhe und die Langsamkeit
Beim Wandern gefallen ihr die Ruhe und die Langsamkeit unterwegs. „Bei meinen Touren merke ich immer wieder, mit wie wenig ich auskomme und wie schön es ist, einfach zu „sein“. Das tut gut“, sagt Rühlig. Bevor sie nach Portugal aufgebrochen ist, hat sie einige Brocken der Sprache gelernt. Zumeist komme man mit Englisch klar, in kleineren Dörfern könne das aber sinnvoll sein. Ein Tipp allerdings: das portugiesische Portugiesisch lernen und nicht das brasilianische, wie es Rühlig versehentlich tat. Die Unterschiede seien doch erheblich.
Überall Fischer zu sehen
„Überall entlang des Weges sieht man Fischer auf Steinen und an der Küste sitzen“, sagt Rühlig. Daher der Name des erst 2012 entstandenen Pfades. Die meisten Wege gab es bereits. Etwa zehn Prozent mussten hinzugebaut werden, um die Lücken zu schließen. Die Beschilderung ist laut Reiseführerin „sehr gut“. Zwölf Etappen unterschiedlicher Länge führen an der Küste entlang – kleinere Anstiege gibt es nur am Ende zu bewältigen. „Man sieht fast immer das Meer“, so Rühlig. Sie ist von Nord nach Süd gewandert, umgekehrt geht es genauso. Wenn sie einmal abgekommen sei, war das keine Schwierigkeit: „Das Meer ist immer rechts“. Wer gerne bade, könne in der Gegend Monate füllen. Rühlig selbst macht das nicht, sie schaut lieber aufs Wasser. „Außerdem war es Ende März noch zu kalt.“
Durch einen Naturpark
Der Weg führt entlang der Steilküste durch Fischerdörfer und durchquert den Naturpark Südwest-Alentejo und Costa Vicentina auf seiner gesamten Länge. Die im nördlichen Teil des Fischerwegs zumeist unverbaute Küste hat sich ihren ursprünglichen Charakter weitgehend erhalten. Zahlreiche Buchten und Strände laden hier zum entspannten rasten und baden ein. „Lebhafter“ wird es vom südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes – dem Cabo de São Vicente – bis nach Lagos. „Dort kann man gut ein, zwei Tage zum Ausklang der Wanderung bleiben“, sagt Rühlig.
Viele Reisetipps
Neben Tipps zu An- und Abreise hat sie Unterkünfte und Restaurants recherchiert. Sie selbst buchte alles im Voraus. Auf Nachfrage einer Frau im Publikum sagte sie allerdings, das sei in der Regel nicht nötig. Die Reiseführerin schwärmt vom Essen in Portugal und dem frischen Fisch. „In den Markthallen zum Beispiel wird er direkt von den Fischern geliefert, man kann ihn aussuchen und er wird dort gebraten“, erklärt Rühlig. „Frischer geht es nicht.“
In ihrem Buch hat sie zudem Wissenswertes rund um Land und Leute ebenso wie Flora und Fauna zusammengetragen. Und die nächsten Touren sind bereits geplant: eine Vogesen-Durchquerung und vom Genfer See über die Alpen ans Mittelmeer.