Nina Rühlig macht dieses Foto von sich auf einer Wanderung durch die Pyrenäen. Foto: Rühlig

Nina Rühlig aus Rottenburg arbeitet in der Energieberatung – doch ihre Leidenschaft ist das Wandern. Ihr Motto: „Wandern ist das Spiegelbild des Lebens.“

Der kleine Saal in der Stadtbibliothek in Rottenburg ist gut besetzt, das Publikum meist im mittleren Lebensalter. Es geht um das Thema Wandern. „Eigene Wege gehen. Wandern – ein Spiegelbild des Lebens“, heißt der Titel des Vortrages von Nina Rühlig.

 

Das Wandern, so die Quintessenz der 49-Jährigen, „ist mehr als nur Bewegung in der Natur“. „Es geht ums Aufbrechen und Ankommen, um Freiheit, Mut und Verantwortung“. Es gehe dabei auch „um Ängste, Grenzen und Herausforderungen“.

Allerdings: Rühlings Wanderungen sind mehr als nur ein etwas ausgedehnter Sonntagsspaziergang. Vor gut zwei Jahren etwa ist sie quer durch die Pyrenäen gelaufen, „930 Kilometer, vom Atlantik bis zum Mittelmeer, immer an der französisch-spanischen Grenze entlang“, zwei Monate habe das Unternehmen gedauert. Die Pyrenäen waren sozusagen eine Art Initialzündung für die Frau aus Rottenburg, es folgten ausgedehnte Unternehmen im Atlasgebirge in Marokko, in den Alpen – und auch im heimischen Schwarzwald war und ist sie unterwegs. Und: Sie begann, Bücher zu schreiben und Vorträge über das Wandern zu halten.

Es geht nicht um Kilometer

„Es geht ums Wandern, aber nicht nur“, beginnt Rühlig ihren einstündigen Vortrag in Rottenburg. Rühlig liefert in ihrem Vortrag keine Wegbeschreibung über ihre Touren, es geht nicht um Kilometer, Höhenmeter oder um Klettersteige, die zu überwinden sind. „Es geht darum, was das Wandern mit mir macht.“

Übernachtet wird meist im Zelt. Dieses Foto entstand in den Pyrenäen. Foto: Rühlig

Es geht um die ersten Schritte, um den Anfang, um Loslassen und Durchhalten, es geht um das einfache Leben beim Wandern, und es geht auch um Mut und um Ängste („Natürlich habe ich auch Angst“). Rühlig ist eine geschickte Rednerin, die ihr Publikum in den Bann zieht, die meisten Zuhörer dürften selbst Wanderer sein, die ihre ganz eigenen Erfahrungen gemacht haben.

Im vergangenen Jahr ist Rühlig den sogenannten „Fischerweg“ in Portugal gelaufen, der wie sie sagt, oftmals als der „schönste europäische Küstenwanderweg“ bezeichnet wird. Die Route ist 220 Kilometer lang, fast immer mit Blick über die Atlantikküste, fast 5000 Höhenmeter sind dabei zu überwinden. Sie hat sogar ein kleines Buch über die Route geschrieben.

Nina Rühlig macht den Publikum bei ihrem Vortrag Mut zu wandern. Foto: Meinert

Ermutigung an das Publikum

Immer wieder ermutigt sie ihr Publikum. Es seien „keine extremen Sachen“, was sie da unternehme. „Das kann jeder machen, Großteils wenigstens“, sagt sie – was im Publikum allerdings einige Lacher hervorruft. Meist, sagt Rühlig, wandere sie allein, vor allem bei den langen Touren. „Man lernt sich besser kennen, man ist dann näher an sich dran.“

Übernachtet wird meist im Zelt, auch in der Wildnis, in einsamen Gegenden. Da alles in ihren Rucksack passen muss, müsse sie ihr Gepäck auf das Notwendigste reduzieren. Doch auch das habe sein Gutes: „Es reduziert alles auf die ganz, ganz einfachen Dinge.“ Auch dies sei wieder so etwas wie eine Lehre fürs Leben.

Ein einfacher, schlichter Rat

Weitere Projekte sind bereits geplant, sagt die Wanderin. So sei sie dieses Jahr bereits quer durch die Vogesen gelaufen, über 400 Kilometer, „auch darüber will ich ein Buch schreiben“. Und für diejenigen im Publikum, die sich noch nicht trauen, auf eine größere Wanderung zu gehen, hat sie einen einfachen und schlichten Rat parat: „Bequeme Schuhe und einfach losgehen.“