Das Hallenbad soll geöffnet bleiben, um insbesondere den Schwimmunterricht für die Schulen und die Schwimmkurse beibehalten zu können. Foto: Begemann

In Rottenburg gehen künftig ab 1 Uhr nachts die Lichter aus – dies beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

Rottenburg - Hintergrund ist die Festlegung eines Maßnahmenkatalogs zur Energieeinsparung, wie ihn auch die Bundesregierung anstrebt. In der Ratssitzung wurden alle Maßnahmen hinterfragt, einige, wie etwa das Ausschalten des warmen Wassers in den Sporthallen, auch infrage gestellt.

In den Kindertagesstätten soll es weiterhin warm bleiben

Oberbürgermeister Stephan Neher betonte, dass die Maßnahmen nach den Sommerferien der Schulen und Kindergärten starten sollen. Daher sei eine Sitzung in der Sommerpause anberaumt worden. Und um etwa die Heizungssysteme anzupassen, ist ein Vorlauf von drei bis vier Wochen notwendig.

Die Heizungen sollen in den öffentlichen Gebäuden der Stadt zwar nicht ausgeschaltet werden, dafür soll aber die Raumtemperatur auf 19 Grad abgesenkt werden – dies auch in Schulen und Kindergärten. Ausgenommen sind lediglich die Kindertagesstätten, hier soll es weiterhin warm bleiben.

Freiwilligkeit der Maßnahmen durch Gesetz eingeholt

Ein Vertreter der Personalvertretung kam in der Sitzung ebenfalls zu Wort. Er forderte, dass man Steuerungsmöglichkeiten vorhalten müsse, um bei zu kalten Temperaturen die Raumtemperaturen hochregulieren zu können. Erster Bürgermeister Thomas Weigel betonte, dass man gemeinsam mit dem Hochbauamt daran arbeite, 20 Prozent Heizungsenergie und Strom einzusparen.

Die Bundesregierung habe angekündigt, diesbezüglich Vorgaben machen zu wollen. Der neun Punkte umfassende Maßnahmenkatalog zur Energieeinsparung der Stadt wurde mehrheitlich beschlossen. "Es sind unsere Maßnahmen, nicht die der Bundesregierung", betonte OB Neher. Doch die Freiwilligkeit der Maßnahmen sei durch gesetzliche Regelungen eingeholt worden.

Thomas Weigel: Einige der Maßnahmen einfach zu händeln

Thomas Weigel sagte, dass einige der Maßnahmen einfach zu händeln seien – etwa das warme Wasser in den Sporthallen abzustellen. In den dort befindlichen Küchen werde dafür gesorgt, dass mittels Untertischboilern heißes Wasser zum Spülen zur Verfügung steht. Die Heizungsanlagen würden bis zum Beginn der Heizperiode abgeschaltet bleiben und erst Ende Oktober angeschaltet, so Weigel.

Geheizt werden soll dann weniger – die Vorlauftemperatur werde um 10 Kelvin, dies entspricht 10 Grad Celsius, abgesenkt. So komme in den Heizkörpern weniger Energie an, die Raumtemperatur werde so um zwei bis drei Grad Celsius abgesenkt. Die Absenkung der Raumtemperatur um ein Grad Celsius entspricht etwa einer Einsparung von sechs Prozent Energie, so die Verwaltungsspitze.

Verlängerung der Schließzeiten in Verwaltungsgebäuden

In allen Foyers, Fluren und WC’s werden die Heizkörperthermostate auf einer Einstellung zur Gewährung des Frostschutzes festgestellt. Die Heizkörper seien dann im Betrieb dauerhaft abgesenkt, so Weigel.

Eine weitere Maßnahme sieht die Verlängerung der Schließzeiten in den Verwaltungsgebäuden und Kindereinrichtungen vor. So sollen die Stadtverwaltung, die Ortschaftsverwaltungen sowie die WTG am Marktplatz und am Bahnhof sowie die Wohnbau Rottenburg einheitlich vom 24. Dezember bis zum 9. Januar analog der Weihnachtsferien geschlossen bleiben. Notbesetzungen werden im Gebäude der Kämmerei untergebracht – dieses kann separat geheizt werden.

Notbetreuung soll eingerichtet werden

Auch die Kinderbetreuungseinrichtungen werden wie die Schulen vom 24. Dezember bis zum 9. Januar geschlossen. Eine Notbetreuung soll eingerichtet werden. Die Ortschaftsverwaltungen sollen ihre Öffnungszeiten bündeln, so dass die Heizung ein ige Tage ausbleiben kann.

Zudem beschloss der Gemeinderat, dass die Beleuchtung öffentlicher Gebäude wie etwa des Domturms, der Sülchenkirche oder der Fenster der Stadtbibliothek abgeschaltet wird. Auch wird die Weihnachtsbeleuchtung zwar aufgehängt, aber nur am Nikolausmarkt und an den Adventssonntagen und an Weihnachten angeschaltet.

Abschaltung der Straßenbeleuchtung ab 1 Uhr

Umstritten war die Abschaltung der Straßenbeleuchtung ab 0.30 Uhr – da fährt in Rottenburg der letzte Zug ein, abgeschaltet bleiben soll sie bis 5 Uhr. Renate Holzmann regte an, erst ab 1 Uhr die Straßenbeleuchtung abzuschalten – darauf verständigte sich der Gemeinderat dann auch mit der Verwaltungsspitze.

OB Neher erklärte, die Abschaltung sei mit der Polizei abgeklärt und diese sehe hier keine Probleme. Die technische Umsetzung in der Kernstadt und in den Ortschaften wird von den Stadtwerken geprüft.

Das Hallenbad soll geöffnet bleiben

Eine weitere Maßnahme sieht vor, dass das Freibad bis Ende September geöffnet bleiben soll, da dort die Heizenergie über eine Wärmepumpe aus dem Neckar gewonnen wird. Ein längerer Parallelbetrieb mit dem Hallenbad erscheint den Stadtwerken als unrentabel. Das Hallenbad soll geöffnet bleiben, um insbesondere den Schwimmunterricht für die Schulen und die Schwimmkurse beibehalten zu können.

Energiesparbroschüre für Flüchtlinge

Jedoch wird die Wassertemperatur in beiden Becken des Hallenbades um circa zwei Grad abgesenkt. Maßnahme neun sieht den Tausch der Leuchtmittel in städtischen Gebäuden vor, sie sollen durch LED-Lampen ersetzt werden. Allen Geflüchteten aus der Ukraine und aus anderen Ländern soll eine leicht verständliche Energiesparbroschüre ausgehändigt werden.