Konstanze Helber (Zweite von links) erhielt das Bundesverdienstkreuz. Foto: Ralf Graner Photodesign / Stadt Rottweil

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in Rottweil jüngst vier Frauen und vier Männer mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Darunter war auch die Rottenburgerin Konstanze Helber, deren Würdigung die Stadt Rottenburg angeregt und beantragt hatte.

Rottenburg/Rottweil - Die eigene Lebensgeschichte brachte Konstanze Helber dazu, sich gegen das Vergessen von DDR-Unrecht einzusetzen. Sie berichtet als Zeitzeugin in Schulen und auf Veranstaltungen über das Unrecht, das sie selbst erlebte: 1977 wurde sie wegen Republikflucht zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Bis die Bundesrepublik sie im Jahr 1979 freikaufte, musste sie im Frauenzuchthaus Hoheneck gezielte Entmenschlichung und Zwangsarbeit erleiden.

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Möglichkeit, über traumatische Erfahrungen zu sprechen

2004 begann sie, sich mit ihrer Lebensgeschichte auseinanderzusetzen und gründete 2010 den "Süddeutschen Freundeskreis Hoheneckerinnen". Er bietet ehemals Inhaftierten die Möglichkeit, über traumatische Erfahrungen zu sprechen und setzt sich für die Rechte der Betroffenen ein. Auch Frauen, die in anderen Gefängnissen der DDR einsaßen oder Repressionen ausgesetzt waren, gab sie eine Stimme: 2019 war sie Mitgründerin des Vereins "Forum für politisch verfolgte und inhaftierte Frauen der SBZ/DDR-Diktatur".

Direkter Austausch mit Menschen im Land

Die Ordensverleihung fand während der "Ortszeit Rottweil" statt, der dritten Reise des Bundespräsidenten in der Reihe "Ortszeit Deutschland", bei der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seinen Amtssitz für mehrere Tage in verschiedene Regionen verlegt, um den direkten Austausch mit Menschen überall im Land zu suchen.

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