Holger Keppel hat sich in Malawi einen Überblick über die laufenden Projekte der Malawi Freunde verschafft. Foto: Mtafu Manda

Die Malawi Freunde Rottenburg engagieren sich mit Patenschaften und Projekten in dem südostafrikanischen Land. Der Vereinsvorsitzende Holger Keppel besuchte Malawi vor Kurzem. Er berichtet von einer abenteuerlichen Reise, auf der er die Strapazen des Alltags erlebt, aber auch die Früchte der Entwicklungshilfe sieht.

Nach seinem Flug in die malawische Hauptstadt Lilongwe wurde Holger Keppel von der Botschafterin in deren Residenz empfangen. Er berichtet: „Dies war ein ausgesprochen schöner und angenehmer Abend, schöne Musik, gutes Essen vom Spanferkel bis zum Marmorkuchen und eine sehr gute Rede der Botschafterin zum Tag der Deutschen Einheit und den guten deutsch- malawischen Beziehungen! Danach hat der malawische Minister für Energie gesprochen, war auch gut. Zum Schluss dann noch beide Nationalhymnen.“

 

Schwierige Benzinbeschaffung

Auf der Autofahrt in den Norden des Landes erlebt Keppel am nächsten Tag abenteuerliches: „Gegen 16 Uhr ging es dann endlich durch das übliche Verkehrschaos in Lilongwe weiter nach Mzuzu in den hohen Norden, viele fürchterliche Schlaglochstrecken“, berichtet er. „Irgendwann unterwegs sagte ich zu ihm (dem Fahrer, d. Red), wenn er ein Lokal auf der Strecke kennen würde, könnten wir dort verspätet zu Mittag essen. Wichtiger war ihm aber wohl die Benzinbeschaffung, denn überall in der Stadt verstopften lange Schlangen bei den Tankstellen die Straßen. Die Autobesitzer lassen dann das Auto auch über Nacht stehen, bis sie angerufen werden, dass es wieder Benzin gibt. Diese Situation hatte ich vor zehn Jahren schon einmal erlebt. Zebron (der Fahrer) hatte hier seine eigene Methode und kannte Stellen, wo junge Burschen zu einem Wucherpreis Benzin anboten.“

Besuch in der Schule

Keppel besuchte dann die Tawuka-Schule, die von den Malawi Freunden unterstützt wird. Er berichtet: „Gegen 9 Uhr war ich dann an der Schule und das Meeting – im Sommerhut, Foto mit Ziege als Gast – mit dem neuen Schulvorstand begann. Es war sehr angenehm, konstruktiv und partnerschaftlich. Natürlich ging es wieder um die Unterstützung bei den Lehrergehältern, diese hatte unser Vorstand aber schon mehrfach abgelehnt, die Lehrer verdienen monatlich rund 70 Euro, an staatlichen Schulen das Doppelte, weshalb der Lehrerwechsel sehr hoch ist, und um den Sportplatz, der jetzt doch Priorität hatte. Als Kostenrahmen habe ich maximal 5000 Euro vorgegeben. Dann wünschte man sich noch eine Mühle, um dadurch Kosten einzusparen. Die Schule verköstigt ja alle Schüler einmal am Tag mit einem warmen Essen, die Mädchen im Girls Hostel bekommen auch noch ein Abendessen. In staatlichen Schulen – die auch Gebühren verlangen – müssen sich die Schüler selbst versorgen.“

Inflationsrate von 25 Prozent

Die Steigerung der Lebenshaltungskosten sind in Malawi ein großes Problem. Die Inflationsrate liege laut Keppel bei 25 Prozent. „Die Kosten für Reis haben sich von 7000 auf 13.000 Kwacha fast verdoppelt, Soja stieg von 3000 auf 12.000 Kwacha. Die Kostensteigerungen erleben wir ja gerade auch bei unseren Bauvorhaben, alle zwei Monate verdoppelt sich der Zementpreis. Andere Malawi Vereine berichten über ähnliche Probleme.“ Ein Beispiel aus dem Alltag: Ein Glas Nutella koste in Malawi 10 Euro. Keppel schreibt in einer Mail: „Viel schlimmer ist die enorme Kostensteigerung bei allen Lebensmitteln, nur traurig, dies kann man sich bei uns so gar nicht vorstellen, wir werden ja täglich überschwemmt von alle den vielen schlimmen Nachrichten aus aller Welt und jammern nur auf hohem Niveau, wie ach es uns so schlecht geht.“

Reisfelder und Gemüsegärten

Hoffnung macht hingegen Keppels Bericht über die von den Malawi Freunden unterstützten Reisfelder und Gemüsegärten. Er schreibt: „Ein großartiger Anblick. 73 Hektar (gestartet vor zwei Jahren mit 12 Hektar ) werden hier von 174 Familien bewirtschaftet, das heißt, dass umgerechnet auf die Familiengröße über 1000 Menschen davon profitieren. 20 Prozent der Verkaufseinnahmen bleiben bei der Genossenschaft, 80 Prozent werden den Familien ausbezahlt. Dieser Teil von Chilumba ist zwischenzeitlich der größte Reisproduzent im Norden von Malawi und bei der nächsten Ernte im November wird ein noch höherer Ertrag erwartet. Und unsere Solarpumpen funktionieren noch.“

Holger Keppel besuchte auf seiner Reise den Malawisee. Foto: Keppel/Malawi Freunde Rottenburg

Vielzahl von Cholerafällen

Weitere wichtige Ereignisse waren das Richtfest eines vom Verein unterstützten Jugendausbildungszentrums, die Einweihung der dritten Village Clinic und die Einweihung sanitärer Anlagen am Strand des Malawisees. Über Letzteres schreibt Keppel: „Das Gebäude sieht sehr gut aus, in der Mitte die sogenannte Rezeption, hier sitzt ein Mitglied des Beach Sanitation Comittee und kassiert 100 Kwacha (10 Cent) als Benutzungsgebühr ein, links und rechts davon gibt es je zwei Toiletten und eine Dusche für Männer und Frauen. Die Anlage ist für 361 registrierte Fischer plus deren Familien, sowie für 110 Fischhändler, die täglich erscheinen, konzipiert. Bisher gibt es keine Toilettenanlage hier am Strand, dafür aber eine Vielzahl von Cholerafällen inklusive mehrerer Toten, also eine gute und wichtige Einrichtung, für die sich die Menschen sehr dankbar zeigten. Wöchentlich gibt es auch eine Hygiene- und Gesundheitsschulung durch den örtlichen staatlichen Gesundheitshelfer.“

Keppel und die Helfer vor Ort freuen sich über die neuen sanitären Anlagen. Foto: Mtafu Manda

Stadt Rottenburg unterstützt

Im Anbetracht der umfangreichen Projekte ist der Verein dankbar für jede Unterstützung. Unter anderem unterstützt die Stadt Rottenburg die Malawi Freunde bei Projekten. „Die Projekte müssen den 17 UN- Zielen entsprechen, zuletzt wurden die Village Clinic 3 und der Brunnenbau unterstützt“, sagt Keppel unserer Redaktion.