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Rottenburg War beliebter Pfarrer aus Ergenzingen ein Kinderschänder?

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Pfarrer Alfons Leykauf  (links) bei seiner Ernennung zum Ehrenbürger von Ergenzingen durch den verstorbenen Altbürgermeister Alfred Thurner (rechts). Leykauf war von 1938 bis 1962 Pfarrer in Ergenzingen. Foto: Archiv-Foto: Ranft

Rottenburg-Ergenzingen - Mit Bestürzung reagierten am Mittwoch viele Ergenzinger auf die Nachricht von ihrem früheren Pfarrer Alfons Leykauf. Ihm wurde die Ehrenbürgerschaft entzogen. Der Grund: schwerer sexueller Missbrauch.

Ortschafts- und Gemeinderat hatten sich in nicht-öffentlicher Sitzung eindeutig positioniert. "Was wir an Fakten wissen, rechtfertigt den Entzug. Das war unstrittig", sagt Ortsvorsteher Reinhold Baur und verweist auf eine gemeinsame Sitzung von Kirchengemeinderat, Ortschaftsrat und Kolpingsfamilie, die in Ergenzingen von Leykauf gegründet wurde.

Uwe Renz, Pressesprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart, informierte auf Anfrage über das Vorgehen. So hätten sich drei Frauen bei der vom Bischof gegründeten "Kommission Sexueller Missbrauch" gemeldet und Leykauf angezeigt. Sie lebten in den 1960er- und 70er-Jahren im Kinderheim St. Josef in Gutenzell-Hürbel (Landkreis Biberach), wo Leykauf als Seelsorger tätig war. Daraufhin ging die Kommission der Sache nach und ließ ein Gutachten über eine der Frauen anfertigen.

Danach, so Renz, könne man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die damaligen Mädchen im Alter von sechs bis 16 Jahren mehrmals Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden – zum Teil sogar über Jahre hinweg. "Dort hat natürlich ein anderes Umfeld als in Ergenzingen geherrscht", sagt Renz.

Die "Kommission Sexueller Missbrauch" kam zu dem Entschluss, dass von der Plausibilität dieser Vorwürfe auszugehen sei. Die Stadt Rottenburg wurde daher darum gebeten, über den Entzug des Ehrenbürgerrechtes zu beraten – "in Kenntnis der erschütternden Vorwürfe und aus Respekt vor den Betroffenen".

Pfarrer Alfons Leykauf wurde am 24. Juni 1905 in Aschhausen (Hohenlohekreis) geboren. Seine Priesterweihe erhielt er am 5. April 1930 in Rottenburg. Gestorben ist er am 27. August 1983 in Offenhausen (Kreis Reutlingen).

Er war unter anderem Präses der Kolpingsfamilie Ergenzingen von 1949 bis 1962. Zudem hob er 1949 die heute noch bestehende Theatergruppe der Kolpingsfamilie aus der Taufe.

Nach seinem Abschied aus Ergenzingen im Jahr 1962 ging er in das Kinderhaus nach Hürbel – wo sich dann die verhängnisvollen Taten ereigneten.

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Florian Ganswind

Fax: 07451 9003-29

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