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Rottenburg "Wie der Heiner kann’s keiner"

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Er ist ein schwäbischer Barde, aber nicht nur. Er reißt die Zuhörer mit seinen kessen Sprüchen vom Hocker, trifft den Puls der Zeit, klagt an, klärt auf. Die Rede ist von Heiner Kondschak, der am Freitagabend das Hirrlinger Bürgerhaus füllte.

Hirr lingen . Er bot dem Publikum Geschichten aus seinem Leben als Musiker, aus seiner Theaterzeit und mehr. "Wie der Heiner kann’s keiner", wurde er angekündigt. Und es stellte sich als richtig heraus. Denn so hinter die Kulissen zu blicken, so derart frech zu komponieren kann sonst (fast) keiner.

Zur Ouvertüre zupfte er ein wenig an der Mandoline, sang ein Lied auf seine Band und auf Hirrlingen. Denn da habe er jahrelang neben dem Bürgerhaus gewohnt. Seine nächste Station war Ofterdingen, wo in 15 Jahren nicht viel passiert sei. "Es gibt Städte, wo was los ist, und... Rottenburg", meinte Kondschak. Das Publikum grölte begeistert, denn er legte den Finger in die Wunde: "In Rottenburg hat kürzlich die letzte Kneipe zugemacht", und man habe 20 Jahre Wasser und Strom gefeiert. Die Flucht nach Bad Niedernau sei nicht gelungen, "denn das ist auch Rottenburg". Er schlug sich durch nach Weiler, doch auch da sei er mit den Sternen allein gewesen. Die Orgel im Dom kenne nur Kreuztonarten, so erzkatholisch sei man in Rottenburg.

"In Tübingen pulsiert das pralle Leben, und in Rottenburg soll es schon wieder Wölfe geben", reimte Kondschak. Er bekannte, dass er aus bescheidenen Verhältnissen komme, doch zum 14. Geburtstag habe ihm seine Oma eine Mundharmonika geschenkt. "Sie bat mich, auf der Mundharmonika ›Für Elise‹ zu spielen – und das klingt so." Klar, dass Kondschak nicht "Für Elise" anstimmte, sondern das "Lied vom Tod".

Seiner Oma setzte er ein musikalisches Denkmal mit all ihren Sprüchen und Lebensweisheiten, wie etwa "Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her", "Reden ist Silber, schweigen ist Gold" oder "Auch wer den Euro ehren kann, ist noch lange kein Edelmann". Witze gab Kondschak ebenfalls zum Besten. Der Unterschied zwischen einem Jazzmusiker und einem Rockmusiker sei beispielsweise, dass der Jazzmusiker 1000 Akkorde vor vier Zuhörern spielt, der Rockmusiker vier Akkorde vor 1000 Zuhörern.

Auch selbstkritische Songs hat der Barde in seinem Repertoire. "Ging ich immer um zehn ins Bett, wär ich immer hübsch und nett. Da ich aber das nicht tu, seh ich anders aus als du." Dazu rasselte er mit der Fußrassel, dass es eine Freude war. Lieder von Robert Gernhardt brachte er genauso zu Gehör wie von Gerhard Gundermann oder auch den kürzesten Countrysong der Welt.

Nachdenklich stimmte so manches aus der Feder von Kondschak, wieder anderes war lustig, humorvoll, sarkastisch. Beeindruckend war der Song, den er für die Aidshilfe Reutlingen/Tübingen komponiert hatte, er heißt "Überleben, wenigstens bis Morgen". Auch Weltschmerz oder die Welt, die aus den Fugen geraten ist, ist Thema bei ihm.

Ohne Zugaben ließ ihn das begeisterte Publikum nicht von der Bühne gehen. Viel Applaus lockte dann auch noch eine zweite Zugabe hervor.

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