Die Rottenburger Bezirksimker verteidigen ihre Honigbienen und sagen der Asiatischen Hornisse den Kampf an.
Die Asiatische Hornisse breitet sich in Baden-Württemberg rasant aus – und bereitet Imkern zunehmend Sorgen. Die Bezirksimker Rottenburg haben sich deshalb jüngst weitergebildet und kämpfen gegen die invasive Art an. „Ich habe in der Nähe meiner Bienen zwischen Dettingen und Weiler schon ein kleines Nest gesehen und das gemeldet“, berichtet Hobby-Imkerin Julia Scheuer. Wird die Sichtung bestätigt, kann sie die Asiatische Hornisse entfernen. „Sie ist leicht zu verwechseln mit der Europäischen Hornisse, aber ich bin mir sicher“, sagt Scheuer und zeigt Fotos.
Sie lässt sich zusammen mit dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden der Rottenburger Bezirksimker Oliver Hauck und Benjamin Merkle derzeit an der Uni Hohenheim schulen, um fachgerecht gegen die Asiatische Hornisse vorzugehen. Außerdem hat der Verein bei der Stadt Rottenburg einen Bürgergeldantrag gestellt und bewilligt bekommen. Mit 3000 Euro werden spezielle Schutzanzüge, Handschuhe, Helme und eine Lanze für hoch liegende Nester angeschafft.
Die Population eindämmen
„Eine Ausrottung ist nicht mehr möglich“, erklärte jüngst Biologin Carolin Rein von der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim. Stattdessen gehe es darum, die Population einzudämmen – insbesondere durch das frühzeitige Entfernen sogenannter Gründungsnester im Frühjahr.
Die Rottenburger Imker haben deshalb Flyer erstellt, auf denen die wichtigsten Merkmale erklärt sind. „Die Asiatische Hornisse gefährdet unsere Landwirtschaft und die Biodiversität“, sagt Hauck. In Nestnähe sei die Stichgefahr hoch. „Ich bin noch nie von einer Asiatischen Hornisse gestochen worden, aber anscheinend ist es deutlich schmerzhafter als bei normalen Bienen.“ Auf dem Flyer sind auch die verschiedenen Nestarten erklärt: das Gründungsnest im April, eine ausgebaute Variante dessen im Mai und Juli, ein höher liegendes Sekundärnest im Juli/August und ein riesiges Sekundärnest hoch oben im Baum, das bis zu einen Meter groß werden kann. „Wir möchten die Bevölkerung aufrütteln“, sagt Hauck. Die Flyer werden auch gezielt an Leute verteilt, die viel draußen arbeiten wie Straßenmeistereien und Gärtner.
Über Warenimporte aus Asien eingeschleppt
Die invasive Hornissenart wurde ursprünglich über Warenimporte aus Asien nach Europa eingeschleppt und 2014 erstmals in Deutschland nachgewiesen. Seitdem breitet sie sich insbesondere im Südwesten stark aus. Nach Angaben des baden-württembergischen Umweltministeriums hat sich die Zahl der gemeldeten Nester innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.
„Für uns Imker ist die Entwicklung alarmierend“, sagte Hauck. Denn die Asiatische Hornisse jagt gezielt Honigbienen, die sie zur Aufzucht ihrer Larven benötigt. Fachleute warnen inzwischen auch vor Folgen für Wildbienen, Obstbau und Weinbau. Besonders problematisch: Die Tiere besitzen in Europa kaum natürliche Feinde und können sich deshalb nahezu ungehindert vermehren. „Deshalb müssen wir unsere Honigbienen schützen und verteidigen“, so Hauck.
Um der Ausbreitung entgegenzuwirken, setzt Baden-Württemberg auf ehrenamtliche Helfer wie jene in Rottenburg. In kostenlosen Kursen, die zentral von der Universität Hohenheim organisiert werden, lassen sie sich zu Nestentfernern ausbilden.
Arbeit ist nicht ungefährlich
Die Arbeit ist allerdings nicht ungefährlich. Während die heimische Europäische Hornisse vergleichsweise friedlich gilt, reagiert die Asiatische Hornisse deutlich aggressiver. „Wir raten dringend davon ab, Nester eigenständig zu entfernen“, sagt Hauck. Daher haben die Rottenburger über einen QR-Code eine Verlinkung auf die zentrale Meldestelle eingerichtet. Bilder von Funden können aber auch direkt per Whatsapp an 0160 / 244 1511 geschickt werden.
Besonders wichtig bleibt die richtige Identifikation der Tiere. Die Asiatische Hornisse besitzt charakteristische gelbe Beinenden – im Volksmund auch „gelbe Kniestrümpfe“ genannt. Ihr Körper ist überwiegend dunkel mit einer gelben Binde am Hinterleib. Die heimische Europäische Hornisse dagegen zeigt deutlich mehr rotbraune und gelbe Färbungen. „Laien können das trotzdem leicht verwechseln“, so Hauck. Wird die Asiatische Hornisse eindeutig identifiziert, können niedrig hängende Nester häufig mit einer Art Staubsauger entfernt werden. Weiter oben kommen eine Lanze und Aktivkohle zum Einsatz. Weil sich in großen Nestern tausende aggressiv werdende Tiere befinden können, ist die Aktion gefährlich. „Der Schutzanzug ist deutlich robuster als unsere normale Ausrüstung“, erklärt Hauck.
Sichtungen in Wohngebieten, Gärten und Streuobstwiesen
Auch in sozialen Netzwerken und Onlineforen berichten Bürger inzwischen immer häufiger von Sichtungen in Wohngebieten, Gärten und Streuobstwiesen. Viele Nutzer schildern ihre Unsicherheit bei der Bestimmung der Tiere und wenden sich an Imker oder Naturschutzbehörden.
Für die Rottenburger Bezirksimker steht deshalb fest: Der Kampf gegen die invasive Art ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die sie in den nächsten Jahren beschäftigen wird. Durch schnelles Handeln wollen sie die Auswirkungen auf die Bienenbestände und Natur zumindest zu begrenzen.