Eine Schulleiterin wurde vom Amtsgericht Rottenburg zu einer Geldstrafe in Höhe von rund 12.000 Euro verurteilt weil sie Schüler beleidigt und verletzt hat. (Archivfoto) Foto: Baum

Beleidigung und Körperverletzung im Amt wurde kürzlich einer Rottenburger Schulleiterin vor dem Rottenburger Amtsgericht zur Last gelegt. Sie wurde rechtskräftig verurteilt und muss nun 12.000 Euro Strafe zahlen.

Rottenburg - Nach der Verurteilung ist die Rektorin in ihrem Amt wohl nicht mehr haltbar. Die Rottenburger Schulleiterin musste sich vor dem Amtsgericht verantworten, da sie wiederholt verbal und einmal auch körperlich gegenüber Schülern übergriffig geworden ist. Die Staatsanwaltschaft wertete dies in ihrer Anklage als Beleidigung und Körperverletzung im Amt.

Mädchen wegen ihrer Figur diskriminiert

Eigentlich waren zwei Verhandlungstage für den Prozess gegen die Schulleiterin angesetzt – mit vielen Zeugen, doch dann ging es bereits am ersten Verhandlungstag sehr schnell: Nach wenigen Stunden wurde das Urteil gesprochen.

So soll die Rektorin vor drei Jahren zu einer Schülerin gesagt haben, sie sei "schlampig gekleidet" und sehe aus "wie eine Hure". Im selben Jahr beleidigte sie das zierliche Mädchen erneut – die Schulleiterin bezeichnete es als "Knochengestell" und lobte eine andere Schülerin ob ihrer "Kurven".

Es gab noch einen weiteren Vorfall im vergangenen Schuljahr: die Rektorin beschimpfte eine weitere Jugendliche im Rektorat als "nuttig und schlampig gekleidet" und fasste daraufhin das Mädchen mit beiden Händen am Kopf und zog es zu sich heran. Die Schulleiterin fragte das Mädchen, ob es doof sei, drehte es zur Tür hin und schlug ihr auf den Po.

Schüler haben Angst vor Aussage im Gericht

Ein Schüler, der von der Maskenpflicht befreit war, wurde von der Rektorin als "dumm" bezeichnet. "Wegen euch wird Corona verbreitet", soll sie zu dem Jugendlichen gesagt haben. Die Eltern erstatteten schließlich Anzeige.

Als Zeugen waren unter anderem die Jugendlichen geladen – der Richter sagte aber, sie seien angesichts einer Aussage vor Gericht sehr verängstigt. Er schlug dann eine Verständigung vor, um den Schülern eine Aussage zu ersparen.

Die Körperverletzung könne mit einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten geahndet werden. Der Richter unterbreitete der Angeklagten den Vorschlag des Gerichts, dass es nurmehr eine Geldstrafe geben werde, sollte die Angeklagte die Vorwürfe einräumen.

Rektorin räumt alle Vorwürfe ein

Nach einer Beratung mit der Angeklagten erklärte der Verteidiger, dass seine Mandantin die Vorwürfe voll umfänglich einräumt. Die Staatsanwaltschaft wertete die Körperverletzung als minderschweren Fall – und bei den Beleidigungen habe die Angeklagte ihre Macht über die Kinder und Jugendlichen missbraucht. Sie forderte 90 Tagessätze Geldstrafe.

Das Gericht verurteilte die Rektorin zu 12.000 Euro Geldstrafe zu 135 Euro. Zudem muss die Angeklagte die Kosten das Verfahren tragen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Tübingen vom vergangenen Donnerstag ist das Urteil "noch nicht rechtskräftig". Ein Disziplinarverfahren der Schulbehörde gegen die Rektorin steht noch aus.

Stadtverwaltung Rottenburg bemüht sich vergeblich um Beurlaubung

Die Stadtverwaltung Rottenburg hat sich aber bereits vergeblich um die Beurlaubung der Rektorin bemüht, wie Birgit Reinke vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerengagement gegenüber unserer Redaktion bestätigt. "Ja, das trifft zu. Es fanden Gespräche mit dem Schulamt statt, alle mit dem Ziel, eine Lösung zu finden, dass Ruhe in die Schule einkehrt und ein normaler Schulalltag für alle möglich ist", sagt Reinke. Zum Inhalt der Gespräche will die Stadtverwaltung Rottenburg jedoch "keine weiteren Details nennen".