Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Schutzanzügen treffen in einem Gesundheitszentrum in Rwampara, Kongo, ein. Nach unbestätigten Angaben einer NGO soll es jetzt auch Ebola-Fälle in Malawi geben. Foto: Moses Sawasawa/AP/dpa

Die Malawi Freunde helfen dort, wo Menschen von weniger als drei Dollar am Tag leben. Jetzt erreicht sie eine schlechte Nachricht: Auch in Malawi soll es Ebola-Fälle geben.

Zuletzt hatte Cholera in Chilumba, einem kleinen Ort am Ufer des Malawisees, gewütet. Die Menschen äußerten ihren Wunsch nach einer Toilettenanlage für die Fischer am See. Mit ihr sollte die durch Bakterien verursachte schwere Magen-Darm-Infektion bekämpft werden. Kooperationspartner für dieses und ähnliche Anliegen sind für die Dorfbewohner die Malawi Freunde Rottenburg. Seit 2017 hat der Verein unter der Leitung von Holger Keppel, der bis 2011 Baubürgermeister in Rottenburg war, mehr als 70 Projekte in dem Dorf umgesetzt – rund 1,1 Millionen Euro wurden mit Hilfe von Spenden investiert. Vor Ort helfen zwei Nichtregierungsorganisationen (NGOs) bei der Umsetzung der Entwicklungshilfe. Auch Holger Keppel reist immer wieder in das Land im Südosten Afrikas, um die Projekte vor Ort zu begleiten.

 

Keppel steht in engem Kontakt mit den NGOs. Die Nachrichten, die derzeit nach Rottenburg durchdringen, sind besorgniserregend. Keppel teilt unserer Redaktion mit, was ihm ein Vertreter der NGO Phunzirani Development Organisation (PDO) geschrieben hat: „Wir hatten zwei Fälle von Ebola in Karonga.“ Die Stadt mit mehr als 60.000 Einwohnern liegt etwa eine Stunde nördlich von Chilumba, nahe der Grenze zu Tansania. Nach Angaben der NGO sollen die angeblich Infizierten über die Grenze aus Tansania gekommen sein. Das Karonga District Hospital habe von den Fällen berichtet.

Offizielle Warnung an Reisende

Unabhängig überprüfen lassen sich die Berichte über die angeblichen Ebola-Infektionen in Malawi nicht. Das malawische Gesundheitsministerium warnt Reisende vor den bislang offiziell gewordenen Ebola-Fällen in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda. Bestätigte Ebola-Fälle im eigenen Land gebe es laut der Gesundheitsbehörde mit Stand 29. Mai nicht.

Die Malawi Freunde Rottenburg haben in den vergangenen Jahren in Chilumba drei Dorfambulanzen, sogenannte Village Clinics, aufgebaut. Sie dienen allerdings hauptsächlich der Versorgung von Müttern und ihren Kindern im Alter von unter fünf Jahren. Rund 17.000 Patienten wurden dort bereits versorgt. Keppel sagt jedoch, dass die Dorfambulanzen Patienten mit Ebola oder Cholera nicht behandeln könnten.

Ein Mitarbeiter der NGO Urban Research & Advocacy Centre (URAC) berichtet von weiteren traurigen Krankheitsfällen: Sechs Menschen sollen in der Gegen rund 100 Kilometer südlich von Chilumba an Typhus gestorben sein.

Ein Jugendausbildungszentrum wurde in Chilumba 2025 eröffnet. Foto: Holger Keppel

Seife schafft Arbeitsplätze

Die Malawi Freunde Rottenburg lassen im Angesicht der vielen Schreckensnachrichten nicht nach in ihrem Engagement. Sie planen ein Projekt zum Bananenanbau und eines zur Seifenherstellung. In ihrem Newsletter berichten sie: „In Chilumba bedeutet die hohe Arbeitslosigkeit Armut für viele Familien und damit tägliche Unsicherheit. Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt von weniger als 3 US-Dollar pro Tag. Steigende Preise für Strom, Treibstoff und Grundnahrungsmittel verschärfen die Situation zusätzlich. Selbst einfache Dinge wie Seife – ein Grundpfeiler für Gesundheit und Würde – sind für viele Haushalte kaum erschwinglich.“ Mit einer gemeinschaftlich organisierten Seifenproduktion sollen Arbeitsplätze geschaffen und die Hygiene verbessert werden. „Mehr als 2000 Haushalte sowie Schulen in der Region sollen von preiswerter, lokal produzierter Seife profitieren“, schreibt der Verein.

Die Malawi Freunde unterstützen eine Nähschule in Malawi. Foto: Holger Keppel

Bananen und Dünger

Das zweite neue Projekt, eine Initiative zur Produktion von Kleinbananen und der Herstellung von organischem Dünger, soll die landwirtschaftliche Produktivität steigern, Hunger bekämpfen und neue Einkommensmöglichkeiten schaffen. Hintergrund sind sinkende Erträge bei Mais, Reis, Maniok und anderen Kulturen, die auf Probleme der Bodenqualität zurückgeführt werden.

Die Idee des Bananenprojekts wurde von der Phunzirani Development Organisation im Rahmen der Frauenbewegung von „Our Body Our Life“, den Stammesführern in Chilumba und den Malawi Freunden Rottenburg entwickelt. Das Projekt ist aus einem zuvor von Holger Keppel mit der Gemeinde veranstaltetem Workshop hervorgegangen.

Patenschaften

Hilfe für Schüler
Der Vorsitzende der Malawi Freunde Rottenburg, Holger Keppel, weist auf das Patenschaftsprogramm des Vereins hin: Für 20 Euro monatlich kann man einem Tagesschüler die Schulgebühren finanzieren, beziehungsweise für 35 Euro einem Mädchen den Aufenthalt im „Schulinternat“ für die Dauer von vier Jahren, mit zwei Mahlzeiten am Tag, ermöglichen. „In der Regel haben wir plus/minus 70 laufende Patenschaften. Die Nachfrage ist sehr groß“, teilt Keppel mit.